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Good Bank, Bad Bank: Die arglistige Rettungsstrategie

25.01.09 | von Knut Karnann [mail] | Kategorien: Nicht kategorisiert

NACHRICHTEN GELESEN MIT DER BRILLE DER MITTELSCHICHT

Je mehr und je lauter heute in der Politik etwas dementiert wird, um so sicherer kommt es, schrieb jemand in einem Blog kürzlich zum Thema Bad Bank. Offiziell wird dementiert. In den Amtsstuben feilt man dagegen schon an Plänen, wie man die Bad Bank vor der Öffentlichkeit möglichst umfassend vertuscht einführen kann.

Ist die Bad Bank gut? Fragen Sie die Anleger der Hypo-Real-Estate-Bank, HRE. Meines Wissens war das ja sozusagen die Bad Bank der Bayerischen Hypovereinsbank, als diese wegen überbewerteter Immobilien im Kreditbesicherungsbestand ihre Selbständigkeit aufgeben musste. Die Good Bank kam zur italienischen Uni-Credit, die Bad Bank mit den ganzen schlecht besicherten Immobilienkrediten wurde den Börsenanlegern angedient und diese mussten seither einen Kursverlust von minus 93,02 Prozent auf Sicht von fünf Jahren verkraften, Stand letzter Freitag.

Eine Bad Bank wird ohne wirklich funktionierendes Geschäftsmodell kreiert und da die Bad Banker aber sich, jeder würde das tun, um seine Arbeitsmoral aufrecht erhalten zu können, einen Strohhalm bauen wollten, wurde vermutlich auf Komm-Nicht-Raus spekuliert. Es ist ein ungeschriebenes Börsengesetz, dass wer aus der Not heraus spekuliert verliert. Ein anderer Beweis für dieses Corollary der Murphyschen Gesetze oder der österreichischen Volksweisheit „Der Teufel scheißt immer nur auf den größten Haufen“ lag unlängst über die Bahnschinen bei Blaubeuren verteilt.

Übrigens waren auch die deutschen Landesbanken, laut einem Spiegel-Bericht zum Jahresende, bereits quasi zu Banken ohne aussichtsreichem Geschäftsmodell mutiert. Dieses geschah durch eine Entscheidung der EU, dass deren bisheriges Modell der staatlich rückgesicherten Bank ab demnächst im Markt-Europa nicht mehr legal wäre (Welche Ironie angesichts der nun laufenden Banken-Verstaatlichungen in Folge der Finanzkrise in fast allen EU-Staaten!).

Aus diesem Grunde lieh die öffentliche Hand diesen noch öffentlichen Instituten sogar etliches an Milliarden, damit diese über Spekulation mit diesen geliehenen "Spielgeldern" sich eine wirtschaftliche Basis als Privatbank aufbauen bis der EU-Beschluss umzusetzen war. Wir wissen mittlerweile alle, wie das endete. Im Nachhinein wurden diese Banken von marktradikalen Wirtschaftsvertretern als Parade-Beispiel dafür angeführt, dass staatlich geführte Finanzinstitute in der Krise am schlechtesten funktioniert hätten, obwohl das Problem in Wahrheit nicht zuletzt aus der EU-erzwungenen Privatisierung derselben resultierte.

Ebenso entlarvt nun die Forderung des Bankenverbandes nach einer staatlichen Bad Bank, dass in Wahrheit auch die Privatbanken auf viel mehr faulen Anlagen sitzen. Offenbar, war es den privat beaufsichtigten Banken aber besser möglich als den öffentlich rechtlichen Instituten dieses viel länger, in viel größerem Umfang zu kaschieren.

Die Forderung der Privaten nach einer Bad Bank ist nun doch die vollkommene Bankrotterklärung dieser angeblich besser performenden privaten Finanzdienstleistungsbranche. Das System ist nun offenbar doch nachhaltig in seiner Funktionsfähigkeit getroffen. Eine Zuspitzung der gefürchteten Kreditklemme nur eine Frage der Zeit, wenn nicht der Staat und damit die Allgemeinheit alle entstandenen Lasten auf sich nimmt.

Die Forderung nach einer Bad Bank-Lösung ist aber auch der Wunsch der privaten Finanzmächtigen in ihrem eigenen persönlichen Interesse in der Krise nun auch noch Rosinenpickerei betreiben zu dürfen: Die Guten Assets ins Kröpfchen, die schlechten zum Steuerzahler, so wie damals im Falle der Bayerischen Hypovereinsbank die HRE-Bank zu den Kleinanlegern und Rentenfonds an der Börse. Der Schaden für den Steuerzahler ist bereits so immens, dass die paar zig oder ganz wenige hundert Milliarden Euro gute Assets, die man ihm auf diese Weise im Vergleich zu einer Komplettverstaatlichung aller in Schieflage geratenen Banken noch stehlen würde, doch gar nicht auffallen bei einer notwendigen Rettung im Billionen-Euro-Umfang.

Achtung Staatsbürger, Achtung Volk: Die Forderung nach einer Bad Bank ist nicht nur die Fortsetzung der Bilanztürkungen durch die verschleiernde Ausgliederung von Verlusten und Risiken, was maßgeblich mit zum Entstehen der Finanzkrise beigetragen hat. Sie ist in Wahrheit vor allem der Versuch des größten Bankraubes in der Geschichte der Bundesrepublik. Doch der läuft nicht im Kino ab. Wir alle sind gerade live als Steuerzahler seine Geiseln und als Wahlvolk auch die Polizei, die diesen vielleicht noch verhindern kann, aber nur wenn sie jetzt gut und richtig reagiert. Haben Sie schon überlegt, wie Sie die Räuber dingfest machen wollen? Die Isländer haben ihre Regierung diese Tage bereits von Dannen gejagt.

Quellen:

Bad Bank: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/badbank100.html
Island: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/island172.html

Weitere Interessante Verweise zu dem Thema:

Oskar Lafontaine beschuldigt im Bundestag die Regierung der Milliardenveruntreuung (und ich bin kein Linker, aber ich finde, er hat recht): http://de.youtube.com/watch?v=PdVGvkPVJJw


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