Zu den Neujahrsansprachen war ja wieder einmal „Lügenstunde“ im deutschen Fernsehen. Allen Lügen voran Frau Merkel zu den Ursachen der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise: „Die Welt hat über ihre Verhältnisse gelebt.“
So ein Unfug! Dieses mag nicht einmal die Erklärung für eine der nächsten Weltkrisen sein, wenn eine 18 Milliarden starke Erdenbevölkerung tatsächlich einmal an das Ende der natürlichen Ressourcen dieses Planeten gestoßen sein wird, weil man bis dahin längst die Kernfusion und das Materialrecycling technologisch voll im Griff haben wird. Als Erklärung für DIESE KRISE ist es sogar grundverkehrt.
Im Gegenteil ist es vielleicht sogar eine allerwichtigste, grundlegende Erkenntnis zu dieser Krise und auch für den Weg aus dieser Krise, dass diese zu Anfang keinerlei materielle Mangel-Ursachen hatte. Der Materialfluss war gewährleistet. Alles was für den Konsum nachgefragt wurde (und gerne sogar noch etwas mehr) ließ sich auch problemlos herstellen und heranschaffen.
Diese Krise ist also keine materielle Krise! Und dieses sollte uns auch zu einem gut Teil beruhigen bzgl. der Vorhersagungen einiger Katastrophen-Kassandras, die schon Lebensmittelknappheit und Hungersnöte auch bei uns wieder aufziehen sehen.
Diese Krise ist eine Verteilungskrise! Geld- und Vermögenswerte auch Waren- und Produktionsvermögen sind in ausreichender Zahl vorhanden, befinden sich aber in den Händen zu weniger Haushalte. Diese hielten die anderen durch zinsbewehrte Geldleihe noch einige Zeit über Wasser. Doch nun kam der Punkt, dass solche Leihen, schon gar nicht nebst Zinsen, sich vermutlich oftmals nie wieder werden zurückzahlen lassen. In Folge stockt nun das ganze hochkomplexe Kreditvergabe-System und die Eigentums-Habenichtse werden in Folge spätestens auf Sicht der nächsten drei bis fünf Jahre auch zu Besitz-Habenichtsen. Damit droht diesen nun reale materielle Not, kurioserweise in einer Welt in der nach Ressourcen- und Mittellage die nötige Versorgung für Niemanden wirklich gefährdet sein musste.
Diese Verteilungskrise wird sich durch das nun von allen Seiten versuchte "Herumdoktern" am bestehenden Wirtschafts- und Finanzsystem niemals lösen lassen, da es systemimmanent verursacht ist: Die Einkommens- und Vermögensverteilung klafft in dem jetzigen System mit der Zeit notwendig immer weiter auseinander, weil große Vermögen immer auch große reale politische Macht bedeuten und reale politische Macht benutzt werden kann, um sich in diesem System immer weitere Vorteile einzuheimsen zur Erlangung immer noch größerer Einkommen und Vermögen und damit auch immer noch größerer politischer Macht. Selbst der Ansatz der „sozialen Marktwirtschaft“, „des rheinischen Kapitalismus“ konnte dieses offenbar nur temporär und äußerst unzureichend eindämmen, da er von Anfang an zu wenig vorbereitet war auf die Notwendigkeit, dass ein solches Regel-System für alle Zukunft, bedingt durch die anthropologische Konstante der menschlichen Gier, lückenlos und mit hohem Engagement und Aufwand gegen die permanenten, variantenreichen und verschlagenen Angriffe von Seiten der zu großen Vermögen Aufgestiegenen hätte verteidigt werden müssen. Unter anderem um es so zu erhalten, wie es das deutsche Grundgesetz in einem wohl aus einer solchen Intention heraus unabänderlichen Paragrafen auch gebietet.
Die Frage ist, ob wir es uns antun wollen, das gegenwärtige in letzter Konsequenz und letzter Phase offenbar destruktive Finanz- und Wirtschafts-System, das nichts anderes ist als ein bestimmtes Spiel mit einmal willkürlich festgelegten und genauso willkürlich änderbaren Spielregeln, auszureizen und zu spielen bis zum bitteren Ende, wie eine Schach-Partie, die ein Verlierer nicht aufgeben will, bis er mit dem König nach zwanzig bis dreißig einsamen, stupiden Zügen auf das letztmögliche freie Feld gezogen ist. Wollen wir selbst eine Schlussphase „materielle Weltwirtschaftskrise“ mit Arbeitslosenquoten im Zig-Prozent-Bereich, „blutige Revolutionen und Aufstieg menschenfressender Super-Diktaturen“ am Ende vielleicht gar den „dritten Weltkrieg“ riskieren, nur um dieses Spiel wieder einmal in der Menschheitsgeschichte bis ganz zu Ende zu spielen beginnend mit all den komischen Bail-Out-Plänen von wiederum kreditfinanzierten Konjunkturpaketen bis zu den für die Allgemeinheit noch kostspieligeren Bad Banks, die das dicke Ende in Wahrheit doch wahrscheinlich nur ein paar Jahre hinauszögern können?
Wäre es nicht vielmehr vernünftiger gleich den Schlussstrich vorzuziehen, anzugehen und ein neues Spiel aufzusetzen, in dessen Regeln man die neu gewonnenen Lehren implementieren kann? Der Vorteil wäre doch, dass die materiellen Versorgungsprozesse auf diese Weise größtenteils erhalten blieben, eine wirklich materielle Krise für hunderte Millionen, ja Milliarden Menschen verhindert werden könnte, die einträte, wenn spätere Phasen der Krise diese Prozesse zwangsläufig beschädigen und zerstören werden.
