Archiv für: Juli 2008, 26

Die wichtigere Berliner Rede letzte Woche: Helmut Schmidt

26.07.08 | von Knut Karnann [mail] | Kategorien: Nicht kategorisiert

NACHRICHTEN GELESEN MIT DER BRILLE DER MITTELSCHICHT

Neben Obamas Rede gab es letzte Woche eine zweite, noch viel wichtigere politische Rede in Berlin, die leider einmal wieder im Vergleich viel zu wenig Beachtung fand.

Die Atmosphäre war bedenklich: Einer der größten noch lebenden Politiker der Bundesrepublik Deutschland gab vor eindrucksvoll schweigsamer und historischer Kulisse den neuen Soldaten der deutschen Bundeswehr und uns allen weise Worte mit auf den Weg:

Video der Rede von Helmut Schmidt zum öffentlichen Gelöbnis, dem großen Zapfenstreich der Bundeswehr in Berlin am Gedenktag des 20.Juli

„Wir alle bleiben als Menschen verführbar.“ Uns nicht verführen zu lassen, aus der Geschichte zu lernen, das ist unser Auftrag. In der Weimarer Republik wurde die Demokratie am Ende einfach weggeworfen wegen überwindbarer Probleme.

Wie sieht es damit heute aus? Laut Umfragen hält bereits eine Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr viel von der Demokratie.

Die Demokratie aber ist unser einziges Schiff auf einem stürmischen Meer der Anarchie und der Unrechtmäßigkeit. Einem Meer voller wilder Haie mit der Willkür der Stärkeren. Ein solches Boot versenkt man nicht einfach, weil Wasser eindringt oder der Motor ausgefallen ist. Ein solches Boot muss jeden Reparaturversuches, jeder Fehleranalyse Mühe wert sein, jeglicher Anstrengung, die notwendig ist, es zu retten.

Einige Forenmitglieder der MITTELSCHICHT.COM haben sich bereit erklärt, eine entsprechende analysierende Diskussion in den nächsten Monaten im Forum der MITTELSCHICHT.COM zu führen und natürlich laden wir Sie mit ein, dabei zu sein.

Für heute will ich mich darauf beschränken zu fragen, wie es denn mit den Verführern aussieht. Es gibt vor allem drei wesentliche extremistische Strömungen, die alle im stärker werden begriffen sind, d.h. immer erfolgreicher Menschen verführen:

Linksextreme, Rechtsextreme und Neoliberale, d.h. sozialistische, nationalistische und liberalistische. Fragt sich welche von diesen Extremisten derzeit die gefährlichste Strömung ist?

So genannte Neoliberale, wahrscheinlich werden Historiker erst im Nachhinein einen treffenderen Ausdruck für sie finden, sind bereits nahezu überall an den Regierungen beteiligt, mindestens in Form von wirksamer Beeinflussung der tatsächlichen Politik und versuchen bereits maßgeblich über die EU-Ebene sich in ihrem Wirken für die Gesamtheit der demokratischen Kontrolle zu entziehen. Gemäß ihrer Ideologie soll die heutige Mittelschicht Unterschicht und die Unterschicht Elendsschicht werden, die Mittelschicht soll weitgehend aufhören zu existieren.

Wesentliche Bildung und Ausbildung soll bald nur noch den Kindern der Reichen zur Verfügung stehen. Die Rufe nach Eliteschulen, Privatschulen, die Einführung von Büchergeld und Studiengebühren sind davon erst der Anfang.

Natürlich geben sie das Ziel heute noch nicht zu. Kein Verführer macht dieses in der frühen Phase der Verführung.

Vollumfängliche Gesundheitsversorgung, Sicherheit etc. auch das fangen sie an uns abzusprechen. Der Staat soll schlanker werden, deshalb betreiben sie seit Jahren massive Privatisierungen. Nur ein mächtiger Staat kann den schwächeren Mitgliedern der Gesellschaft Schutz bieten und das wollen diese liberalistischen Extremisten nicht. Alle Schwächeren sollen beliebig der Willkür ihrer Geldmacht ausgeliefert sein.

Sie verführen uns und unsere Kinder mit systematischen Verdummungs- programmen im Fernsehen und auf der Spielkonsole und sie sind erfolgreich dabei. Sie verfolgen besonders auf dem Lande und in den Kleinstädten noch gesunde alte Menschen unter Verletzung deren Menschenrechte und nehmen ihnen gegen ihren Willen und oft auch gegen den Willen von Familie und gesetzlichen Erben noch zu Lebzeiten ihr Vermögen ab. Und die Gesellschaft regt sich auf über Amerikas Guantanamo sieht aber hier seit nunmehr fast über 17 Jahren weg und fordert nicht die Abschaffung des in der Praxis alte Leute entwürdigenden Betreuungsrechtes von 1992. Dieses ist eine wahre Schande, da zahlreiche seriöse Fernseh- und Presseberichte seit Jahren über die katastrophalen Folgen für die betroffenen Menschen versuchten aufzuklären.

Warum geht niemand mit Nachdruck der Frage nach, ob bezüglich diesem Thema die Deutschen nicht schon wieder soweit sind, dass sie im eigenen Lande systematisch begangene Menschenrechtsverletzungen auch im Zusammenhang mit dem bekannten Pflegenotstand in unseren Altenheimen ignorieren, nur weil sie an einer Minderheit von Menschen mit einem Lebensalter über 60 Jahre vergangen werden? Sehr fürchte ich, es ist in diesem Punkt bereits wieder so weit.

