Knut Karnann: Michael, schön dass wir uns hier im Ruhrkristall direkt über den Wassern des schönen Mülheimer Ruhrabschnitt zu einem Interview für den Mittelschicht Weblog treffen. Was ist überhaupt eine MMN-Demonstration?
Michael Niklas: MMN steht für Multimedia-Netzwerk-Demonstration und sie ist eine brandneue Form der virtuellen Demonstration, die erstmals verspricht auch wirklich für politische Wirksamkeit zu sorgen.
Knut Karnann: Das leisten bisherige virtuelle Demonstrationen wohl nicht?
Michael Niklas: Gib doch einmal „virtuelle Demonstration“ in Google ein. Da erhältst Du mittlerweile ca. 300.000 Treffer. Aber von wie vielen virtuellen Demonstrationen haben wir ansonsten schon einmal etwas mitbekommen?
Knut Karnann: Ehrlich gesagt auch unter virtueller Demonstration kann ich mir nicht so richtig etwas vorstellen?
Michael Niklas: Virtuelle Demonstrationen werden oft als eine Art elektronische Unterschriftensammlungen durchgeführt. Da gibt es einige, die mindestens innerhalb bestimmter politischer Szenen es durchaus zu Bekanntheit gebracht haben, wie z.B. die von Architects for Truth, die weltweit elektronisch Unterschriften von Architekten, Ingenieuren und Wissenschaftlern gesammelt haben, die aufgrund Ihres natur- und ingenieurwissenschaftlichen Hintergrundwissens das offizielle Untersuchungsergebnisse zu den Anschlägen vom 11.09.2001 für unglaubwürdig halten. Manche wurden auch bekannt, weil die Unterschriften gleich für die Möglichkeit der Einreichung einer elektronischen Petition beim Deutschen Bundestag genutzt wurden. Zum Beispiel konnte man damit letztes Jahr für die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens mindestens etwas Furore machen. Alleine, der größte Teil solcher Aktionen blieb bisher ohne jede Beachtung.
Knut Karnann: Auch Demonstrationen auf der Strasse finden nicht immer Widerhall in den Medien. Gerade zum 11. September gab es ja da auch, ich glaube vor zwei Jahren, eine große Demonstration in Brüssel mit tausenden Teilnehmern von Menschen aus ganz Europa, die völlig ignoriert wurde.
Michael Niklas: Ja, auf Youtube kann man sich Video-Aufnahmen der Organisatoren von dieser Demonstration ansehen. In den Medien blieb sie unbeachtet, zumal sie sehr friedlich ablief. Die Medien bevorzugen bei ihrer Berichterstattung ja bekannter- und paradoxerweise vor allem solche Demonstrationen bei denen es zu Eskalationen von physischer Gewalt kam.
Knut Karnann: Kann etwas Ähnliches bei virtuellen Demonstrationen überhaupt passieren?
Michael Niklas: Nein, das kann es nicht. Darin liegt ja ein großer Vorteil: Keine Kollateralschäden bei den Anliegern des Demonstrationszuges, keine Kosten der öffentlichen Hand für große Polizei-Einsätze. Die Vorteile virtueller Proteste liegen eigentlich auf der Hand.
Knut Karnann: Ja, nur ohne Gewalt sind die Medien wohl auch da nicht interessiert.
Michael Niklas: Das mag ein Faktor sein. Eine MMN-Demonstration überwindet nun aber dieses Hindernis, indem die Organisatoren der Demonstration selbst für die Medienpräsenz sorgen notfalls über gekaufte Werbeplätze im Anzeigenteil großer Zeitungen und über gekaufte Radio- und Fernsehspots, die bei genügend Finanzmitteln auch von professionellen Werbemachern erstellt werden können. Vielleicht finden wir aber auch Studenten der Medien- und Werbefachbereiche an den Hochschulen, die das für uns machen. Erste Kontakte dazu haben wir hergestellt.
Knut Karnann: Trotzdem kosten mindestens die Sendeplätze ein Heidengeld, wie können Demonstrationsveranstalter dieses leisten?
Michael Niklas: Eben, es ist alles nur eine Frage des Geldes! Sehe es doch einmal so: Die Lobbies der Konzerne tun Ähnliches. Auch jene veröffentlichen Zeitungsanzeigen, um uns in unserer Meinung zu beeinflussen z.B. über das Thema Kohle und Kohlekraftwerke oder zu dem Bullshit, dass angeblich nur sozial ist, was Arbeit schafft. Warum sollten also Meinungsintiativen aus der Mitte des Volkes nicht auch diesen Hebel für die Ziele viel größerer Bevölkerungsteile in Bewegung setzen.
