Archiv für: Februar 2009, 21

Unfassbar: Asiaten nutzen unsere Haushalte als nukleares Endlager

21.02.09 | von Knut Karnann [mail] | Kategorien: Nicht kategorisiert

NACHRICHTEN GELESEN MIT DER BRILLE DER MITTELSCHICHT

Was haben wir jahrzehntelang gegen die Castor-Transporte demonstriert? Asiaten sind viel erfinderischer, was radioaktive Abfälle betrifft. Dafür gibt es doch die Schmelzöfen in den großen, zu hunderten aus den westlichen Industrieländern nach Asien verlagerten Stahlwerken! Asiaten lernen bekanntlich schnell: Von den aufgrund mangelnder Arbeitssicherheit da hineingefallenen Kollegen und Mitarbeitern war ja nach einem kurzen Zischen und Britzeln auch nichts mehr für die Beerdigung übrig: Eine geeignete Lösung also für den unliebsamen Nuklear-Abfall, mit dem keiner weiß, wohin?

Der so atomar verunreinigte Strahl, pardon, Stahl ist so schön preisgünstig, dass er gerne von europäischen Herstellern eingekauft wird. Und das fiel, so las man die Tage nun endlich, auf unseren Schrottplätzen auf, die ihren Wareneingang schon längst mit Geigerzählern kontrollieren, da man in der Branche auch unseren eigenen Atomenergie-Betreibern nicht über den Weg traut in Bezug, auf was für Ideen die noch kommen werden, um ihren Problemmüll loszuwerden. Das Problem ist nur, vor dem Schrottplatz, das wird natürlich bestritten, war das Zeug normalerweise schon in Gebrauch und wir wundern uns, warum immer mehr Menschen in unserem Umkreis an Krebs erkranken: Was kostet ein Strahlenmessgerät, wo bekomme ich es her, frage ich mich nun? Edelstahl-Dunstabzugshaube, Elektroherd, Spüle und Bad-Armaturen, eigenes Auto auch Aufzug-Knöpfe etc. schon durchgemessen? Sollten Sie nun aber. Denn es lebe der ungeregelte Freihandel!

In mehreren Artikeln hatte ich bereits darauf hingewiesen, dass der globale Freihandel in seiner heutigen radikalen Form sich allgemein und generell grundwerte-zerstörend auswirkt. Und dieses ist einmal wieder ein hervorragender Beleg: Es nützt nichts, sich hier gegen Castor-Transporte auf die Bahngleise zu legen, wenn die Menschen den ungeregelten Freihandel dagegen protestlos zulassen, ja im Gegenteil sogar durch ihr Einkauf-Verhalten unterstützen. Die atomare Verseuchung kommt dann gleichzeitig ganz unverdächtig über den Importhafen für Gebrauchsgüter und Werks-Rohstoffe bis in unsere eigenen Wohnungen. Die Grünen haben das jahrzehntelang nicht kapiert und passend dazu finde ich die Tage zu dem Strahlenschrott-Skandal auch immer noch keine Stellungnahme auf deren Homepage. Überhaupt wird dieser auch in den primären Medien auf auffällig kleiner Flamme gekocht bzw. die Information darüber eher unterdrückt.

Stattdessen wurde in den letzten Tagen der Protektionismus, die Möglichkeit einer normativen und abgabenmäßigen Regelung des Freihandels, in unseren primären Medien an vorderster Stelle und auf breiter Front wieder einmal in Grund und Boden kritisiert, so wie das normalerweise nur der Teufel mit dem Weihwasser macht. Doch die Argumente sind bei näherem Hinsehen allesamt Unfug:

:crazy: Protektionismus würde bei uns die Preise steigen lassen.

Argumente dagegen:

Die in Gesellschaften mit Grundwerte-Dumping produzierten Waren sind zumeist von so minderer Qualität, dass sie selbst für den niedrigen Preis zu teuer sind: Fahrradluftpumpen, die nicht pumpen, Brandmelder, die nicht melden, verseuchte Spielzeuge und Nahrungsmittel, Hautkrebs verursachende Textilfarben und jetzt auch radioaktiv strahlender Edelstahl sind nur einige Beispiele.

Der niedrige Preis an der Ladenkasse ist für aus solchen Ländern importierte Produkte erst die Anzahlung. Ähnlich wie bei faulen Finanzanlagen kommt die eigentliche Rechnung später, ohne dass dieses in irgendeinem Hochglanz-Prospekt gestanden hätte, mit:

- den gesundheitlichen Spätfolgen des Genusses oder des Gebrauches für Sie und Ihre Familie

- dem späteren Verlust von immer weiteren Arbeitsplätzen im Inland für uns und unsere Kinder durch die damit lukrative Verlagerung von immer mehr Industrieproduktion ins grundwerte-dumpende Ausland

- der immer weiteren Zurückdrängung der Grundwerte Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und persönliche Freiheit, Sozialstaatlichkeit, Arbeitnehmerrechte und Umweltschutz auch bei uns durch den damit verbundenen Standorte-Kannibalismus

- dem in Folge des Arbeitsplatzschwundes immer weiteren Absinken unserer Reallöhne hierzulande

