Nun also doch: Deutschland, sprich der deutsche Steuerzahler und die, denen dafür demnächst weiter die Sozialleistungen hierzulande gekürzt werden, wird für Griechenland eine Zig-Milliardenhilfe aufbringen. Und auf einmal titelt die Springer-Presse, dieses wäre auch "gut angelegtes Geld".
Wir erinnern uns, dass vor einigen Wochen noch unsere Kanzlerin als eiserne Nein-Sagerin zu dem Thema beim Wahlvolk Punkte machte. Hatten Sie’s geglaubt?
Als Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände just zu Beginn der Finanzkrise vehement zum wiederholten Male die Senkung des Mindesteinkommens für Facharbeiterzuzug aus dem Ausland forderten, da kann ich mich entsinnen, sagte unsere Kanzlerin zunächst auch zwei Mal medienwirksam „Nein!“ und zwar ganz, ganz laut „Nein!“. Als die Medienaufmerksamkeit von dem Thema gewichen war, stimmte Merkels Regierung dann plötzlich doch einer Senkung sogar auf ein äußerst kritisches Einkommensniveau, im Vergleich zu dem nun die meisten einheimischen Facharbeiter mehr verdienen, zu. Das ganze geschah zu einem Zeitpunkt als z.B. die britische Regierung die Zuzugsbedingungen für Arbeitsimmigranten im Gegenteil verschärfte, da sonst ein Personalaustausch im Zuge krisenbedingter Kündigungen zu Gunsten arbeitsentgelt-günstigerer Neueinwanderer zu befürchten sei.
Achten Sie einmal darauf: Egal bei welcher nicht ganz populären Entscheidung zu Gunsten von Lobby-Interessen, immer darf mindestens eine politische Kraft oder Persönlichkeit den anfänglichen (oder aufgrund der Machtverhältnisse ohnehin wirkungslosen) „Nein“-Eumel spielen. Auf diese Weise gelingt es, den Anschein einer pluralen politischen Landschaft aufrecht zu erhalten. Und abwechselnd können die Einen oder Anderen als „Nein“-Kasper ihr dank anderer, selbst verantworteter unpopulärer Entscheidungen zu Gunsten von Minderheiten-Lobby-Interessen lädiertes Image wieder ein bisschen aufpolieren gegenüber der Masse der Wahl-Bürgerinnen und -Bürger.
Dabei wird ausgenutzt, dass in unserer schnelllebigen Nachrichtengesellschaft jegliche Nachrichten-Themen nur eine sehr geringe Aufmerksamkeits-Halbwertszeit haben. Selbst die Geschichte von Tschernobyl wurde für die Breite der Medienkonsumenten irgendwann im Vergleich zur ersten Aufgeregtheit, die die Katastrophe verursachte, relativ uninteressant und zwar lange bevor die schlimmsten Leiden bei den Betroffenen z.B. in Folge von unheilbaren Krebserkrankungen eingetreten waren.
Bekundet man in der Aufmerksamkeitsphase, die man auch z.B. durch Veröffentlichung von Seiten der Lobby-Verbände künstlich schüren kann, zu einem Thema oft genug Ablehnung, fällt es am Ende oder nach dieser Phase kaum noch auf, dass entgegen der anfänglichen Dementis, dann doch genau das Gegenteil von den gleichen politischen Kräften beschlossen und umgesetzt wird.
Hintergrund ist, dass die etablierten Parteien und ihre Politiker nur noch mächtige Dienstleister der Lobbies unserer Wirtschafts- und Vermögensmächtigen sind, um deren Spezialinteressen gegen die Interessen der Gesamtheit der Menschen durch- und umzusetzen. Nicht die Partei ist am erfolgreichsten, die am Meisten die Interessen des Volkes realisiert, sondern die Partei, die den Betrug an der Menge am erfolgreichsten kaschieren kann, durch Verschleierung (wie z.B. durch die angesprochene Strategie der anfänglichen Dementis) oder durch Bauernfängerei (bei der Schadhaftes als Vorteilhaftes inszeniert und verkauft wird). Die auf diese Weise erfolgreichste Partei wird von uns gewählt, d.h. wir stärken damit über unser Wahlverhalten kontinuierlich jene politischen Kräfte, die sich am Besten in der Kunst verstehen, uns hereinzulegen.
Frauenverbände kämpfen darum: Das Nein einer Frau heißt auch Nein! Leider gilt dieses offenbar nicht für die wichtigste Frau in unserem Lande: die Deutsche Bundeskanzlerin.
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