Knut Karnann: Weil sie nicht über solche Finanzmittel wie Konzerne verfügen.
Michael Niklas: Falsch! Von einem Defizit an Gemeinwohl sind so viele Menschen betroffen, dass nur mit einem Euro von jedem Betroffenen sich gigantische Medienkampagnen bezahlen lassen. Einen Sendeplatz für einen Fernsehspots gibt es z.B. schon ab ca. 9000 Euro zu kaufen. Campact, eine mittlerweile recht bekante Plattform für virtuelle Proteste brachte z.B. schon Aktionen mit zigtausenden Teilnehmern auf die Beine und bei denen war noch keine Aktion über drei Jahre angesetzt.
Knut Karnann: Waren das auch MMN-Demonstrationen?
Michael Niklas: Nein, Campact hat ein anderes Konzept und bleibt meist bei Mailingaktionen oder visualisiert virtuelle Demonstrationen durch Aktionen auf der Strasse. Eine MMN-Demonstration verfolgt eine andere Strategie: Sie visualisiert eine Demonstration gleich dort, wo eine Demonstration auf der Strasse letztlich auch ankommen soll, in den Medien. Direkt in den Medien!
Knut Karnann: Das hört sich interessant an! Wie kann ich an Eurer MMN-Demonstration teilnehmen?
Michael Niklas: Das kostet Dich einen Zeitaufwand von 10 Minuten und einen finanziellen Aufwand von mindestens 4 Euro. Du kannst es bequem von zuhause aus, am Besten von einem PC mit Internetanschluss aus erledigen, alles Nötige erfährst Du auf der Internetseite jetztausrufezeichen.de. Statt selbst mit einer 200 Euro teuren Zugfahrt nach Berlin zu reisen, lasse zwei Deiner 2-Euro Stücke im Internet demonstrieren!
Knut Karnann: Und damit komm’ ich dann auch ins Fernsehen?
Michael Niklas: Abhängig von der erreichten Teilnehmerzahl ist die Medienpräsenz einer MMN-Demonstration sogar sicherer und nicht von redaktionellen Präferenzen und einer konkurrierenden Nachrichtenlage an einem bestimmten Tag abhängig. Wir können uns den Termin für die Visualisierung der Demonstration der Medienkampagne frei aussuchen und haben als Termin die Zeit vor der nächsten Bundestagswahl geplant, um gegenüber den Parteien, die wir mit der Demonstration ja gerade kritisieren, auch maximal wirksam zu sein.
Knut Karnann: Eure MMN-Demonstration ist sogar kombiniert mit einer symbolischen Parteigründung. Was in aller Welt muss ich mir darunter vorstellen?
Michael Niklas: Das ist das N in MMN, das Netzwerk. Neben einer selbstkontrollierten Medienkampagne hat die MMN-Demonstration auch den Vorteil, dass sie für den Interessenkampf keine Eintagsfliege bleibt, sondern ein Kommunikationsnetzwerk unter den Teilnehmern etabliert, das für eine längere Dauer angelegt ist. Dieses dient der Initiierung von begleitenden oder Folge-Aktionen, um den politischen Druck noch zu verstärken. Da wir mit der MMN-Demonstration „jetztausrufezeichen.de“ gegen die nun bereits jahrzehntelange miserable Politik aller etablierten Parteien aufbegehren wollen begleiten wir die Demonstration mit einer gespielten Parteigründung der Form nach, die das fantastische Potenzial hat, zur nächsten Bundewahl tatsächlich effektiv zu werden.
Knut Karnann: Ja was nun, gespielt oder effektiv?
Michael Niklas: Wir starten das mit einem Spiel, aber stellen durch das Spiel Voraussetzungen her mit denen bei erfolgreichem Spielausgang ganz schnell tatsächlich eine neue Partei gegründet werden kann.
Knut Karnann: Michael, jetzt bin ich verblüfft und begeistert zugleich. Jedoch war ich vom Stand der Technik Eurer Webseite nicht gerade begeistert.
Michael Niklas: Du hast recht, das ist noch unterste Stufe und bietet uns einiges Verbesserungspotenzial. Aber es ist wie unser Motto „Jetzt!“ Wir glauben, dass wir uns die miserable Politik unserer Parteien nun keinen Tag länger mehr gefallen lassen dürfen und lieber heute als morgen müssen wir dagegen etwas unternehmen, also jetzt! Wenn wir das mit einfacherer, aber nicht so eleganter Technik heute tun können, dann tun wir das lieber gleich heute, als bis in drei Monaten zu warten bis das technisch im state of the art gelöst ist. So sollten wir alle denken. Macht gleich jetzt etwas, wartet nicht länger. Kommunikation und Organisation sind weitere Herausforderungen. Wir gingen und gehen alles gleichzeitig an, um möglichst sofort wirksam zu werden. Dabei hat die Technik gelitten. Uns war nur wichtig, dass alle organisatorischen Prozesse z.B. für den Demonstrationsbeitritt baldmöglichst überhaupt funktionieren, erst einmal egal wie. Das haben wir nun bei den ersten Teilnehmern getestet und es läuft! Schnelligkeit ist Trumpf. Jetzt muss etwas geschehen nicht übermorgen.
