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Murksen in der Krise (Teil 1): Die Abwrackprämie

14.02.09 | von Knut Karnann [mail] | Kategorien: Nicht kategorisiert

Sie bringt weder etwas für die CO2- Bilanz, noch für die Konjunkturankurbelung. Sie sichert nicht, sondern gefährdet in Wahrheit deutsche Arbeitsplätze und vernichtet mit dem Kapitaleinsatz von 1,5 Milliarden Euro rund 1,5 Milliarden Euro vorhandener Gebrauchswerte: Die Abwrackprämie!

Arbeitsplätze

Besitzer von Autos, deren Wert die Abwrackprämie von 2500 Euro im Vergleich zum Weiterverkauf lohnt, die also gegenwärtig ein Auto fahren, das weniger als 2500 Euro wert ist, können sich wohl kaum einen Mittelklasse-Wagen leisten. Kleinwagen werden aber überwiegend im Ausland hergestellt. Dagegen wird der mit der Abwrackprämie geplante Wegfall von 600.000 reparatur-intensiven, alten Autos schon sehr bald einige tausend Arbeitsplätze in freien deutschen KfZ-Werkstätten kosten.

Gebrauchswerte

Von den Menschen wird an den bisherigen Konjunkturpaketen die soziale Komponente vermisst. Ja, konnte man die alten Autos nicht mit einem Reparaturscheck in Höhe von ebenfalls 2500 Euro z.B. an Hartz-IV-Familien verschenken? Müssen diese geschätzt 1,5 Milliarden an Gebrauchswerten (2500 Euro mal 600.000 Autos) denn der Vernichtung anheim fallen? Im Fernsehen sah man die Tage gestandene Verschrotter weinen, da sie wegen der Verschrottungsprämie Autos zu vernichten hatten, die sich in wesentlich besserem Zustand befanden als ihre eigenen. Kurioserweise holen sich viele Leute nun auch lieber die 2,5 Mille vom Staat für gebrauchte Altwagen, die noch wesentlich mehr wert sind, nur weil die Leute die Umstände und die Risiken des Gebrauchtwagen-Weiterverkaufs fürchten oder über den wahren Wert ihres Alten nicht ausreichend informiert sind.

CO2

Das CO2, das durch die Herstellung eines Neuwagens erzeugt wird, würde von den abgewrackten Altwagen während deren ganzer restlichen Lebensdauer nicht mehr ausgestoßen werden, selbst wenn man sie Tag und Nacht fahren würde. D.h. das umweltpolitische Feigenblatt dieser Maßnahme, die nun auch "Umweltprämie" genannt wird, ist in Wahrheit ein Witz.

Ankurbelung der Konjunktur

Der Wertverlust bei Neuwagen während der ersten Jahre ist enorm. Andererseits müssen viele Neuwagenverkäufer leasen oder Kredite aufnehmen, weil sie auch das Geld für den um 2.500 Euro reduzierten Neuwagenpreis selbst nicht aufbringen können. Viele werden sich dabei finanziell übernehmen und müssen die Leasing- oder Kredit-Raten später beim übrigen Konsum sofort wieder einsparen. D.h. die Wirtschaftsankurbelung besteht nur in den 2.500 Euro die der Staat zuschießt, wenn überhaupt, denn die Autoindustrie hat für die durch die Abwrackprämien besonders stark nachgefragten Modelle, wie man hört, teils die Rabatte gekürzt, um schlicht ihre Gewinne für die Aktionäre zu erhöhen.

Fazit

D.h. unter dem Strich hat die Wirtschaft insgesamt wenig gewonnen. Mit einem Aufwand von 1,5 Milliarden wird man mit den Altautos eine vermutlich noch höhere Summe Gebrauchswerte vernichten, die nun zum Beispiel auch in Afrika fehlen, wohin sonst die deutschen Altautos exportiert wurden. Hätte man die 1,5 Milliarden stattdessen z.B. in den Bau von Schulen und Kindergärten gesteckt, wären auch bleibende Gebrauchswerte in dieser Höhe entstanden. Bei Kleinwagen entsprechen 2.500 Euro dagegen ziemlich genau dem Wertverlust bereits im ersten Jahr, so dass der Wertvernichtung beim alten Auto auch kein wirklich nachhaltiger Wertaufbau beim Neuwagen gegenübersteht.

Arbeitsplätze werden durch die Maßnahme im Ausland gesichert und im Inland in den freien Automechanikerwerkstätten in gleichem Maße gefährdet. Die Umweltbilanz der Maßnahme ist mindestens ein Nullsummenspiel, vielleicht sogar negativ. Immerhin, die Autoindustrie hat sich auf Staats- und Steuerzahlerkosten in der Krise ein wenig ihre Gewinne gesichert und ihren Aktionären etwas von den Kurswerten und den Dividenden ihrer "Auto-Aktien".

Wie wäre es mit einer Abwrackprämie für Politiker, die solch einen Unsinn noch dazu als Rettungsmaßnahme beschließen?


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