Unser wahres Leben, die gegenwärtige politische Situation unserer realen Gesellschaft ist spannender wie eine Fantasy-Geschichte:
Es ist eine Situation wie in „Herr der Ringe“: Der Internetcomputer ist mein weißes Pferd. Im Nebel der Abenddämmerung reite ich die Front entlang, die bislang zur Verteidigung von Mittelerde (sprich der freiheitlich, demokratischen, abendländisch, aufgeklärten Zivilisation) vor allem in Form von zahllosen Internetinitiativen gegen die Mächte der Finsternis (unsere etablierten Politiker und ihre wirtschafts- und finanzmächtigen Hintermänner) aufgebaut worden ist.

Berg im Nebel Quelle: piqs (frei für nicht-kommerzielle Verwendung)
In den Verteidigungsgräben sehe ich vereinzelte kleine Gruppen ausgerechnet von Marxisten, Sozialisten, Rechtsradikalen und Anarchisten, einzelne Egozentriker und Selbstdarsteller, esoterischer Spinner und persönlich Verbitterte, wenige, vielleicht zu wenige und doch so viele.
Doch am allerwenigsten sehe ich in den ersten provisorischen Verteidigungsstellungen gegen die Übermacht ultra-anarcho-liberalistischer Orks echte Demokraten! Es ist, als ob die Hobbits den Räuberbanden und Spinnen des großen Waldes die Verteidigung des Auenlandes alleine anvertrauen würden.
Was ist los, Hobbits? Selbst in der weniger wahrscheinlichen Situation eines Sieges der Widerständler wollt Ihr Mittelerde dann der Macht der Räuber und Spinnen überlassen, die diese als alleine Kämpfende dann sicher auch nicht ganz zu Unrecht einfordern würden?
Bei vielen Menschen, oft gerade bei denen, die aufgrund ihrer Bildung und Erfahrung das Potenzial zum guten Demokraten hätten, kommt mir die Klage über die nur mehr schlecht als recht funktionierende Demokratie so vor, wie die Klage darüber, dass kein Wasser da ist, von jemandem, der zu faul ist, den Wasserhahn aufzudrehen. „Mir ist das alles zu kompliziert. Gut, dass wir überhaupt Politiker haben, die sich darüber Gedanken machen und seien sie noch so böse und eigennützig! Ich habe dafür keine Zeit“ Doch Demokratie heißt, dass die Menge bestimmt und folglich jeder in der Menge sich mit allen relevanten Fragen intensiv beschäftigen muss und zwar nicht nur in der Form, dass er sich von der medienmächtigsten Macht dazu einseitig „betüddeln“ lässt.
Ja, Demokratie kostet Zeit und Mühe, Waschen auch, Sport Treiben auch. Wie denken wir über Menschen, die sich nicht waschen und deshalb stinken oder fett und krank sind, weil sie sich zu wenig bewegen, alle mit dem Argument, sie haben zum Waschen bzw. um sich zu bewegen keine Zeit. Ohne Demokratie verspielen wir die Zukunft unserer Kinder so sicher wie mit der dreistesten persönlich von Normalbürgern nur betreibbaren Umweltverschmutzung, aber bzgl. des notwendigen Einsatzes für die Demokratie sehen wir das nicht ein.
Wir schimpfen viel über die mächtigen, anarcholiberalen Gegner der Mehrheit der Menschen. Doch ist diese Mehrheit gegenwärtig soviel besser? „Schlafschafe“ ist noch zu milde ausgedrückt, so viele Menschen sind einfach weiterhin nur „dumme Lemminge“, die der nächst lautesten Flöte eines jeden Rattenfängers und/oder den schüchternen Artgenossen unreflektiert hinterherlaufen in den gemeinsamen und notfalls auch individuellen Untergang hinein …
“You and I have a rendezvous with destiny. We will preserve for our children this, the last best hope of man on earth, or we will sentence them to take the first step into a thousand years of darkness….” Ronald Reagan
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Meinem letzten Blog-Artikel möchte ich noch etwas anschließen:
Wir Naturwissenschaftler, Ingenieure, Techniker der Mittelschicht, und ich möchte da sogar operativ arbeitende Betriebswirtschaftler und Kaufleute mit einschließen, haben in den letzten Jahrzehnten eine Welt geschaffen, in der es möglich ist, mit viel weniger Arbeit ein erheblich größeres Einkommen und eine noch viel, viel größere Menge an materiellen Gütern zu erzielen. Ein Leben, wie früher nur die Reichsten kannten, für alle Menschen wäre heute möglich bei gleichzeitig viel geringeren Arbeitszeiten (Wochen- oder Lebensarbeitszeit). Diese technische Voraussetzung für ein modernes Hitec-Paradies für Alle aufzubauen, war von uns operativ arbeitenden Technikern, Ingenieuren, Natur- und Betriebswirtschaftlern gefordert. Stellen Sie sich selbst die Frage: Sind DIESE technischen Voraussetzungen erreicht worden? Gab es in den letzten Jahrzehnten tatsächlich einen geradezu gigantischen technischen Fortschritt?
Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass Ihnen gute Gründe für eine gegenteilige Meinung einfielen.