Knut Karnann: Und deshalb bietet ihr auch etwas für die ganz Schnellen.
Michael Niklas: Ja, Hannes hatte dazu die Idee ein Early-Bird-Goody anzubieten. Die ersten Teilnehmer an unserer MMN-Demonstration erhalten das Recht, falls das Spiel der Parteigründung im Rahmen der MMN-Demonstration erfolgreich ausgeht, bei der dann tatsächlichen neuen Partei lebenslang beitragsfrei Mitglied sein zu dürfen.
Knut Karnann: Und die, das habe ich auf Eurer Seite gelesen, soll dann gleich eine Volkspartei sein?
Michael Niklas: Ja, wir wollen nicht den Fehler machen, wie so viele der momentan wie die Pilze aus den Boden schießenden neuen Parteigründungen im Internet. Wir bauen nicht auf einer sehr engen eigenen Weltsicht auf, sondern wollen im Gegenteil mit der bloßen Form und dem Bekenntnis zu einigen unverzichtbaren Grundwerten anfangen. Dadurch wollen wir es vermeiden, dass die Partei, die bei unserem Spiel herauskommen könnte, wieder nur eine weitere kleine Themen- oder Klientelpartei wird. Wir wollen eine Partei für alle Menschen werden. Dazu dürfen wir nicht jetzt schon im kleinen Gründerkreis Inhalte fest zurren. Wir wollen einen demokratischen Rahmen schaffen, in dem später unsere Parteimitglieder in Gesamtheit den Kurs bestimmen. Jedoch sollten wir noch nicht zuviel über diese Partei reden, auf der Internetseite haben meine Mitstreiter das vielleicht bereits etwas übertrieben. Ich habe angeregt, da lieber wieder etwas Luft herauszulassen bei den künftigen Überarbeitungen unserer Demonstrations-Homepage. Jetzt zu Anfang muss meiner Meinung nach das Anliegen der virtuellen Demonstration im Vordergrund stehen.
Knut Karnann: Dann schlage ich vor, dass wir darüber irgendwann später ein Folge-Interview führen.
Michael Niklas: Sehr gerne. Da werden Dir auch gerne meine vier Freunde zur Verfügung stehen, die wir derweil zum provisorischen Vorstand unserer symbolisch gegründeten Partei gewählt haben.
Knut Karnann: Warum bist Du da nicht dabei?
Michael Niklas: Von Anfang an, wollte ich jede Ähnlichkeit der Initiative mit einem durchgeknallten Egotrip eines Einzelnen vermeiden. Namen und Personen sind im Grunde unwichtig, es kommt nur auf die Aktion an sich an.
Knut Karnann: Ihr wollt auch andere politisch oppositionell ausgerichtete Initiativen ansprechen und zur Teilnahme bewegen.
Michael Niklas: Ja, wir nennen das Odyssee-Projekt. Wir haben vor in den nächsten Monaten das Internet herauf- und herunterzusurfen auf der Suche nach Gruppen und Einzelmenschen, die im Internet ein persönliches Zeichen des politischen Widerstandes gesetzt haben und wir wollen alle diese Menschen erstmals im Rahmen unserer MMN-Demonstration durch die Teilnahme an einer gemeinsamen virtuellen Demonstration zusammenbringen, damit sie Anderen gegenüber alle auf Einmal in ihrer enormen Anzahl sichtbar werden, nicht nur auf unserer Webseite, sondern wie gesagt auch in der Medienkampagne zum Abschluss dieser Demonstration in Fernsehspots, Radiospots und Zeitungsartikeln.
Knut Karnann: Na dann viel Erfolg. Wir haben hier bei MITTELSCHICHT.COM schon so unsere Erfahrung gemacht mit Zusammenarbeitsangeboten. Viele der Aktivisten sind Egozentriker par excellence und meinen alleine Ihre Internetseite sei der Nabel der Welt.
