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NACHRICHTEN GELESEN MIT DER BRILLE DER MITTELSCHICHT
Letzte Woche gab es ja hohe Hafstrafen im BAWAG-Bankskandal in Österreich, der sehr an den Fall der deutschen Rheinboden erinnert. Beides waren, man höre und staune, Gewerkschaftsbanken: Sind am Ende die Genossen als Kapitalisten, noch unehrlicher wie der ganze Rest? Ältere Leser können sich ja noch an die CoOp-Affäre um die gewerkschaftseigene Supermarktkette erinnern.
In beiden Fällen greifen nach angeblichen ruinösen Spekulationen "amerikanische Investoren" zu: Lone Star, eine texanische "Investmentgesellschaft". J.R. Ewing lässt grüssen.
Welche Auswirkungen werden beide Fälle auf die direkten und indirekten Kunden dieser Banken gehabt haben? Zu befürchten sind z.B. auch Not-Weiterverkäufe von Krediten dieser angeblich seriösen Banken an solche Investoren, die Müntefering vor gar nicht allzu langer Zeit als "Heuschrecken" bezeichnete bzw. vielleicht sind sie ja mit dem Verkauf der ganzen Bank direkt bei diesen gelandet? Darüber hört man in der Presse einmal wieder wenig. Alleine es seien wohl Euros im Milliardenbereich den Bach herunter gegangen.
Zufällig kenne ich Leute, die in geschlossenen Fonds investiert waren, bei denen derart angeschlagene Gläubigerbanken die Kredite weiterverkauften und die Heuschrecken die Fondsgesellschaften in Folge platt machen konnten. Die Leute, es sind oder besser gesagt es waren Mittelschichtler, Kleinanleger wie Du und ich sind finanziell am Ende. Je nach Rechtsform haften sie mit ihrem privaten Vermögen sogar unbegrenzt für die Verluste der Fondsgesellschaft.
Und so etwas passiert nun seit Ende der Neunziger ständig und trotzdem lese ich gerade in der neuesten Ausgabe des Spiegel (Nr.28/7.7.2008,S.92f,"Ruhe oder Rufschädigung") 2007 haben Bundesbürger wieder 12,7 Milliarden Euro in solchen geschlossenen Fonds angelegt und selbst Anlegerschützer in diesem Milieu gelten mittlerweile als korrupt. Haben die Menschen all dieses Geld versenkt, zum Fenster hinaus geworfen?
Die Moral in unserer Geschäftswelt stirbt gegenwärtig überall. Wenn Sie eine Anlage tätigen, die über 10,20 Jahre oder länger läuft wie ein geschlossener Fonds, wie seriös die Anlage selbst und der sie anbietende Finanzdienstleister auch erscheinen mag, dann ist es in unseren Zeiten schon fast wahrscheinlich, dass sie irendwann Räubern und Banditen zum Opfer fällt. Auf was kann man sich noch verlassen? Kapitallebensversicherungen? Denkste! Lesen Sie hier. Oder sehen Sie sich den Film dazu an. Bis zu 270.000 Mittelschichtler werden in diesem Fall unter den Begleittrommeln unserer Politiker, die das mehr Eigenverantwortung nennen, auf einen Schlag in Unterschicht oder teils akute Altersarmut gestoßen!
Handeln Sie am besten künftig so, als ob jeder Finanzdienstleister, jede Bank, jede Versicherung schon morgen einem zwielichtigen Syndikat zum Opfer fallen könnte, egal für wie seriös dieser Finanzdienstleister bislang gehalten wird, denn letztendlich ist vor kriminellen Elementen in den eigenen Reihen nichts und niemand sicher. Schließen Sie eher keine langfristigen Geldanlagemodelle mehr ab, sondern versuchen Sie durch Cash-Bestand vor allem in Form von kurzfristig kündbarem Festgeld oder dem guten alten Sparbuch oder meinetwegen auch dem Sparstrumpf vor allem eigene Schulden zu vermeiden. So sparen Sie die höchsten Zinsen! Die verlangt nämlich die Bank von Ihnen -- auch -- für in vermeidbaren Notlagen geliehenes Geld! Vor allem wenn Sie jung sind, legen Sie sich nicht mit zu großen Summen zu lange fest. Wenn Sie später etwas anschaffen, landen Sie so gleichzeitig in Schulden und Positivanlagen und das ist fast immer die reinste Geldverbrennung. Und wenn Sie doch etwas längerfristig anlegen dann je Anlage und je Institut jeweils nur kleinstmögliche Beträge und die Anlagen so breit wie möglich streuen.
Die Finanzdienstleister, das ist mittlerweile meine Meinung, wollen Sie zum Gegenteil treiben: Sie durch schlechte Geschäfte soweit in die Ecke drücken, dass Sie gezwungen sind, mehr und mehr Geschäfte beim gleichen Dienstleister abzuschließen und wenn dort dann die Heuschrecke zuschlägt, sind Sie mitgefressen. Und wenn Anleger vor Finanzgerichten klagen, geben die Banken höchst eigennütziges Geschäftsgebaren dann auch regelmäßig frank und frei zu: "Wie konnten Sie so naiv sein und unserer Werbung glauben und gute Beratung in Ihrem Interesse erwarten? Geschäft ist Geschäft, am Ende mussten Sie schon selbst wissen, was Sie unterschreiben." Vor dem Abschluss von Verträgen über 3000 Euro sollten Sie heutzutage für das Kleingedruckte regelmäßig einen Anwalt hinzuziehen oder mindestens vor Unterschrift bzw. in der Widerrufsfrist zur Verbraucherzentrale gehen.
Ist die Finanzdienstleistungsbranche eine riesige und höchsteffektive Geldumverteilungsmaschine von unten nach oben? Werden richtig gut bedient einzig und alleine die Großkunden mit den Millionenvermögen, wenn das Können der Banker nicht ausreicht womöglich auf Kosten der eigenen Kleinkunden? Persönlich habe ich immer mehr diesen Eindruck und den, dass der Sozialstaat das gar nicht mehr so schnell wieder von oben nach unten umwälzen kann, als dass die Schere von Armen und Reichen nicht immer weiter auseinanderklafft und die Mittelschicht dadurch immer weiter nach unten absackt. Spätestens nach der Subprime-Krise, denn auch bei diesen faulen Finanzkonstrukten bestand ja laut Presseberichten der Verdacht, dass diese am Ende noch vor Bekanntwerden ihrer Wertlosigkeit beim Kleinanleger landen sollten, hätten Politik und Medien dieses einmal ausführlichst zum Thema machen sollen. Es ist, so meine ich, zum sich immer wieder wiederholenden Schaden der Mittelschicht bislang nicht genug darüber geredet worden!