Wenn Sie diese Frage also bejahen, dann stelle ich Ihnen die zweite Frage: Was wäre in dem gleichen Zeitraum der letzen Jahrzehnte, die Aufgabe der Politiker, Volksökonomen und Juristen gewesen? Das beantworte ich Ihnen noch selbst: Ihre Aufgabe wäre es gewesen, durch eine gerechte Verteilung des durch die Leistung der operativ arbeitenden Techniker, Ingenieure, Natur- und Betriebswirtschaftler Erreichten dafür zu sorgen, dass ein "Wohlstand für Alle" wie bei Ludwig Erhard, ein zweites Wirtschaftswunder daraus wird, an dem die ganze Gesellschaft teil hat: Einkommen, materieller Wohlstand und materiell voll versorgter, ausschweifender Freizeitgenuß mit gutem Gewissen für Alle. Stellen Sie sich nun selbst die eigentliche Frage: Ist diese zweite Voraussetzung auch erreicht worden?
Die Antwort ist doch, dass die Berufsstände der Politiker, Volksökonomen und Juristen offensichtlich DIE völligen Versager dieser Gesellschaft sind! Sie konnten nicht oder sie wollten nicht. Beides ist schlimm, letzteres, wenn es aus korrupten Interessen geschieht, was auf der Hand liegt, fast noch schlimmer!
Natürlich will ich hier keinen Haß schüren, aber wir können diesen Berufsständen und einigen Anderen offensichtlich nicht mehr vertrauen! Sehr begrüße ich folglich, dass, wie in der Piraten-Partei der Fall oder hier, Herr Harling, ENDLICH die Ingenieure politische Hand anlegen. Auch ich gehöre dazu!
Deutsche Ingenieure sind die Letzten, die dieses Land auch politisch noch retten können! Auch weil ihre ausschließliche Fachverliebtheit bisher dazu beigetragen hat, dass sie mit sich selbst oft auf niedrigem materiellem Niveau glücklich waren und sich deshalb der korrupten Verhältnisse meist enthalten haben, von denen andere Berufsgruppen offensichtlich bereits längst zu großen Teilen ergriffen sind, wie meiner Meinung nach verdachtweise auch die niedergelassenen Fachärzte oder die Apothekenbesitzer und, das ist bekanntlich längst nicht mehr nur ein Verdacht, alle "Bankster" ...
Ingenieure und Computeringenieure haben auch die intellektuelle Kapazität, Systeme beliebiger Art zu analysieren und die Fehler zu finden. Und sie haben die Kreativität Lösungen zu entwickeln.
Welche z.B. auf Grund ihres schieren Alters von über 45 Jahren arbeitslosen Ingenieure würden mit mir eine Initiative gründen "Deutsche Ingenieure für Deutschland", ein "politisches Reperatur-Team", das die grundlegenden politischen Probleme, die wir haben, unabhängig intelligent und objektiv systemtheoretisch untersucht, die ursächlichen Fehler findet, Lösungsansätze entwickelt und diese später auch den Wahlberechtigten als Alternative vorlegt?
Bitte meldet Euch bald unter KNUT.KARNANN(AT)GMX.DE
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„Menschen der Mittelschicht, ihr seid wunderbar!“ Das sagen Euch ausgerechnet moderne Marxisten, die Rede ist von dem amerikanischen Professor Michael Hardt, Duke University Durham NC, USA und von dem zeitgenössischen italienischen Philosophen Antonio Negri.
Gerade lese ich deren überaus interessantes wie schwieriges Buch „Empire“, ISBN 3-593-37230-4, das in der Originalausgabe bereits im Millenniumsjahr erschien und ich werde bisweilen über daraus gewonnene Kenntnisse hier berichten.
Während „das Empire“, eine neue globale Weltordnung aus deren Sicht nicht aus dem Diktat einer zentralen Verschwörungsmacht entsteht, sondern aus mehr oder weniger zufälligen, aber aufeinander aufbauenden historischen Prozessen, hat „die Menge der Menschen“ eine nie dagewesene wirtschaftliche Produktivität und operative Kooperationsfähigkeit erreicht. Dabei geht es vermehrt vor allem auch um geistige Leistungen und Produkte. Unsere Lebenswelt wird dank der genialen Leistungen vor allem von Mittelschicht-Ingenieuren und Technikern aber auch von vielen anderen Professionen durch technologische Revolutionen im Rhythmus von nunmehr nur noch ein paar Jahren quasi ständig komplett neu erschaffen.
Was fehlt ist ein „Klick“! Das Umkippen eines Schalters, das die gewaltige Handlungsmacht dieser in gigantischer Weise so produktiven Menge künftig auch in die Neugestaltung des gesellschaftlichen und politischen Bereiches fließen lässt. Hardt und Negri prophezeien, dass ein solches Ereignis in naher Zukunft, wie immer es auch genau aussehen mag, die Macht der ultraliberal konzipierten Ordnung des „globalisierenden Empires“ bald in seine Einzelteile pulverisieren wird.
Menschen der Mittelschicht, Helden des Alltags, Helden der berufstätigen Arbeit, besinnen wir uns auf diese Stärke! Wir haben keinen Grund Politiker-, Journalisten- und Wissenschaftlermarionetten unselbstbewusst gegenüber zu stehen. Wir sind die Schöpfer der Welt! Jene sind nicht mehr als vor Engstirnigkeit stinkende Puppen derer, die uns um den wohl verdienten Gewinn unserer Leistung bringen wollen, während sie heuchlerisch der Belohnung von Leistungsträgern das Wort zu reden vorgeben.
Wir haben es geschafft durch die Entwicklung herausragender Technik und die Optimierung unserer Arbeitsorganisation und –kooperation die Produktivität der menschlichen Gemeinschaft so weit zu steigern, dass es erstmals in der Geschichte möglich geworden ist, dass alle Menschen auf einem Wohlstandsniveau leben können, wie früher nur die aller Reichsten. Daher gibt es in Wahrheit keine materielle Krise, keine Krise mangelnder Produktion von irgendetwas, das die Menschen zum Leben brauchten, sondern das Gegenteil ist der Fall: Nie waren die Voraussetzungen für allgemeinen Wohlstand und das Genießen beträchtlicher Lebenszeitanteile in Freizeit besser als heute.
