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Sozialalarm: Mittelschicht in Deutschland nur noch einen Bevölkerungsanteil von 15 Prozent groß

07.05.11 | von Knut Karnann [mail] | Kategorien: Nicht kategorisiert

Link: http://www.mittelschicht.com/b2evo2/blog1.php/2010/10/24/wir-reden-hier-worueber-sonst-niemand-re

Liebe Leserinnen und Leser,

der Mittelschicht Weblog erschien die letzten Wochen relativ untätig. Das traf sicherlich auf die Blogging-Aktivität seit Februar dieses Jahres zu, jedoch nicht auf unsere Arbeit hinter den Kulissen.

Wir führten u.a. eine umfangreiche, unhabhängige auf realen Preisdaten für reale notwendige Haushaltsaufwendungen basierte Studie durch, um zu ermitteln, welche Einkommen in Deutschland notwendig sind, um damit ein dem gesellschaftlichen Lebensstatus nach mindestens normales Mittelschichtleben zu führen.

Vorab: Die ersten Ergebnisse konnten mittlerweile mit den offiziellen Haushaltseinkommensverteilungen verglichen werden. Daraus entstand ein völlig neues Bild der Zusammensetzung unserer Gesellschaft.

Die echte Mittelschicht in Deutschland macht nur noch einen Bevölkerungsanteil von 15% aus

Davon befinden sich rund zwei Drittel in einem ständigen Abstiegskampf mit dem oberen Drittel der Unterschicht die sich selbst oft ebenfalls noch als "gefühlte Mittelschicht" betrachtet. Für beide Gruppen schmälert die psychologische Belastung dieses aggressiven Verdrängungskampfes den rein materiell gegebenen Lebenskomfort jedoch gefühlt beträchtlich.

Hinzu kommt also ein Bevölkerungsanteil von ca. 10% der als "unechte Mittelschicht" bezeichnet werden kann

Diese Haushalte besitzen "Schameinkommen", die ein Leben gerade noch ohne sachlich objektive Nachteile im Vergleich zur Mittelschicht ermöglichen. Jedoch werden Statusnachteile durch Einsparungen erlitten, die diese Haushalte nach außen hin gerne verschweigen, um auch in der Einschätzung Anderer stattdessen noch als Mittelklasse zu gelten. Oft werden die Statusdefizite auch persönlich verdrängt, so dass sich viele dieser Menschen selbst ebenfalls zumindest noch als Mittelklasse fühlen.

Objektiv müssten diese Menschen aber bereits zur Unterschicht gerechnet werden.

Die Unterschicht macht dieser Studie zu Folge inklusive dieser "unechten Mittelschicht" etwa 30% der Bevölkerung aus.

Diese Haushalte besitzen größtenteils nur noch ein sogenanntes Schmerzeinkommen, das im Verhältnis zu einem normalen Mittelschichtlebensstandard für diese Menschen, selbst wenn sie den Statusaspekt außer Acht lassen, bereits ganz persönlich schmerzhafte Einschnitte und echte faktische, objektive Lebensnachteile zur Folge hat. Diese schlagen sich z.B. in einer höheren zeitlichen Belastung nieder oder als Wahrscheinlichkeit Chancen zu verpassen, z.B. durch ein verminderte Intensität von Sozialkontakten. Die Einschnitte sind aber noch nicht so schlimm, dass ein weiterer Abstieg vorprogrammiert erscheint. Zwei Drittel dieser Schicht mögen zumindest mit einigermaßen guten Chancen in der Lage sein ihren Unterschicht-Status wenigstens zu halten. Ein Drittel, die bereits oben erwähnten 10%-Bevölkerungsanteil "unechte Mittelschicht" mit einem "Schameinkommen", hat sogar noch echte Aufstiegschancen zurück in die Mittelschicht und kämpft größtenteils aggressivst darum. Durch den vereinzelt gelingenden Aufstieg wird jedoch die Mittelschicht nicht vergrößert, sondern meistens Menschen aus der Mittelschicht im Gegenzug in die Unterschicht abgedrängt. An dieser Stelle befindet sich jedoch noch die meiste Bewegung in der insgesamt immer mehr erstarrenden Schichtenpyramide. D.h. an anderen Schichtengrenzen schwindet immer mehr die Durchlässigkeit insbesondere von unten nach oben, während bei jeder weiteren Rezession Menschen an allen Schichtengrenzen von oben nach unten durchfallen zu einem relativ in etwa gleichen Anteil im Verhältnis zur zahlenmäßigen Größe der darüber liegenden Schicht.

