Stellungnahme zu den heutigen Berichten über die Erhöhung des Leitzinssatzes durch die europäische Zentralbank EZB um fünfundzwanzig Basispunkte von 4 auf 4,25 Prozent (EZB Zinsentscheidung zum Leitzins).
NACHRICHTEN GELESEN AUS DER SICHT DER MITTELSCHICHT
Nicht nur, dass, wie heute vermeldet wurde, fatalerweise und mit ökonomisch destruktiver Wirkung der Zinshammer aus der Kiste geholt wird, obwohl die derzeitige Inflation garantiert nicht -- das beweisen alle aktuellen Wirtschaftsumfragen -- durch überbordende Konsumfreudigkeit erzeugt wurde, sondern mit welchen Begleittönen Trichet uns den Zins erhöht, ist eine Art "Mega-Skandal".
Es ist ein größter anzunehmender Affraint gegen die europäische Mittelschicht! Und es kann niemals gut gehen, wenn die Mittelschicht insbesondere hierzulande sich ähnliche Unverschämtheiten wieder und wieder ohne aufzuschreien gefallen lässt. Ein ähnlicher Affraint war bisher in Deutschland bereits die unsägliche Begründung zur Abschaffung der Pendlerpauschale: Es handele sich dabei, so wurde uns zugemutet, um eine Subventionierung, ein uns nicht zustehendes Almosen und nicht um das selbstverständliche Recht der abhängig Beschäftigten auf steuerliche Gleichbehandlung mit Selbständigen, nicht um die selbstverständliche Logik, dass das Geld, das zur Erzielung von Einnahmen notwendig ausgegeben wird, natürlich nicht zu den am Ende übrig bleibenden zu versteuernden Einnahmen gehört.
Bereits seit Wochen warnt Trichet die europäischen Gewerkschaften und die europäischen Arbeitnehmer, mit einer "Lohn-Preis-Spirale" auf die erfolgten Teuerungen vor allem im Energie- und Lebensmittelbereich zu reagieren.
Trichet erhebt aber offensichtlich nicht das Wort gegen die wahren Preistreiber, die schon seit Monaten das Feuer der Inflation anfachen:
1. die Wirtschaft, die den Kaufkraftvorteil des starken Euro im Außenverhältnis nun bereits seit Monaten in die eigene Tasche wirtschaftet, anstatt ihn an die europäischen Verbraucher weiterzugeben
2. den Handel, der seit Jahren jede Möglichkeit der Preisvernebelung, sei es Euro-Einführung, sei es Umsatzsteuererhöhung, sei es Anstieg der Rohstoff- und Energiepreise ausnutzt, um die Gewinnmarge für sich selbst auf Kosten der Verbraucher immer weiter auszubauen
3. die Regierungen, die mit Ihrer Abgabenwut -- siehe in Deutschland -- Ökosteuer, Erhöhung der Umsatzsteuer etc, etc, trotz in Folge steigender Preise ohnehin steigender Steuereinnahmen den Hals nicht voll kriegen können
4. Trichets Notenbank und die anderen Notenbanken der Welt selbst, die seit Juli letzten Jahres hunderte Milliarden an billigem Geld "frisch gedruckt" in die Märkte pumpten, um das Finanzdienstleistungsgewerbe vor seinen eigenen Missetaten gerade noch einmal zu retten, um den Preis, dass all dieses Geld nun virulent ist und nun als Inflation bei uns allen ankommt
5. die Spekulanten, vor allem auch wieder die der besagten Missetäter-Bankhäuser, die mit diesem billigen Geld der Notenbanken nun vor allem auf Rohstoffe wie Öl setzen und damit die Preisinflation bei Energie und Lebensmittel weiter anheizen, weil sie mit dem gerade von ihnen selbst beschädigten eigenen Rennomet und in der gerade von ihnen selbst beschädigten Wirtschaftslage sich nicht mehr in Unternehmen der Realwirtschaft zu investieren trauen
Für all diese skrupellosen Inflationstreiber, die davon nach dem Geldsegen der Notenbanken nun alle blendend profitiert haben und weiter profitieren, das verlangt nun Trichet, sollen Otto-Normal-Bürgerinnen und -Bürger nun gefälligst den Kopf hinhalten und beträchtlich an Lebensstandard einbüßen. Sie sollen wieder einmal schön brav wie Flocki keinen Lohnausgleich für die gestiegenen Preise verlangen, sondern sich im Konsum gefälligst weiter einschränken. Ein bisschen mehr fasten, ein bisschen weniger in Urlaub fahren, mit Zahnlücken herumlaufen und wenn das Auto kaputt geht, gefälligst zu Fuß gehen.