Die wahre Krise des von uns erreichten Fortschritts-Niveaus, und hier spinne ich nun wieder meine ganz eigenen Gedanken, ist die „Krise des gefühlten Reichtums“. Gefühlter Reichtum ist relativer Reichtum. Was macht den Reichtum denn noch aus, wenn sich dank biotechnologischem Fortschritt in Sachen Meerestierhaltung in Zuchtanlagen und dank Aldi jede Putzkraft, wenn ihr einmal danach ist, Lachs und Kaviar für ihr Frühstück leisten kann? Was macht den Reichtum denn noch aus, wenn selbst Bauarbeiter sich jedes Jahr so viele schöne Tage auf Malle, in Thailand oder Venezuela leisten können, wie ein Reicher auch nicht mehr Zeit hat, in seiner Millionen teueren Ballearen-Finca oder Hochseejacht zu genießen, in denen die meisten Tage des Jahres nur der private Sicherheitsdienst mit dem Schäferhund für einige Minuten nach dem Rechten sieht? Neiddebatte anders herum!
Die absurde Angst der Reichen vor Brechts „Anekdote von der Senkung der Arbeitsmoral“ führt nicht im Sinne einer Verschwörung, sondern als gesellschaftlich pathologischer, psychologischer Prozess, der in den Köpfen unserer Oberschicht-Angehörigen abläuft, dazu, dass wie ein mir bekannter, nordbayerischer Handwerker es kürzlich nannte „Mittel- und Unterschicht nun ohne Not, aus purer Willkür mit mutwilligen und keineswegs sachgerechten politischen Zwangsmitteln wieder in den Dreck getreten werden“. Das von der arbeitenden, produktiven Menge mit Leistung erreichte Paradies für Alle, das noch zu Helmut Kohls Zeiten auch von den Wirtschaftsexperten der CDU als „Freizeitpark Deutschland“ so vorausgesehen worden war, wird mit der zerstörerischen Wucht einer anarcholiberalen Agendapolitik absichtlich wieder zerstört und dadurch nun doch eine tatsächliche materielle Krise für die meisten von uns verursacht. Sieht so eine Leistungsgesellschaft aus, wenn auf heimtückischste Weise die produktive Menge um alle Pfründe ihrer Jahrzehnte langen hervorragenden Arbeit gebracht wird? Wir die Mittelschicht der freien Welt haben den „Iron-Man-Lauf“ um das Paradies auf Erden gewonnen, doch ein paar Meter vor der Ziellinie stellen uns nun die ganz Mächtigen das ultraliberale Agenda-Bein und tun so, als wären sie es nicht gewesen, sondern aus heiterem Himmel herabgefallene Krisen.
Vorsicht, Mitbürger, extremer Liberalismus, die Beseitigung jeglicher allen gemeinsam übergeordneter staatlicher Autorität, ist nichts anderes als Anarchie und Anarchie, ist eine Situation, in der der Stärkere dem Unmächtigen alles wegnehmen darf, seine Rechte, sein Hab und Gut, seine Gesundheit und seine Würde! Und der Stärkere wird in einer Anarchie auch keinen Moment zögern dieses zu tun, denn so ist der Mensch oder zumindest der Typus Mensch, den der dekadente Zustand unserer gegenwärtigen Gesellschaft immer mehr in die wirklich machtvollen Positionen spült: ein Tier, ein Wolf, so keine Zivilisation, das Gegenteil von liberaler Anarchie ihn zähmt. Eine von unseren Puppendemokraten liberalisierte, damit gleichsam in Anarchie versetzte Finanzdienstleistungsbranche hat es uns gerade vor Augen geführt.
Welch schöne Zeit, als die anarchische Bedrohung der Mittelschichtbürger in diesem Land lediglich von einigen Kocksern und Trinkern mit bunt-spitzem Haar-Styling ausging. Man könnte sagen, die „asozialen Anarcho-Punks“ von heute sind ungleich gefährlicher: Sie managen Grossbanken, schreiben Kolumnen in Zeitungen wie der Süddeutschen und der FAZ oder als staatlich dotierte Professoren Wirtschaftsgutachten für Kommissionen und sogenannte „Waisenräte“ oder sie heißen Schröder, Fischer, Westerwelle, Koch, Merz, Müntefering oder Steinmeier und haben in unseren etablierten Parteien ein gehöriges Wörtchen mitzureden oder sie sind Bundespräsident.
Anarcholiberalismus nennt sich nach Belieben „moderne Sozialdemokratie“, „Grün“, „freiheitlich liberal“ oder „Neokonservatismus“. Der „schwarze Schimmel“ unter diesen Begriffen, namentlich Konservatismus, der „Neo“ ist, was ein Widerspruch in sich ist, verrät, dass an diesen modernen Politikbegriffen etwas faul ist. Sie sind allesamt Fassade für eine nur scheinbar fortbestehende Pluralität der politischen Landschaft. In Wahrheit steckt hinter allen diesen Etiketten nur eines: ANARCHOLIBERALISMUS, eine extremistische Politikform, die gerade uns anarchische Zustände wie der Teufel das Weihwasser verabscheuende Normalbürger in Alarmzustand versetzen und Bürgerwehren aufbauen lassen sollte. „Formet vous batallion!“ heißt das in der französischen Nationalhymne, die auch einmal das Lied der Arbeiterbewegung hierzulande war.
