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Streik nicht nur bei Lufthansa: Ver.di macht jetzt mobil

28.07.08 | von Knut Karnann [mail] | Kategorien: Nicht kategorisiert

NACHRICHTEN GELESEN MIT DER BRILLE DER MITTELSCHICHT

1:0 Für Lufthansa? Auf tagesschau.de erwecken erste Berichte den Eindruck, dass der Lufthansa -Streik ins Leere läuft. Angeblich fliegen alle Flüge pünktlich ab. Gibt es nur Probleme mit den belegten Brötchen für die erste Klasse und kleinere Verzögerungen bei der Gepäckausgabe?

Auf bild.de wird dagegen davon gesprochen, dass 142 Flüge vorsorglich von Lufthansa abgesagt wurden. Na was denn nun?

Bild berichtet von "Streik-Angst". Die Frage ist, wer hat da nun eigentlich Angst? Gestreikt wird ab heute auch in anderen Ver.di-Bereichen: Kitas, Müllabfuhr u.a. städtische Dienstleistungen. Und gar die Lokführer sind wieder mit dabei.

Streiks sind nicht schön, keine Frage, aber manchmal eben notwendig und letztlich helfen sie allen Arbeitnehmern.

Bei Mittelschicht.com wurde seit einiger Zeit darauf hingewiesen, dass Politik und Medien gerade wieder dabei sind, eine Priorität-Eins-Diskussion zu verpassen, die auf allen Kanälen öffentlich hätte geführt werden müssen:

Ist es nach den galoppierenden Preisanstiegen seit fast zwei Jahren nicht eine Notwendigkeit, dass der Kaufkrafterhalt für die Menschen auf die Tagesordnung gesetzt wird in Form von entsprechenden Lohnerhöhungen und Betragsanpassungen im Steuer- und Sozialbereich?

Brauchen wir nun nicht gerade die Zweitrundeneffekte, vor denen die EZB seit Monaten warnt?

Die Folge verpasster Kommunikationsbedarfe sind nun einmal Auseinandersetzungen der anderen, härteren und längeren Art.

Politiker, die die notwendige mündliche Auseinandersetzung, die sie als unsere Volksvertreter sogar hätten führen müssen, verpasst haben, melden sich nun zu Wort. Sie mahnen die Falschen, z.B. auf Bild.de der "CDU-Wirtschaftsexperte" Michael Fuchs. Ein Trauerspiel, das aber natürlich System hat.

In diesem Weblog wies ich bereits darauf hin, dass Lohnforderungen von 8% auf Jahressicht bzw. 16% auf Zweijahressicht jetzt Not tun. Ver.di fordert nun erstmals bei Lufthansa 9,8% auf Sicht von einem Jahr. Geboten werden knapp 7% auf zwei Jahre, also im Schnitt 3,5% auf Jahressicht. Das ist zu wenig.

In Folge der unerwartet schnell anziehende Inflation wurden die Lohnerhöhungen der letzten Jahre zu niedrig angesetzt. Dieses muss nun ausgeglichen werden. Auch liegt die aktuelle reale Inflation für "Normalverdiener" vermutlich weit höher als die momentan bei 3,3% (europaweit 3,9%) angesetzte offizielle Inflationsrate. Dazu kann ich Ihnen demnächst auf Mittelschicht.com einen fachlich sehr fundierten Hintergrundartikel in Aussicht stellen.

Ärgern Sie sich nicht, falls Sie in den nächsten Wochen irgendwie unter den Streiks Nachteile erleiden. Freuen Sie sich über die Aussicht auf kräftige, den erlittenen Preisschock heilende Gehaltserhöhungen.

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