Warum beschäftigen sich junge Leute nicht damit, anstatt sich nachmittag für nachmittag mit immer weiter verdummenden Talkshows und Spielkonsolenkunstfilmen bespulen zu lassen?

Die die verstehen, sind oft nicht besser und lassen sich verführen von den Rechten, deren Strategie es ist über den Druck der Gewalt der Straße mächtiger und mächtiger zu werden, weshalb diese Verführer gefährlich bleiben, auch wenn sie in Deutschland nach wie vor sich nicht leicht tun, sich in der realen Politik zu etablieren.

Hier sind die Linken weiter. Ihre Strategie ist die Systemkritik ohne Gegenmodelle, denn das Gegenmodell, das diese Verführer am Ende aus der Tasche ziehen, war, ist und wird immer der reale Sozialismus sein, die Umkehrung bestehender Unrechtssysteme in Unrechtssysteme mit umgekehrten Vorzeichen.

Lassen wir uns nicht verführen. Es geht nun alleine darum, das stotternde Schiff Demokratie wieder zum Fahren zu bringen, die Lecks abzudichten, bevor wir in neuen Verführungen untergehen.

Lassen Sie sich von den Medien und der neuesten Propaganda der Wirtschaft nicht verführen, dass wir alle unsere politische und soziale Kraft nun in die Senkung der CO2-Emissionen setzen sollen. Vielmehr gibt es zur Zeit mit Abstand kein wichtigeres gesellschaftliches Thema, als die Rettung der Demokratie westlicher Prägung vor den neoliberalen Verführern und all den anderen.

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Obama: Für die Freiheit kämpfen, ...

26.07.08 | von Knut Karnann [mail] | Kategorien: Nicht kategorisiert

Link: http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video353002.html

NACHRICHTEN GELESEN MIT DER BRILLE DER MITTELSCHICHT

Hier zu Lande kennt man es von den CDU/CSU-Oberen, Sprüche wie "Die Freiheit muss jeden Tag neu erkämpft werden". Mich macht das seit je her misstrauisch, wenn das aus dem Munde der politisch Etablierten kommt.

Es hört sich immer so an, als wollten JENE die Freiheit für UNS erkämpfen.

Diese Sätze sind aber nur -- oder besser gesagt -- gerade insoweit wahr, als dass es an jedem Tag, zu jeder Zeit Leute gibt, denen gerade ein Stück Freiheit weggenommen wird und meistens von niemanden Anderem als den etablierten Polit-Mächtigen.

Die Mittelschicht hier zu Lande kann ein Lied davon singen.

Es kommt darauf an, dass DIE in solchen Situationen Unmächtig-Erscheinenden und Sich-Ohnmächtig-Fühlenden SELBST aufbegehren und sich IHRE Freiheit zurückkämpfen, wie gerade die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lufthansa, denen wir ab Montag mehr die Daumen drücken sollten, als vor einigen Wochen unseren Jungs, Poldi, Schweini, Philipp, Michael und Co, die ja nur spielten. Ver.di-Flaggen an unsere Autos!

Die Mächtigen wenn besagte Sätze sprechen, wollen meist nur verführen, zu etwas, das uns noch mehr Freiheit, noch mehr Lebensstandard und Lebenswürde kostet. In unserem Mittelschicht.com-Forum hieß es ja dazu schon einmal sehr schön: Sie können technische Dienstleistungen delegieren. Aber die Verwaltung und Vermehrung Ihres Vermögens, die Vertretung Ihrer Rechte, das sind Dinge, die in Wahrheit nicht delegierbar sind, die sie nur selbst tun können, wenn die potenziellen Beauftragten mächtiger als Sie selbst sind. In jeder anderen als einer völlig heilen Welt werden Sie dabei um Ihren Wohlstand, um Ihre Rechte, um Ihre Freiheit betrogen werden. Unsere gegenwärtige Welt ist von der heilen bekanntlich himmelweit entfernt.

Es kommt darauf an, dass SIE SELBST aufbegehren und sich Ihre Freiheit zurückkämpfen.

Das wird eben gerade nicht dadurch erreicht, einem etablierten US-Senatspolitiker Barack Obama zuzujubeln, wenn er solche Sätze sagt. Es brachte auch damals nichts, Franz Josef Strauss zuzujubeln, als er das sagte. Und Fr. Merkel hat solche Sätze auch schon desöfteren gesagt und ist bereits seit Längerem unsere Regierungs-Chefin. Ist für uns seitdem irgendetwas besser geworden?

Es kommt darauf an, sich zu organisieren in Initiativen wie der unseren. Alleine das vernetzt sein und wenn es nur über Email-Adressen und Internet-Foren ist, macht Sie ein Stück mächtiger -- und bekanntlich haben wir ja noch viel mehr als das auf dem Lager -- gegen alle, die Ihre, die unsere Freiheit auf dem Kieker haben. Und davon, auch wenn Sie das noch nie besonders gerne wahr haben wollten, dürfen Sie es uns trotzdem glauben, gibt es da draussen nicht wenige: Menschen, die jeden Tag mit Hochdruck daran arbeiten, Ihnen Ihren kleinen Wohlstand und Ihre kleine Freiheit immer weiter abzunehmen, auch wenn sie noch nichts Näheres als ein paar Zahlen über Sie wissen.

Kommentare und Diskussionen zu diesem Artikel gerne wieder in unserem Forum

Weiterer interessanter Artikel zu diesem Thema auf Nachdenkseiten.de.

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