Wann macht es, um auf Hardt und Negri zurückzukommen, Klick? Wann fangen wir an, unsere exzellenten beruflichen Tugenden für die politische Produktion einzusetzen anstatt auf diesem Bereich unseren Untugenden freien Lauf zu lassen? Was ist mit unserer Kooperationsfähigkeit auf dem Gebiet des Gesellschaftlichen und Politischen? Jede Idee ist wichtig, jeder Ansatz ist wichtig, jede Aktivität ist wichtig, warum kooperieren wir nicht, warum bekämpfen wir uns, warum sehen wir in jedem Anderen, der sich bemüht, oftmals nur das Schlechte? Warum denkt im Bereich des Politischen jeder, er alleine hätte die Weisheit mit dem Löffel gefressen oder mit dem ultraliberalen Trichter schon richtig eingeträufelt bekommen nach dem Motto „BILD Dir ein, dass Du Dir Deine Meinung BILDest“? Warum sind wir unfähig unsere eigenen Meinungen der Kritik zu unterziehen, Kritik anzunehmen? Würden wir im professionellen Arbeitsumfeld so agieren, hätten wir die von Hardt und Negri bewunderte kooperative Produktivität niemals erreicht! Was wir im professionellen Umfeld können, können wir auch im politischen Umfeld, davon bin ich überzeugt. Der von Hardt und Negri prophezeite „Klick“ ist, dass wir anfangen, davon endlich auch Gebrauch zu machen.
Im Prinzip ist es doch simpel, was zu fordern ist! Wie eh und je in der Geschichte geht es darum als Menge Eigentumsrechte zu verlangen, an dem was uns gerechterweise zusteht, weil es von uns selbst in Jahrzehnten erarbeitet worden ist, was man uns aber nicht zugestehen will:
1. Wir dürfen ein Notenbanksystem nicht länger akzeptieren, das Alles was wir uns an längerlebigen Vermögenswerten durch unsere Arbeit schaffen, zum Eigentum der Notenbank erklärt und uns in gleicher Höhe Geldschulden auferlegt, wodurch wir paradoxerweise mittels all unserer Arbeit höchstens vorübergehenden, rein physischen Besitz an zusätzlichen Gütern erreichen, jedoch, jedenfalls in Summe, rechtliches Eigentum nur an immer neuen und noch höheren Schulden gewinnen.
2. Wir müssen, mit Recht zur Weiterverwendung, das Eigentum der Menge verlangen an allen natürlichen und geistigen Schöpfungen von der DNS von Reispflanzen über technische Erfindungen bis hin zu künstlerischen Werken, natürlich bei gleichzeitiger angemessener Entlohnung der Erfinder und Finder. (Hardt und Negri haben mit ihrem Buch bereits im Jahr 2000 die neuartigen und berechtigten politischen Forderungen dazu von einer Piraten-Partei vorhergesehen, die von uns schon deshalb ernst genommen werden sollte, weil sie sich aus der schöpferischsten Mitte der produktiven Menge geriert hat.)
3. Auch staatliche Ordnung, Souveränität und Autorität, die definitorische Kraft der Sprache, der medialen Kommunikationskanäle und der Wissenschaft gehören der Menge! Nur funktionierende Demokratie, und das Folgende ist ganz wichtig, auf der Basis echter und umfassender Gewaltenteilung, die künftig auch die meinungsdefinitorische Macht (Medien, Parteien und Wissenschaft) und private Vermögensmacht mit berücksichtigen muss, stellt das sicher und gehört deshalb zu diesem Eigentumsanspruch. Vor allem die sich ständig ausweitende legislative Betätigung der Exekutiven über die supranationale Ebene darf deshalb von uns nicht länger geduldet werden. Und genauso wenig dürfen wir deshalb demokratie-pervertierende organisationsinterne Kandidatenfindungs- und Wahlrituale, Parteispenden, Ahndungsfreiheit von Abgeordneten-Korruption, privatwirtschaftliche Anschlußjobs von Regierungsmitgliedern und hohen Exekutiv-Mitarbeitern, Vorschlag und Wahl von Richtern und Intendanten durch Politiker der Legislative und Exekutive, Weisungsgebundenheit von Staatsanwälten akzeptieren. Ferner müssen wir für finanzielle Unabhängigkeit auf der Basis von bedingungslos bereitgestellten, ausreichenden Steuergeldern für unabhängige Medien, Parteien und Hochschulen sorgen, bei gleichzeitigem Verbot jeglicher sonstiger Bezuschussung, die an Bedingungen geknüpft wäre oder durch private Träger mit Widmung an bestimmte Institutionen erfolgt (d.h. für Werbeanzeigen müsste es z.B. ein zentrales Inkasso über einen Fonds geben, der die Mittel dann zu gleichen Teilen an alle ausschüttet).
4. Wir müssen das volle Eigentum der Menge verlangen an dem Wohlstand, der durch unsere Produktionskraft als Menge möglich geworden ist und der auch in der durch eine dramatische Steigerung unserer wirtschaftlichen Produktivität erreichten Möglichkeit liegt von kürzeren Arbeitszeiten oder Lebensarbeitszeiten bei voller Aufrechterhaltung des Lebensstandards. Anstatt hier ein neues Kastensystem von Zu-Viel-Arbeitenden und Nicht-Arbeitenden zu installieren, kann man durch eine vernünftige und gerechte Verteilung von Arbeit, Freizeit und Einkommen stattdessen allen Menschen zum Glück verhelfen.
