NACHRICHTEN GELESEN MIT DER BRILLE DER MITTELSCHICHT
In der Frankfurter Rundschau meldet sich diese Woche Doris Ahnen von der SPD in unserem Sinne zu Wort.
Höchste Zeit. In der Süddeutschen findet sich schon ein Artikel, der davon berichtet, dass immer mehr Studierende wegen der Mehrfachbelastung durch Studium und mehrere Jobs unter psychisch-psychosomatischen Burn-Out-Syndromen leiden, wie sie früher nur unter Mangagern vorkamen.
Sich lebenslang bleibende Schäden wie Tinnitus einzuhandeln, nehmen Studierende in Kauf, obwohl die Wirtschaft Studienabschlüsse gehalts- und karrieremässig immer weniger überhaupt honoriert.
Liebe Studierende, Liebe Interessierte an einem Hochschulstudium, macht Euch besser schon heute damit vertraut, dass z.B. im Metall- und Elektronikbereich die Entgelte heute, was auch die Gewerkschaften mit verschuldet haben, so geregelt sind, dass Bildungsabschlüsse keine Rolle mehr spielen. Man hat schon von einstellenden Führungskräften gehört, die nicht mehr unterscheiden zwischen Leuten, die ein Studium nach einem Semester wieder abgebrochen haben und Leuten die das gleiche Studium mit Titel und Magna Cum Laude abgeschlossen haben. Beide kommen einfach in die Schublade "hat das und das studiert".
In den meisten Firmen ist es sogar verpöhnt, jegliche akademische Titel unterhalb des Doktortitels innerbetrieblich überhaupt in irgendeiner Form zu verwenden.
Und dann fragt Euch, ob sich dafür der ganze Stress überhaupt noch lohnt. Selbst würde ich meinen Kindern heute nur noch raten, lieber eine kaufmännische Ausbildung bei einem Grosskonzern zu machen. Da seid ihr viel schneller und kostenneutraler auf der Karriereleiter, als ihr es mit einem Studium je sein könnt.
Wenn solche Ratschläge wie momentan in privaten Kreisen überall der Fall -- Hallo, Wirtschaft aufwachen! -- nicht ausufern sollen einen Fachkräftemangel v.a. im technischen Bereich weiter befördernd, sollten Unternehmen und Staat einmal überlegen, was sie momentan den Fachkräften und dafür Ausbildungswilligen gegenüber alles falsch machen.
Die heutigen Fachkräfte besser zu behandeln, wäre die beste Werbung dafür, junge Leute für die Fachkräfte-Ausbildung zu akquirieren.
Stattdessen versuchen Deutschlands Unternehmen nun mit jährlich zelebrierten "Girls-Days" als Ausgleich vermehrt die über diese Nachteile noch wenig ahnenden Frauen in solche Berufsbilder zu locken. Oder sie streiten darum, mit soganannten Anfängerprämien als Einmalzahlung sich gegenseitig die immer seltener werdenden Bewerber gegenseitig abzuwerben. Die wahren, selbstverantworteten Problemursachen für den Mangel werden nicht angegangen.
Und natürlich will man wieder ausländische Fachkräfte ins Land holen und trotz anfänglichen -- zumindest öffentlich simulierten -- Widerstandes der Fr. Merkel hat man dazu wieder eine Gesetzesänderung erreicht (z.B. Bericht dazu aus der NeuenPresse.de). Dem muss die einheimische Mittelschicht natürlich mit besonderem Argwohn gegenüberstehen, zumal wenige Wochen nach der Senkung des notwendigen Mindesteinkommens, von Wirtschaftsseite bereits die nächste kräftige Absenkung gefordert wird!
Noch gut in Erinnerung ist, dass die erste Zuzugserleichterung viele der ersten Absolventen der von der deutschen IHK viel zu spät geschaffenen Ausbildungsberufe in den neuen Informationstechnologien direkt in die Jugendarbeitslosigkeit überführte. Neben einem stattlichen Mindesteinkommen für den dauerhaften Zuzug, der damals alleine öffentlich diskutiert wurde, hatte man nämlich im Schatten der Medienöffentlichkeit mit dem gleichen Gesetz zeitlich befristete Beschäftigung und Aufenthalt nahezu völlig geöffnet.
Damit dieses, unsere Land im globalen Wettbwerb bestehen kann, muss Deutschland die Ausbildungswilligkeit seiner Jugend gerade im naturwissenschaftlich-technischen Bereich fördern. In Sonntagsreden beschwören dieses alle Vertreter aus Politik und Wirtschaft regelmäßig. Die deutsche Mittelschicht hat aber sehr wohl zur Kenntnis genommen, dass sämtliches Handeln dieser Sonntagsredner derzeit und bereits seit Jahren genau entgegengesetzt läuft, ähnlich wie in der Familienpolitik und bei dem Thema "Politik für die Mitte, für die Mittelschicht in diesem Land". Und die Zeit ist nicht mehr fern, da wir uns dieses so auch nicht mehr werden gefallen lassen.
Fr. Ahnen, vielen Dank für die Forderung zu einer generellen Abschaffung der Studiengebühren. Bei Mittelschicht.com diskutieren und fordern wir dieses schon einige Zeit, kommentieren und diskutieren Sie mit, unter "Umfrage Senkung der Studien/Einschreibgebühren" . Besten Dank.