Michael Niklas: Alle diese Aktivisten haben aus unserer Sicht einen wichtigen ersten Schritt gemacht. Sie haben eine für andere, mindestens mit der Mühe einer wie von uns geplanten Surf-Odysse, auffindbare Flagge gesetzt, dass da jemand ist, der sich zu einer oppositionellen Haltung gegenüber unseren herrschenden Politikern bekennt. Wir wollen eben das einer Wirkung zuführen, indem wir diese Flaggen nun absurfen und einladen zu einer großen gemeinsamen Aktion.

Knut Karnann: Werden jene begreifen, dass darin die Chance liegt, vielmehr als darin, darauf zu hoffen, dass der eigene Internet-Auftritt der Nabel der Welt wird? Und wollt nicht ihr dann genau auch gerade das?
Michael Niklas: Ja, aber wir drehen das Prinzip um. Wir warten nicht darauf, dass andere zu uns kommen. Sondern wir gehen gezielt auf Leute zu, die bereits aktiv sind. Menschen, die teils vielleicht kurz davor stehen, mit ihrem eigenen Projekt zu resignieren. Viele gibt es davon und einige Internetaktivitäten sehen bereits schon wieder ziemlich tot aus. Man hätte jene vor Monaten bereits ansprechen müssen. Aber von denen, die heute aktiv werden und heute aktiv sind, werden genauso viele in einigen Monaten resignieren und aufgeben. Das muss nicht sein, wir wollen jeder Initiative mindestens deutlich machen, dass sie ein überaus wichtiges und sinnvolles sichtbares Zeichen ist, durch das ihre Urheber erkennbar sind, dafür, dass sie von anderen Gleichgesinnten angesprochen werden. Das ist die neue Kultur, die wir einführen und die uns aus unserer Sicht auch legitimiert, diese zentrale Rolle zu spielen. Gäbe es jemanden, der das heute schon täte, würden wir uns anschließen und das nicht selbst tun.
Knut Karnann: Es ist richtig. MITTELSCHICHT.COM existiert im Internet bereits seit über zwei Jahren und bis jetzt ist in dieser Art und Weise, wie Ihr es vorseht niemand an uns herangetreten. Höchstens mit Angeboten in der Form von Blogger-Plattformen, die die Blogartikel verschiedener Seiten zu einem täglichen aktuellen, gemixten Informationsangebot inhaltlich zusammenfügen. Jedoch für eine Teilnahme an einer Meta-Initiative, im Sinne einer echten politischen Initiative oder gemeinsamen politischen Demonstration, sprach uns in den zwei Jahren in denen wir online sind niemand an. Dabei hatten wir schon Tage mit 15.000 Aufrufen und sind im Internet sicherlich nicht ganz unsichtbar.
Michael Niklas: Es ist wie mit dem Ei des Kolumbus. Manchmal muss nur endlich einer der Erste sein, der etwas tut. Es ist kein sportliches Verhalten, wenn dann Andere eifersüchtig reagieren, darauf, dass nicht sie jene Ersten waren. Wir müssen uns endlich von dem Verhalten befreien, das unsere Gesellschaft krank gemacht hat, Neid- und Konkurrenzdenken gehört dazu! Wird die MITTELSCHICHT.COM unserer Demonstration beitreten?
Knut Karnann: Das werde ich mit Uwe Harling klären müssen, der der Initiator unserer Initiative ist. Ich persönlich werde auf jeden Fall heue noch virtueller Demonstrationsteilnehmer auf Eurer Internetseite, versprochen!
Michael Niklas: Dann habe ich Dich überzeugt?
Knut Karnann: Auch bei MITTELSCHICHT.COM ist man seit zwei Jahren der Meinung, dass die derzeitige Politik unserer Parteien so miserabel ist, dass man auch zwischen den Wahlen etwas dagegen tun muss.
Michael Niklas: Virtuell demonstrieren zu gehen, z.B.
Knut Karnann: Und damit also eine Medienkampagne gegen die falsche Politik genau vor der nächsten Bundestagswahl ermöglichen.
Michael Niklas: Dann, wenn den Parteien das am Meisten weh tun wird.
Knut Karnann: Lieber Michael, ich danke Dir für das Gespräch und empfehle allen meinen Leserinnen und Lesern wie ich auf www.jetztausrufezeichen.de die erstmalige Erfahrung auszuprobieren, wie es ist, an einer virtuellen MMN-Demonstration teilzunehmen.
Michael Niklas: Übrigens, für alle, die darauf Wert legen, an einer MMN-Demonstration kann man auch völlig anonym teilnehmen und das ohne irgendein Vermummungsverbot zu verletzen oder damit eine Ordnungswidrigkeit zu begehen! Es ist etwas, was wirklich brandneu ist und was es in dieser Art zuvor niemals gab. Man muss es einfach einmal ausprobiert haben!
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