„Entspanne Dich Deutschland!“ hieß einer meiner letzten Blog-Artikel. Nirgends in der entwickelten Welt gibt es derzeit eine allgemeine materielle Krise. Es gibt nur eine Krise der gerechten und angemessenen Verteilung von Arbeit, Einkommen und Freizeit und die Krise einer Menge, insbesondere der der Mittelschicht, die die ihr zustehenden Eigentumsrechte an dem von ihr in fantastischer jahrzehntelanger Arbeitsleistung Erreichten (noch) nicht politisch einfordert. Die Krise des Wartens auf den Klick, dass die arbeitende Menge ihre in beruflicher Profession bewährte Produktions- und Kooperationskraft endlich darauf richtet, um sich auch die politische und gesellschaftliche Welt neu zu erschaffen. Das Paradies auf Erden FÜR ALLE MENSCHEN, ja gerade möglich geworden dank der wirtschaftlich operativen Leistung der letzten Jahrzehnte der Mittelschicht-Menge der freien Welt, kann dann durch die gleiche Menge heute bereits verwirklicht werden. Und kein „inhumanes ultraliberales Empire“, das autoritäre Souveränität nicht mehr im nationalstaatlichen Sinn als über allen stehenden Schutz für die Menge sondern als Werkzeug der Stärksten versteht, so Hardt und Negri, wird uns DANN davon abhalten können!
„Klick“! Wir bei der MITTELSCHICHT.COM arbeiten daran und hier auf dem Mittelschicht-Weblog können Sie Zeuge werden. In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen auch noch einmal die bevorstehende Artikel-Serie in Aussicht stellen, mit der wir in den nächsten Tagen beginnen werden:
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Das journalistische Highlight der letzten Wochen war die jüngste Titelseite des Satiremagazins Titanic, Ausgabe März 2010, zu kaufen in jedem gut sortierten Kiosk:
Wegen des Problems mit der fehlenden Reißleine soll es in der gleichen Baureihe mit dem Toyota-Hersteller-Ident "FDP" sogar bereits mindestens einen Unfall mit Todesfolge gegeben haben.
Die betroffenen Modelle sind unter Anderem an ihrem Falschirmspringer-Abzeichen (auf der Kapo-Mütze aus Sicht des Betrachters rechts) zu erkennen (so sieht zum Beispiel unser Entwicklungshilfeminister auf Staatsbesuch im Kongo aus).
Achtung: Durch Totalausfall der Schuldenbremse bei gleichzeitiger grundgesetzlicher Verankerung derselben mit dem vorderen Rahmenteil droht schon bei der nächsten Wiederwahl des neoliberalen Rückwärtsganges z.B. in NRW gar das Auseinanderbrechen der gesamten Staatskarosse. Um auch andere Demokratieteilnehmer vor Schaden zu bewahren, werfen Sie als potenzieller FDP-Wähler deshalb im Zweifelsfall also Ihren Wahlzettel das nächste Mal nicht in die Wahlurne Ihres Wahllokals, sondern reichen Sie diesen mit der Aufschrift "Rückruf-Aktion" schriftlich oder persönlich direkt bei Ihrem nächsten Toyoto-Händler ein.
Die Frage stellt sich nur, da dieses schon seit mindestens 2003 so ist, warum haben diese 90% sich dann erst am 27. September des letzten Jahres wieder einen Gebrauchtwagen ohne Motor für den Preis eines Neuen andrehen lassen? Ja, den Schwarz-Gelben meine ich.
... und kauft deshalb seit Wochen wie wild die neuen deutschen Mittelschicht-Uniformen mit dem weithin sichtbaren "Hans-Wolfshaut-Aufnäher" als neues gemeinsames politisches Erkennungsmerkmal, obwohl diese fast so teuer sind wie manches KFZ (Anmerkung der Redaktion: F hier bitte nicht vergessen, sonst gibt's Stress mit Charlotte) aus dem gerade noch fahrtüchtigen Gebrauchtwagen-Angebot: Und auch in einem solchen kommt man trocken durch den Regen.
Manche Blogs äußerten sich schon erschrocken und zogen Parallelen zu deutschen Uniformierungstendenzen vor 75 Jahren. So weit wollen wir hier nicht gehen.
Wir sollten lernen, nicht vor Äußerlichkeiten Angst zu haben. Nicht vor religiösen Turmbauwerken, nicht vor Kopftüchern und auch nicht vor uniform gekleideten Menschenansammlungen mit gelb-gestickten Wolfstatzen auf dem Rücken.
Schade, dass man sich nicht politisch viel folgerichtiger für die Marke mit dem coolen sonnenbebrillten Schimpansen entschieden hat (Anm.: Nein, ich meine natürlich nicht den oben verlinkten, das war nur unser Entwicklungshilfeminister wider Willen, sondern diesen), da auch ich finde "Grupp ist cool". Aber dafür müssen wohl erst noch mehr als ein paar tausend Leute im Monat unseren Mittelschicht-Weblog lesen.
Bei der Gelegenheit vielen Dank für die vielen lobenden Weiterempfehlungen dieses Blogs in Internet-Foren und Mainstream-Medien-Kommentar-Threads, die mir natürlich nicht entgangen sind. (Das gehört eigentlich schon nicht mehr zum Satire-Teil, sondern das meine ich höchst ernst und völlig authentisch!)
Ihr Knut Karnann
Im Sinne der gewünschten Blogger-Vernetzung sollte man vielleicht öfter einmal auch auf einen Beitrag anderer gescheiter Internet-Jünger verweisen.