Dabei werden diese Menschen gerade von Trichet nun ein drittes Mal zur Kasse gebeten für die unsäglichen Subprime-Eskapaden der Finanzwirtschaft: "Erst mit Steuergeldern bei der Sanierung der durch Immobilienspekulationen marode gewordenen Banken, dann mit Realeinkommensverlusten wegen steigender Lebenshaltungskosten durch Rohstoffspekulationen und nun auch noch mit erhöhtem Arbeitsplatzrisiko wegen lahmender Konjunktur dank Zinsanhebung.", so hiess es gestern auf ftd.de, vergessen wurden noch der nun ausgemachte direkte kräftige Anstieg der Kredit- und Darlehenskosten durch die Zinserhöhung. Aber ein Recht auf Ausgleich dieser Kosten durch eine entsprechende Kaufkraftberichtigung der Löhne in den nächsten Tarifrunden, das spricht uns Herr Trichet bereits heute ab.
Und nicht nur das, er droht uns, da die europäische Mittelschicht ja nun bereits, ähnlich wie die amerikanische, ihr nur noch einigermaßen gutes Leben auf Schulden bauen muss, mit dem Zinshammer: Diesen, das macht Trichet unmissverständlich klar, will er solange immer wieder herausholen, uns die Kosten für unsere längst unvermeidlichen Kredite solange erhöhen, bis wir nichts mehr von unseren Lohnersteigerungen haben werden. Und deshalb rät er uns, diese brav wie Flocki, schon lieber gar nicht erst zu fordern.
Dabei betragen die Lohnkosten maximal ein Viertel der Preise und eine Lohn-Preis-Spirale setzt sich keineswegs unendlich fort, sondern liefe in zwei Jahren von selbst aus, wenn die Kaufkraftgerechtigkeit wieder hergestellt wäre. Die Preise würden nur unwesentlich nachverteuert um weniger als die Hälfte der initialen, durch andere Verursacher erzeugten Anstiege.
Trichets Argumentation und Drohung ist ein unverschämter Affraint gegen alle, die ihren Lebensunterhalt noch mit ehrlicher Arbeit verdienen! Hallo europäische Mittelschicht, ist da jemand? Wo ist Euer Stolz, wo ist Euere Ehre? Kann man Euch, können Euch Leute, wie dieser arrogante, andere Mitmenschen offensichtlich mit nicht zu überbietender Respektlosigkeit verachtende europäische Notenbank-Präsident gar noch verdummen bis zur endgültigen Selbstverleugnung?
Wenn Euch das nicht auf die Straßen treibt, werden sie Euch in ein paar Jahren zu recht auf Sklavenmärkten verkaufen wie in der Antike und sie werden es guten Gewissens tun und sagen: "Diese ehrlosen Würmer haben nicht einmal aufbegehrt, ihnen geschieht das nur recht, sie haben es nie und nimmer besser verdient."
Wehrt Euch jetzt! Macht alle mit bei Mittelschicht.com, ein paar Klicks sind ja wohl das mindeste angesichts derartiger Anfeindungen!
Anderswo und bei Der Linken sieht man es ähnlich, nur die großen Zeitungen reden den Bankern einmal wieder ziemlich unkritisch das Wort ...
NACHRICHTEN GELESEN MIT DER BRILLE DER MITTELSCHICHT
Da wo die USA heute schon sind, steuern wir hin:
"Habe Arbeit, brauche Geld"
Sogenannte "Workaholic Poor" ernähren sich mittlerweile "hauptsächlich von Katzenfutter", heisst es heute auf tagesschau.de. Ob die deutschen Biedermeier sich noch vor der ersten Kittekat-, Whiskas- oder Felix-Mahlzeit aufrütteln lassen werden? Oder erst wenn sie schon beim Billig-Katzenfutter vom Discounter angelangt sind?
Hören Sie auf, jetzt schon hungrig auf das Brekkies Ihrer Mietzie zu schielen!
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