Bereits jeder zweite in Deutschland ansässige Privathaushalt gehört zur Elendsschicht mit einer einzigen Perspektive: Immer weiter abwärts

Dieses ist das erschreckendste Ergebnis der Studie! Menschen mit einem sogenannten "Siecheinkommen" haben, egal ob sie es aus noch mehr oder weniger regulärer Niedriglohnarbeit ober über das Hartz IV beziehen, kein wirtschaftliches Widerstandspotenzial mehr gegen immer weiteren Abstieg. Sie sind nicht mehr in der Lage früher oder später einen jeden einmal treffende Schicksalsschläge wirtschaftlich abzufedern. Außerdem verursachen Siecheinkommen einen persönlichen gesundheits- und verhaltensmäßigen immer weiteren Verfall, der diesen Leuten auch äußerlich anzusehen ist. Spätestens droht ein Rückschritt in noch größere Armut im Rentenalter.

Deutschland befindet sich damit in einem fortgeschrittenen Verelendungsprozess

Bis auf die ca. 5% Oberschicht und die 5% gehobene und wenig bedrohte obere Mittelschicht können die Lebensbedingungen in Deutschland für 90% der Menschen nicht mehr als zufriedenstellend bezeichnet werden, jeder zweite Mensch in Deutschland befindet sich bereits auf der Straße eines unumkehrbaren persönlichen wirtschaftlichen Abstiegs.

Dieses trifft zu, obwohl technischer und operativ betriebswirtschaftlicher Fortschritt mehr denn je ein Mindestens-Mittelschicht-Lebensstandard-Leben für alle in der Menschheitsgeschichte erstmals realisierbar machen würde. Die Devise vom Gürtel-immer-weiter-enger-schnallen erscheint daher absurd!

Wir werden hier auf diesem Blog in den nächsten Monaten wieder verstärkt Fahrt aufnehmen und einige Alleinstellungsmerkmale und kostenlose Services für sie gerade z.B. auf der Basis dieser Studie, die wir hier auch demnächst transparent mit harten Fakten belegen werden, an Sie offerieren:

Wir werden Ihnen demnächst hier ein interaktives Online-Programm oder zunächst zumindest Tabellen zur Verfügung stellen, damit Sie genaue Lohnangaben brutto, netto, pro Stunde, pro Monat, pro Jahr berechnen können, die zu den als Ergebnis dieser unabhängigen sozioökonomischen Studie soziale Schicht definierenden Einkommensgrenzen gehören für Wohleinkommen (echte Mittelschicht), Schameinkommen (unechte Mittelschicht), Schmerzeinkommen (eindeutige Unterschicht) und Siecheinkommen (Elendsschicht).

Diese wollen wir auch unabhängig von der offiziellen, offensichtlich gefälschten Inflationsrate mit eigenen Preisbeobachtungen jährlich fortschreiben.

Auf dieser Basis können Sie entsprechend Ihrer persönlichen Haushaltssituation sich hier auf diesem Blog künftig Klarheit darüber schaffen, welches Einkommen Sie mindestens erzielen müssen, um zu einer angestrebten Lebensstandardklasse dazu zu gehören.

Dabei wird der Status Ihres Haushaltes berücksichtigt mit folgenden Kriterien:

1 od. 2 Erwachsene, einer berufstätig, oder 2 Erwachsene, beide voll berufstätig

Und als Unterkategorien zu diesen drei oberen:

0,1,2 oder 3 Kinder

Den hanebüchenen, lohndrückerischen Zahlen und Grenzen vom arbeitgebernahen DIW-Institut werden somit endlich objektive und unabhängig ermittelte Zahlen gegenübergestellt, auf die Sie sich bei ihren nächsten Lohnverhandlungen dann auch stützen können.

Gerade Berufsanfängern ist ja nicht selten überhaupt nicht klar, wie viel Geld man in diesem Land zum Leben benötigt, wenn sie ein erstes Jobangebot annehmen! Gerade Berufseinsteigern wollen wir deshalb hier diese Informationen künftig kostenlos, internetöffentlich, jederzeit abrufbar zur Verfügung stellen.

Vielen Dank für die Treue, trotz der wenigen Artikel auf diesem Blog in den letzten Monaten,

Knut K a r n a n n,
Mittelschicht Weblog


Hinweise in eigener Sache: Das Kopieren und Weiterverbreiten dieses Artikels unverändert und mit Quellenverweis ist gemäß General Network User License (GNU) absolut erwünscht.

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