Neben den Tippsern, von denen ich einer bin, gibt es auch die sogenannten Video-Blogger, z.B. Manuel, der mir hier aus der Seele spricht, nach dem was ich so in den letzten Tagen auf der Straße von anderen Menschen gehört habe (mit der Ausnahme, dass ich beim bedingungslosen Grundeinkommen nicht die höchste Priorität sehe, stattdessen sollte man meiner Meinung nach wieder in Richtung Vollversicherung gegen Arbeitslosigkeit gehen, mindestens so wie wir sie in der alten Bundesrepublik noch hatten, also viel, viel längeres und höheres ALG I):
Die Krise wäre die Chance gewesen, im Zuge von Konjunkturprogrammen vor allem endlich mit einigen ungerechten Benachteiligungen Schluss zu machen. Z.B. hätte man mit einem aktiven Antidiskriminierungsgesetz endlich den Abstand zwischen Frauen- und Männerlöhnen bei gleicher Arbeit verkleinern können, somit den Binnenmarkt unterstützen, Kaufkraft mehren und endlich einmal zur Abwechslung zu Gunsten der Tarifpartei der Arbeitnehmer und nicht immer nur zu Gunsten der Arbeitgeber politisch in das Tarifgefüge eingreifen können.
Das offensichtlich diskriminierende bestehende Lohngefüge böte meiner Ansicht nach hier eine aussichtsreiche rechtliche Grundlage für die ausnahmsweise Einmischung des Gesetzgebers!
Eine nunmehr fast zwei Jahre alte Forderung von mir auf Mittelschicht.com: Alle Frauengehälter per Gesetz einmalig sofort um eine volle Gehaltstabellenstufe nach oben oder bei Fehlen einer Gehaltstabelle um mindestens 15%.
Stattdessen muss man am heutigen Weltfrauentag auch dieses Jahr wieder folgende Meldungen lesen:
Dass ich mir hiermit unter meinen Geschlechtsgenossen nun vermutlich wieder etliche Feinde machen werde ist das traurige an dieser Gesellschaft. Was seid Ihr nur für Christenmenschen: Wisst Ihr eigentlich noch, dass Jesus immer auf der Seite der Benachteiligten stand? Damit meine ich nach den Hetztiraden auf Hartz IV Empfänger und den Kommentaren von Bildzeitungslesern aus meinem Bekanntenkreis in diesen Tagen nicht nur die Frauen, sondern das meine ich ganz allgemein ...
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“Alle Hartz-IV-Empfänger sammelt er [Westerwelle] in den leeren, verblühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge,
drumrum ein großer Stacheldraht
– hamma scho moi g’habt.
Dann gibt’s a Wassersuppn und einen Kanten Brot.
Statt Heizkostenzuschuss gibt’s von Sarrazins Winterhilfswerk zwei Pullover,
und überm Eingang,
bewacht von jungliberalen ICHlingen im Gelbhemd,
steht in eisernen Lettern: ‘Leistung muss sich wieder lohnen.’”
der Kabarettist Michael Lerchenberg als 'Bruder Barnabas' auf dem diesjährigen bayerischen Paulaner-Nockherberg, der daraufhin von der Rolle zurücktreten musste auf Druck von Charlotte Knobloch und Guido Westerwelle
Darf man solche historische Anspielungen in Deutschland machen? Meine Meinung ist: Ja, denn es gibt mittlerweile einen höheren Sinn solcher Worte und immerhin wurden sie mit Michael Lerchenberg von jemandem vorbereitet und gebraucht, der Geschichte studiert hat, also höchst bewußt. Deshalb will ich versuchen in einer "Rede an Deutschland" zu verdeutlichen, was der höhere Sinn solcher Worte in solchen Zeiten ist:
(von Knut Karnann, 6. März, 2010)
"Liebe Landsleute, meine lieben Damen und Herren,
Da die Haßpredigten gegen Sozialleistungsempfänger in diesem Lande in den letzten Wochen einen neuen Höchststand erreicht haben, sehe ich mich veranlaßt, diese Rede an die deutsche Nation zu halten, eine Rede, zu der Bundespräsident wie Kanzlerin zum letzten Neujahr wieder einmal die Gelegenheit verpasst haben.
Liebe Landsleute, meine lieben Damen und Herren,
Wir müssen den Neolibaralismus nicht umsetzen bis zur absoluten Unmenschlichkeit. Es ist uns doch auch nicht gut bekommen, als wir das vor nunmehr über 75 Jahren mit dem Rassismus versuchten. Der alte deutsche Erbfehler: Alles bis zur absoluten Verbissenheit optimieren zu wollen, erst recht, wenn es sich bei objektivem Hinsehen längst als grundfalsch erwiesen haben sollte.
Wir müssen den Umweltschutz nicht auf die Spitze treiben, bis zur absoluten Unmenschlichkeit. CO2, das ist der Stoff den Pflanzen atmen. Und die Pflanzen ... sind grün! Lasst uns in Ruhe andere, viel, viel wichtigere Dinge nachrechnen als CO2-Bilanzen. Wir haben in Sachen Umweltschutz, und das ist gut so, bereits weit, weit mehr erreicht als fast alle anderen Länder auf der Erde und können uns da jetzt in aller Ruhe eine Runde Auszeit von einigen Jahren gönnen - wirklich! Sollen die Anderen erst einmal aufholen, alleine könnten wir den Planeten ...
... oder besser gesagt die menschenfreundliche Beschaffenheit des Planeten ohnehin nicht retten.