- Ist man Christ, sollte man nicht zuletzt auch die Schädigungen der herstellenden Arbeiter durch desolate Arbeitsbedingungen mit einbeziehen. Wir sollten darüber mehr nachdenken, ob es dem lieben Gott gefällt, dass wir z.B. überflüssigen Modeschmuck oder sandstrahl-gebleichte, topaktuelle Stone-Washed-Jeans tragen, für die junge Menschen in Asien, teils Mütter und Väter von kleinen Kindern über Jahre qualvoll an Lungen-Silikose verrecken, bevor sie lange vor dem Erreichen des Vierzigsten Lebensjahres zu Grabe getragen werden. Es ist unfassbar: Unsere ach so Grünen schmähen Pelzträger, aber wer bitte empört sich über gebleichte Jeans und billigen Modeschmuck, die Menschenleben kosten und die in Asien die Schicksale tausender junger Familien ruinieren?

:crazy: Gerade in der jetzigen wirtschaftlichen Krisensituation würden durch Protektionismus steigende Preise für Importwaren die Wirtschaft unverantwortlich hoch belasten.

Argumente dagegen:

Der nach (und nicht vor, wie man jetzt oft liest) der Krise von 1929 eingeführte Protektionismus hat diese nicht noch verschärft, sondern half vielmehr eine selbst sich immer weiter verschärfende Krise mit Zeitverzögerung wesentlich einzudämmen.

Die Wirtschaft leidet nun in der ersten Phase der Krise unter einer extremen Deflation. Alles, was die normale Inflation wieder in Gang brächte, wäre nun im Gegenteil nicht belastend, sondern würde die Wirtschaft stabilisieren.

Die Zölle oder entsprechende Umsatzsteuern, die die Preise steigen lassen würden, wären ja nur Mehreinnahmen für den Staat, wodurch dieser die Bürger an anderer Stelle in gleichem Umfang von Abgaben und Steuern entlasten bzw. Sozialbeihilfen erhöhen könnte. D.h. bei einer insgesamt vernünftigen und fairen politischen Umsetzung würde eine protektionistisch abgeschirmte Wirtschaft für die Menschen, auch was die ansonsten viel zu kurz greifende reine Geldbeutel-Logik betrifft, keinen Cent teuerer sein.

Dafür würde unser Land aber reindustrialisiert mit dicken Auftragsbüchern für unseren nun notleidenden Maschinenbau-Kernsektor und auf diese Weise Millionen neuer Arbeitsplätze im Inland geschaffen und in einem sich verengenden Arbeitsmarkt würden unser aller Reallöhne steigen und wir bräuchten beim Einkaufen viel weniger Skrupel haben als heute. Nur müssten sich die vermögenden Investoren dann mit geringer werdenden, eher normalen Gewinnmargen bescheiden und deshalb setzen diese ihre gesamte multimediale Medienmacht ein, um uns einzubläuen, zum ungeregelten, globalen Freihandel gäbe es nicht die wieder stärker regionalisierte Wirtschaft, ja gäbe es keine Alternative, so wie es bis vor Kurzem auch für die ungeregelten Finanzmärkte angeblich Naturgesetz war.

Aber Sie gehen jetzt wahrscheinlich auch lieber wieder an Ihren neuen, schmucken Edelstahlherd kochen und wundern sich nicht einmal darüber, warum die Sachen gar werden, obwohl Sie die Platte gar nicht eingeschaltet haben. Dazu noch eine letzte Information: Das könnten dann die Gamma-Stahlen gewesen sein, die Ihnen Ihre indischen Freunde in die Herdoberfläche oder Heizspirale implementiert haben! Lassen Sie es sich schmecken.

Quellen:

Strahlenschrott in Deutschland: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,607937,00.html

Silikose und gebleichte Jeans made in Turkey: http://www.dasbiber.at/content/jeans-mit-dem-eigenen-leben-bezahlen....

Silikose und Modeschmuck made in China: http://www.woz.ch/artikel/inhalt/2005/nr14/International/11648.html

Beispiele für die laufende Anti-Protektionismus-Propaganda - "Das absolute Böse":

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/protektionismus108.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,607514,00.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,607421,00.html

Und dazu unsere gegenläufige Argumentation für die Notwendigkeit von Protektionismus als Mittel zur Grundwerte-Absicherung - Protektionismus war ja nie abwesend, sondern wurde die letzten Jahrzehnte einseitig und mit Erfolg hauptsächlich von Ländern wie China, Japan und Indien betrieben:

http://www.mittelschicht.com/b2evo2/blog1.php/2008/08/08/das-rezept-erfolgreicher-nationaloekonom
http://www.mittelschicht.com/b2evo2/blog1.php/2008/12/27/the-day-after-tomorrow-in-der-oekonomie

Aktuelle Ergänzung: In der heute erschienenen Print-Ausgabe von "Der Spiegel" (2009/Nr.9) findet sich auf Seite 16 ein kurzer Artikel "Kobalt in der Kette", in dem es heißt, dass das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium aktuell nach den mit radioaktivem Stahl verseuchten Produkten sucht, nachdem in NRW strahlende Stahlspäne als Verarbeitungsreste aus der Produktion aufgetaucht sind. Insgesamt wurden mittlerweile 150 Tonnen radioaktiv belasteter Stahl aus Asien in zwölf Bundesländern sichergestellt.


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