Sollte man nicht jetzt sofort eine grundlegende ethische Diskussion mit den Reichen und Mächtigen beginnen, unter welchen Bedingungen sie denn bereit wären zwei Drittel bis drei Viertel Ihres Reichtums einfach unters Volk zu verteilen, z.B. durch eine weitgehende generelle Schulden-Amnestie? Wenn dadurch der Tod von nur eintausend Kindern aufgrund von Hunger oder unzureichender medizinischer Versorgung verhindert werden könnte? Der Tod von zehn-, hunderttausend, einer Million Kindern? Wenn dadurch sozialistische oder islamistische oder neofaschistische Revolutionen in vielen Ländern verhindert werden könnten, bei denen wieder Millionen, vor allem auch der bisherigen Vermögenden grausam abgeschlachtet werden? Wenn dadurch der dritte Weltkrieg durchgeführt größtenteils auch unter dem Einsatz nuklearer Waffen verhindert werden könnte?
Würden sie es tun, wenn es dabei eben nicht darum ginge, den Marxismus einzuführen, sondern im Gegenteil die nächste Stufe der ansonsten historisch bisher immer zwangsläufig eingetretenen marx'schen Dialektik zu verhindern, um gleich nach einer großen einvernehmlichen und friedlichen, alle Probleme bereinigenden Umverteilung wieder in einem, dann wieder für viele Jahrzehnte funktionierenden marktwirtschaftlichen System fortzufahren?
Die letztjährige Diskussion um die Erbschaftssteuer, hat ja einmal wieder gezeigt, mit welchen fadenscheinigen und im Vergleich mit der Mittelschicht abstrusen Argumenten die Vermögenden sich gegen derartige Ansinnen wehren. Im Zeitalter der Aktiengesellschaften muss doch keine Firma zerstört werden, wenn Anteile an dieser Firma den Besitzer wechseln, es sei denn aus Gier desolat kreditfinanziert so wie jüngst im Fall Schaeffler! Und die armen, alleinstehenden sechzig-jährigen Millionärs-Witwen, die die vier Millionen teuere Zwanzig-Zimmer-Villa, die sie ab dann alleine mit zwanzig Hausangestellten bewohnen, wieder mit einer Hypothek belasten müssten, um die Erbschaftssteuer dafür zu bezahlen, noch dazu zu einem viel geringeren Anteil, wie jede kinderreiche Angestelltenfamilie heute von Anfang an ihr Reihenhäuschen zu 60 bis 90 Prozent bei der Bank finanzieren muss.
Würden sich die Reichen und Schönen nun auch auf solch „technische Umständlichkeiten“ herausreden, wenn es darum geht, dass sie durch Teilen die Welt vor einem Weltbrand in zur Zeit jeder denkbaren chaotischen Größenordnung retten können?
Warum werden z.B. bei Anne Will nicht solche Diskussionen geführt? Warum wird als Basisinformation für eine Bewältigung der Krise nicht umgehend eine staatliche Vermögenszählung aufgesetzt? So wie sie früher mit schwer nachvollziehbaren Motiven immer das gemeine Volk gezählt haben? Die jüngst wieder mit Staunen vorgelegte Schätzung der Vermögensverteilung im Land, ließ z.B. wieder viele Fragen offen. Z.B. war die Gesamtvermögenssumme offenbar viel zu gering, Unternehmensbeteiligungen und Auslandsvermögen wurden offenbar nicht mitgezählt und trotzdem gehörten den oberen zwanzig Prozent schon rund achtzig Prozent. Man kann davon ausgehen, dass es unter Berücksichtigung wirklich aller Vermögensarten noch viel drastischer aussehen würde.
Was, wenn dieses viele Vermögen wieder normal verteilt jederzeit ein neues Wirtschaftswunder wie in Deutschland nach dem Krieg auslösen könnte? Wären die Vermögenden dann bereit eine solche Umverteilung auf ihre Kosten zuzulassen? Vieles spricht dafür, dass die Wirkung einer normalen Vermögensverteilung so ist, denn die meisten Wirtschaftswunder der jüngeren Geschichte basierten auf einer wesentlich ausgeglicheneren Vermögensverteilung: In Deutschland und Japan hatten nach dem Krieg auch die Vermögenden sehr viel verloren und in China startete die Marktwirtschaft ausgehend von der vermögensmäßigen Planierung der Gesellschaft durch den Kommunismus.
Angenommen Sie haben oder hätten ein Vermögen von 100 Millionen Euro, wären Sie bereit 75 Millionen davon an den Staat oder unter das Volk zu verteilen, wenn sie damit der Welt ein Wirtschaftswunder bescheren würden, anderenfalls bei dem Versuch das Geld zu behalten einen Weltbrand riskieren würden?
Vor einigen Tagen notlandete im Hudson-River vor Manhattan ein Airbus und drohte im eisigen Wasser unterzugehen. Da gab es Menschen die blockierten Anderen den Fluchtweg um noch schnell ihre Handtasche oder ihren maßgeschneiderten Business-Anzug aus dem Gepäckfach zu holen und mit auf die Rettungsrutsche zu nehmen. Vielleicht ist diese Geschichte ein gottgesandtes Gleichnis für den Zustand der ganzen Welt.
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