Nehmen wir uns stattdessen die so gewonnene Kapazität, um unsere eigene Gesellschaft wieder ein Stück menschenfreundlicher zu gestalten, denn das tut im Augenblick sehr viel größere Not. Auf nahezu keinem anderen Politikfeld gab es in den letzten Jahren nur einen annähernd so großen Fortschritt wie in Sachen Umweltschutz, nehmen wir uns stattdessen nun also Zeit für all diese anderen "so sehr vernachlässigten Kinder".
Wir müssen den Freihandel nicht auf die Spitze treiben. Die europäische Union ist für das Erste groß genug, sie ist eigentlich schon zu groß in Hinsicht auf die Kompatibilität von in ihr bereits enthaltener Ungleichheit, wie das Problem der Griechenland-Euro-Krise beweist. Wir müssen uns und unseren europäischen Nachbarn nicht immer noch größere Integrationslasten aufbürden, morgen die Türkei, übermorgen die Ukraine und in einiger Zeit ... die ganze Welt? Deutsche, hört wie dieser letzte Satz klingt und erinnert Euch. Und Ihr werdet begreifen, dass wir diese Projekte gar nicht angehen müssen.
Wir müssen den Freihandel nicht auf die Spitze treiben und unsererseits auch noch auf die letzte Handelsvorschrift und den letzten Schutzzoll verzichten, denn die weltweit erfolgreichsten Wirtschaftsnationen der letzten Jahre mit zweistelligen Wachstumsraten wie China tun gerade das ja auch nicht. Vielmehr tun sie sogar das genaue Gegenteil, sie verlangen horrende Zölle auf Importe und subventionieren ihre Exporte selbst in historischer Sicht auf brutalste Weise mit Blut, Leben und Menschenrechten ihrer arbeitenden Bevölkerung. Lassen wir uns von Landsleuten, die selbst von Mitgliedern der angelsächsischen Elite wieder als "hässliche Deutsche in Nadelstreifen" mit offenbar faschistoid gefärbten Ansichten angesehen werden wie Olaf Henkel nicht einreden, ausgerechnet diese brutal-protektionistische chinesische Regierung, die uns ohnehin nichts schenkt und uns seit Jahren entgegen aller Hoffnungen unserer Wirtschaftsbosse und entgegen aller theoretischen Möglichkeiten uns mit einem bilateralen Handelsdefizit im Regen stehen läßt, würde uns "bestrafen", wenn wir nicht artig dem großen liberalen Götzen Freihandel auch noch unser letztes Hemd preis geben. Nein auch diese Bedrohung besteht in Wahrheit nicht. Entspanne Dich Deutschland!
Wir müssen auch die Aufarbeitung unserer WK-II-Verbrechen nicht auf die Spitze treiben, denn Übersteigerung würde auch hier nur gegenteilige Wirkung herauf beschwören und sie tut es bereits, denn Deutschland, Du hast wie kein anderes Land je bisher einen Genozid aufgearbeitet. Es ist Zeit, auch hier nun nachzulassen und stattdessen nun auch einmal ein bisschen Stolz auf diese geleistete Arbeit zu sein, die in Gedenken, Gedanken und in Taten über viele Jahrzehnte vollzogen wurde. Vollenden wir die Aufarbeitung an den Fugen und Kanten, wo noch jemand unberücksichtigt geblieben ist, wie z.B. in Bezug auf die Dörfer, die in Polen, auf dem Balkan oder in Italien die Opfer von SS-Massakern geworden sind, wie z.B. der polnischen Zivilbevölkerung gegenüber, die unabhängig von der Religionszugehörigkeit entsetzliche Opfer zu verzeichnen hatte und der gegenüber wir Deutsche (wie u.a. auch Erika Steinbach immer wieder beweist) bis heute leider nicht gelernt haben, die daher gebotene Demut auch wirklich zu erweisen. Aber lassen wir Kraft nach, da wo bereits mehr getan worden ist, als gerade im Vergleich mit anderen Nationen erwartet werden kann, die ihre Genozide, weil diese, oftmals begangen in fernen Teilen der Welt, sich verbergen ließen, bis heute noch nicht einmal eingestanden haben. Wir Deutsche hatten als Kriegsverlierer und Verbrecher auf eigenem Boden kaum eine andere Wahl, als den Weg der Aufarbeitung zu gehen. So steht es uns nicht zu, uns deshalb hervor zu heben, aber wir sind diesen Weg größtenteils nicht mit Widerwillen, sondern mit Würde und Einsehen gegangen. Und wenn wir darauf jetzt nicht stolz sind, was wir uns verdient haben, dann wird aufkommender Widerwille das gigantische Aufarbeitungs- und Versöhnungs-Werk zweier ganzer deutscher Nachkriegsgenerationen wieder zerstören.
Der Sinn des Gedenkens ist, Wiederholung auszuschließen, doch wir werden das nicht erreichen, indem wir unseren Blick mit zu großer Aufmerksamkeit nur zurück richten, denn dann werden wir Gefahr laufen, die Bedrohungen zu übersehen, die vor uns liegen. Der potenzielle Faschismus von morgen wird ganz anders aussehen, genauso sicher, wie der "Hitler von Morgen" anders aussehen wird, als Hitler aussah. Natürlich müssen wir gerade in Deutschland Politikern misstrauen und diese auch mit den Mitteln der Satire bloss stellen, die sich in der Öffentlichkeit schamlos und uneinsichtig wiederholt wie hetzerische Spalter und menschenfeindliche, populistische Demagogen gebärden. Der Faschismus von Morgen wird sich, aller Voraussicht nach, nicht mehr an Nationalismus und Sozialismus orientieren, sondern sich ökonomistische und ökologistische Ziele auf die Fahnen schreiben.
