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NACHRICHTEN GELESEN MIT DER BRILLE DER MITTELSCHICHT
Der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo und die Justizbehörden weiterer US- Bundesstaaten und die US-Börsenaufsicht SEC brauchen nur leise zu hüsteln und schon machen nicht nur US-Banken, sondern auch die Schweizer UBS Milliarden an Schaden wieder gut, den sie bei Privatanlegern, aber auch institutionellen Investoren angerichtet haben.
Laut einem Artikel vom Wochenende auf Tagesschau.de kaufen alle diese Banken zusammen für die stolze Summe von 40 Milliarden US-Dollar Finanzprodukte zurück, die sie den Kunden im Zuge der Subprime-Krise angeblich als "bargeld-gleich" angepriesen haben und die kurz darauf nahezu wertlos waren. Und das obwohl die gleichen Banken durch die gleiche Krise bereits eigene Verluste in Zig-Milliarden-Höhe abschreiben mussten.
In Deutschland sind etwa seit der Wiedervereinigung einfachen Leuten ebenfalls Schäden entstanden, die sich mittlerweile auf einen zweistelligen Milliardenbetrag summieren dürften, dadurch, dass ihnen Banken und andere Finanzdienstleister angeblich stockkonservative noch dazu "steuerlich interessante" Immobilienanlagen, Windkraftfonds, Medienfonds u.ä. oder brandneue Riester-Rürup-Produkte als angeblich sichere Altersversorgung anboten, die sich nach einigen Jahren ebenfalls als nicht das Papier wert, auf dem sie beurkundet waren, erwiesen haben.
Wie haben hierzulande Politik und Justiz reagiert? Unsere Bundesjustizministerin hat z.B. sofort entschlossen gehandelt und die Verjährungsfrist für Schadensersatzansprüche bei Schlechtberatung von 30 auf 3 Jahre gesenkt. Um eine Klagewelle der Anleger zu verhindern? Natürlich rückwirkend auch für Altverträge, was an sich schon wieder verfassungsmäßig bedenklich ist.
Von durchschlagenden Erfolgen staatsanwaltlicher Ermittlungen gegen die mutmaßlich betrügerischen Initiatoren solcher Finanzprodukte hat man hierzulande auch noch nichts gehört.
Wissenschaft und Politik haben bislang nicht geklärt, jedenfalls keine Klärung öffentlich gemacht, wieviel Geld der deutschen Mittelschicht durch Schlecht-Beratung und zweifelhafte Finanzdienstleistungsangebote jährlich verloren geht. Hier bin ich überzeugt, dass die Gesamtsummen zu einem nationalen Aufschrei führen würden. Welchen Anteil hatte dieses Thema beim finanziellen Niedergang der Mittelschicht in den letzten Jahren? 2007 sagte der damalige Chef der Schufa, Neumann: "Neben Arbeitslosigkeit und Scheidung sind 'mangelnde finanzielle Allgemeinbildung, Unerfahrenheit und Informationslücken in Geldangelegenheiten' die Hauptauslöser für Überschuldung". So kann man es auch ausdrücken.
Die Werbemittel der Bundesregierung aber werden lieber sinnlos mit "Du bist Deutschland"-Unsinn vergeudet, anstatt sie zur Aufklärung der Bundesbürger über die für "kleine Leute" oft existenziellen Risiken von sogenannter Privat-Banking-Beratung bishin zu Finanzdienstleister-Haustürgeschäften, aber auch den jüngsten Direct-Banking-Möglichkeiten zu verwenden.
Warum eigentlich? Der Finanzminister würde doch in hohem Maße selbst davon profitieren, wenn ahnungslose Bürger lieber wieder ihre Steuern bezahlen würden, als ein Vielfaches dieser Summen Jahr für Jahr auf das Neue in so sicher wie das Amen in der Kirche floppenden Steuersparmodellen zu verbrennen oder besser gesagt dieses Geld betrügerischen Kreisen in den Rachen zu werfen, von denen auch nicht zu erwarten ist, dass diese mit ihren Gewinnen besonders steuerzahlwillig bzw. -ehrlich sind.