Der Rassismus von Morgen wird, wenn das kommt, was zur Zeit aller Vernunft nach für die wahrscheinlichste faschistische Bedrohung gelten muss, die Menschen nicht mehr nach Blut und Religion aussondern, sondern nach ökonomischer und ökologischer Nützlichkeit, nach Vermögenden und Habenichtsen, nach Gläubigern und Schuldnern.
Und gerade deshalb sollten wir unser Gedenken nicht erstarren lassen in immer sinnentleerteren Empörungsritualen bzgl. dem Gebrauch von angeblichem Nazi-Wortschatz oder in einer Tabuisierung von Vergleichen. In der aktuellen Debatte hätte sich Frau Charlotte Knobloch opfer-solidarisch hinter die Hartz IV-Empfänger und Hrn. Lerchenberg stellen sollen. Wir müssen gerade Analogien und Vergleiche suchen dürfen, auch in Bezug auf das, was sein wird, wenn nur die gleiche falsche Politik von heute nur ein paar Runden so weiter gemacht wird. Wir müssen das tun in dem Interesse, wirklich und wirksam die Wiederholung vergangener Grausamkeit dieses Mal rechtzeitig zu verhindern, solange es noch in unserer Macht steht. Wenn nicht einmal ein Zentralrat der Juden in Deutschland mehr begreift, was der höhere Sinn all dieser Gedenkrituale sein soll, stellt sich doch ernsthaft die Frage, was denn dann noch der Sinn all dieser Rituale heute ist.
Wenn Vergleiche wie von Hrn. Lerchenberg projeziert werden, dann doch nicht, um die bisherige Singularität des deutschen Verbrechens an den europäischen Juden in Frage zu stellen, was in der Tat vor allem für einen Deutschen verwerflich wäre. Dagegen ist es doch gerade die Absicht solcher Analogien im Interesse aller Menschen auch in der nahen Zukunft sicher zu stellen, dass diese Singularität genau so fortbesteht, die doch auch nicht egozentrisches Eigentum der historischen Opfer sein darf, sondern für immer eine Angelegenheit der ganzen Menschheit sein muss. In diesem Sinne ist Herr Lerchenberg ein weit vorbildlicherer Träger der historischen deutschen Verantwortung als alle jene mit Verlaub ziemlich dämlichen "Stellt ihn/sie an den Rechts-Pranger, weil er/sie hat aus Versehen das Wort 'Fremdarbeiter'/'entartet'/'Autobahn'/usw. gesagt!"-Rufer.
Entspanne Dich Deutschland, lerne gute Taten, auch die vorbildliche Aufarbeitung Deiner WK-II-Geschichte, mit einer gebührenden Feier auch wirklich abzuschließen. Lerne, Projekte, wie den Neoliberalismus und das entsprechende Reform- und Agendaprogramm los zu lassen, die offenbar nicht wegen mangelnder Anstrengung misslingen, sondern weil sie ihren Fehler bereits in der grundlegenden Idee inne haben. Lerne, Dich auch los zu beißen von hinreichend erfolgreichen Projekten, lerne den Blick abschließend zu wechseln vom Gegenstand des Eifers, über die Selbstschätzung, die Selbstwürdigung und das ausgelassene Feiern der erfolgreichen, eifrigen Tat, hin zu neuen, aktuell wirklich dringenden Themen mit guten und in sich stimmigen Ausgangsideen, die mittlerweile Not tun, angegangen zu werden.
Deutschland achte darauf, dass Du das Gute und nicht das Böse gut tust! Wenn es Dir gelingt auch diese Auswahl, was Du tust, gut zu tun, bist Du das beste Land der Welt. Geht es Dir schlecht, so wie heute, machst Du in genau diesem Punkt gerade etwas falsch und Deutschland, da die Begabung zum weltmeisterlichen "Gut-Tun" sich auch auf schlechte Ziele bezieht, kann diese Begabung, oh erinnere Dich, jederzeit auch zum Geschenk des Teufels werden.
Doch entspanne Dich Deutschland, setze Dir nur die Auswahl von Projekten hinsichtlich aktueller ethischer Prioritäten in festen, regelmäßigen, hinreichend kurzen Abständen als Ziel und Du wirst auch dieses gut tun!
Zum Abschluss dieser Besinnung auf unser Deutsch-Sein und das "Wesen unseres Deutsch-Seins" lasst uns gemeinsam auf den Text unserer Nationalhymne besinnen und dabei vor allem auf die Worte "Einigkeit" und "Recht".
Wenn Sie auf diese Hymne stolz sein wollen, dann müssen Sie auch bereit sein für die Errungenschaften unserer Bundesrepublik Deutschland zu kämpfen. Mir wird beim hören unserer Hymne nach Guido Westerwelles verbalen Ausfällen heute mehr denn je klar, wie gefährlich weit wir uns heute bereits von diesen Errungenschaften wieder entfernt haben.
Es ist, als wären wir schon ein anderes Land geworden, auf das man im Gegensatz zu unserer alten Bundesrepublik bereits nicht mehr stolz sein kann. Liebe Landsleute, kehren wir um, solange das Wieder-Heimkommen nur ein kleiner Schritt ist und nicht wieder das Blut und das Leben von Millionen kostet!
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit."
Es folgt die Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland, die bis vor Kurzem in der ganzen Welt geschätzt war, gespielt und gesungen von Einigen unserer besten, internationalen Freunde:
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