Wer weiss, vielleicht nicht wenige dieser Finanzhaie, haben das Geld in die Schweiz gebracht zur UBS und dort in "bargeld-gleiche Anlagen" angelegt. Und natürlich, wenn das "böse, aber große Tiere gewesen sein sollten", die der UBS dort auf den Leim gegangen sind, bekommen sie es nun auch zurück, ohne erst mit geringen Chancen und nochmaligem hohen Kostenrisiko vor den Gerichten klagen zu müssen, wie ihre zahllosen kleinen Opfern, denen sie diese gigantischen Summen unlängst abgeknöpft haben. Für die besonders Ungerechten gibt es eben doch immer eine Gerechtigkeit, leider nicht im christlichen Sinne.
Letzte Woche war ich hier mitten in Deutschland auf dem Treffen einer Opferinitiative von geschädigten Bankkunden. Die Leute sind frustriert, manche überlegen sich schon mit Transparenten nackt vor der Bank zu demonstrieren, nachdem die Justiz und die Politik hierzulande ihnen nicht geholfen hat, im Gegenteil sie als Kläger wie Angeklagte abgekanzelt wurden in zermürbenden, oft jahrelang sich hinziehenden Gerichtsverfahren. Doch die Aktiven sind schon reduziert. Viele haben angeblich stattdessen den Banken gegen winzige Zugeständnisse Knebelverträge hinsichtlich Vorgangsgeheimhaltung und Meinungsäußerung unterschrieben. Die standhaft bleiben, werden laut eigenen Aussagen gemobbt mit überzogenen Gebühren und Straf-Konditionen bei anderen Geschäften, unrichtigen Meldungen an die Schufa und ähnlichen Gemeinheiten.
Die Täter ganz allgemein schaffen es bis jetzt erstaunlich gut, hunderttausende Opfer zum Schweigen zu bringen und die Deutschen scheinen auch genau das richtige "Material" dazu zu sein. Sie prahlen gerne vor Freunden, Bekannten und Verwandten, wenn bei ihnen finanziell einmal etwas besonders gut gelaufen ist. Aber es ist ihnen peinlich anderen Leuten davon zu berichten, wenn sie mit Trick und Finesse nach Strich und Faden ausgenommen wurden.
Die Täter freut's. Sie werden nicht dabei gestört, sich bald schon nach neuen Opfern umzusehen. Und unsere Politiker treiben die Leute mit der öffentlichen Rede und den passenden Gesetzen für "mehr Eigenverantwortung" und weniger Rechtsweggarantie, allen voran Hr. Westerwelle und Fr. Zypries, höchst selbst weiter in die Hände der Rattenfänger, anstatt den Betrogenen zur Seite zu stehen wie Justiz und Aufsichtsbehörden derzeit in der USA.
Neben
40 Milliarden US-Dollar Schadensrückzahlung
erhalten die Amerikaner dort derzeit
300 Milliarden US-Dollar Darlehensbürgschaften u.ä.
170 Milliarden US-Doller an Steuerschecks und
Niedrigzinsen mit einem Leitzinssatz von nur 2%.
Gut, in Amerika gab es zuletzt deutlich mehr Finanzmarktopfer, aber wie die deutsche Politik und die europäische Zentralbank sich den vielen Finanzmarktopfern in Deutschland gegenüber verhält, läßt zweifeln, ob diese der Mittelschicht gegenüber ähnlich rettungsbereit handeln würden in einer ähnlich brenzligen Situation, die sich auch hierzulande meines Erachtens zwangsläufig anbahnt, wenn die Geschäftsgebaren der deutschen Finanzdienstleistungsbranche so weiter laufen.
Liebe Finanzmarkt-Geschädigte, bitte resignieren Sie nicht, registrieren Sie sich. Engagieren Sie sich hier mit uns bei MITTELSCHICHT.COM, falls Sie zufällig über diesen Artikel stolpern sollten!
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