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POLITIK

Das "Political Repair Team" deutscher Ingenieure
beginnt heute seine Arbeit

08.07.10 | von Knut Karnann [mail] | Kategorien: Nicht kategorisiert

Mein Aufruf vom 27.03.2010 hat erste Früchte getragen.

Mit vier Fachkollegen werden wir heute Abend die Arbeit beginnen, ein politisches Gegenkenzopt gegen das ultraliberale Programm zu erarbeiten.

Deutsche Ingenieure können alles! Unser Politik-, Demokratie-, Wirtschafts- und Finanzsystem sind auch nur Systeme von einer Ingenieuren aus der Technikwelt durchaus vertrauten Komplexität.

Volkswirtschaftler, Juristen, Finanzexperten usw. sind offenbar daran gescheitert! Sie konnten es nicht oder sie wollten es nicht, da diese anderen Berufsstände oftmals korrupt sind:

Alle diese Systeme, die zusammen die Grundlage unserer Gesellschaft und unserer entscheidenden Lebensumwelt prägen, sind heute aus dem Blickwinkel des Gemeinwohls betrachtet hochgradig defekt.

Ausgangspunkt für meine Initiative war folgender Gedanke: Wer die Ausmaße des gigantischen technologischen und auch operativ betriebswirtschaftlichen Fortschritts der letzten Jahrzehnte begreift, der versteht, dass dieser erstmals eine Welt ermöglicht, in der selbst unter Erschwernissen wie dem demografischen Wandel ALLE einen Lebensstandard leben könnten, wie ihn früher nur die reichsten kannten.

Gleichzeitig schaffen Volkswirtschaftler, Juristen, Finanzexperten usw. jedoch eine Welt, in der selbst dieser gigantische Fortschritt wieder nur einer kleinen Minderheit zu Gute kommen soll.

Folglich gibt es entgegen allem "There is no alternative"-Gerede also natürlich Alternativen. Und sie sind vermutlich sogar viel leichter realisierbar als alle heute glauben, da es eine Methode dieser anderen, korrupten Kreise ist, die Lösungen bei Weitem schwieriger aussehen zu lassen, als sie es in Wirklichkeit sind.

Das Paradies auf Erden für Alle ist heute bereits machbar, wenn es nicht durch eine kleine Minderheit absichtlich sabotiert und kaputt gemacht würde.

Alle in der Mittel- und Unterschicht dürsten doch in Wahrheit mittlerweile geradezu nach einem realistischen (!) Konzept, wie man die grundsätzliche Politik besser gestalten kann.

Hier auf diesem Blog, sollen Sie in den nächsten Monaten Zeuge werden, wie ein neues Zukunftskonzept für dieses Land, ja die gesamte abendländische Zivilisation erarbeitet werden wird, von einer Profession mit Weltruf: Den deutschen Ingenieuren!

Unsere Mission heißt Hoffnung!

Gibt es weitere Menschen aus Professionen der angewandten Technologie, Ingenieure, Computer-Experten etc, die sich unserem Arbeitskreis anschließen wollen?

Bitte melden Sie sich einfach mit einer Email an knut.karnann(at)gmx.de.

Wir freuen uns über jede Verstärkung, denn ...

Hier nehmen Sie teil an der ersten öffentlichen Online-Konferenz der neuen Vereinigung "DIFD- Deutsche Ingenieure für Deutschland" bis zum 31.07.2010, Danke!

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GESELLSCHAFT

Gold nach oben!
Unsere verdrehte Fahne und wozu sie uns eigentlich verpflichtet ...

03.07.10 | von Knut Karnann [mail] | Kategorien: Nicht kategorisiert

Fußball-WM 2010, das ganze Land ein schwarz, rot, gelbes Fahnenmeer.

Was kaum einer weiß: Es sind die Farben der Jahrhunderte lang, leider mehr früher als heute kämpfenden deutschen Freiheitsbewegung:

Wie in der japanischen Flagge sind es, jedoch nur vordergründig, die Farben des Sonnenaufgangs, die Farben des anbrechenden Tages (noch dunkles Land, roter Horizont und bereits heller Himmel), der Einkehr des Lichtes und der Helligkeit, der Freude und der Hoffnung auf das Neue, Bessere.

Die tiefere Symbolik dieser Farben für die deutsche Freiheitsbewegung ist das Gelöbnis, sich jeder Form der Unterdrückung durch die Mächtigen (schwarz) mit größter Opferbereitschaft (rot wie das notfalls dafür zu vergießende Blut) entgegen zu stellen, um Freiheit, Wohlstand und Recht für Alle (gold) zu erringen und zu gewährleisten. In der richtigen Anordnung dieser Symbolik ist Gelb oben und Schwarz unten, so beweisen es auch historische Abbildungen:

Doch wir jubeln lieber mit den somit falsch herum gehaltenen Fahnen über unsere, wenn man es einmal ehrlich über den Abend eines WM-Spieles hinaus betrachtet, für unser Leben doch ziemlich einflusslosen Fußballnationalspieler, als uns mit den richtig herum gehaltenen Farben (Gold nach oben) zu empören, dass die deutsche Regierung zeitgleich an einem Treffen teilnimmt, bei dem derart skandalös wie in dem nachfolgenden Video gezeigt mit friedlichen Staatsbürgern umgegangen wird. Und für solche Maßnahmen werden auch noch mitten in der Wirtschaftskrise hunderte Millionen an Steuergeldern aufgewandt.

Haben wir mit einer gigantischen Wiedervereinigungsanstrengung, die uns heute, zwanzig Jahre später immer noch Milliarden an Steuerngeldern kostet, das hässliche Phänomen der Berliner Mauer und des DDR-Grenzzauns überwunden, damit unsere eigenen, westlichen Regierungen rund zwanzig Jahre später lebendige Mauern aus natürlich (analog unserer Fahnenfarbensymbolik) schwarz gekleideten, hochgerüsteten Amtsträgern (um nicht zu sagen „Schlägern“) erfinden, die friedliche Menschen quasi „fressen“, sie aus der Gemeinschaft heraus separieren und brutal zu Boden zwingen wie schwächliche Zebras aus der Herde, wie man auf dem Video sieht.

"Bürgerfressende" Polizeiketten beim G20-Gipfel in Toronto, Juni 2010 - Quelle: Youtube

Anmerkung: Das ursprünglich hier eingebundene Video wurde auf Youtube entfernt. Es ist jedoch weiterhin unter diesem Link hier auf einem anderen Service (Vimeo) verfügbar.

Auf diese Weise in Toronto inhaftierte US-amerikanische Blogger-Kollegen berichten im Internet von über zwanzigstündigen Arresten in einem Guantanamo-ähnlich, extra für den G20 Gipfel provisorisch als Gefängnis hergerichteten Lagerhaus ohne Privatsphäre, mit entwürdigender Behandlung der Festgenommenen und stundenlangem Tragen Müssen von Handfesseln selbst bei nötigen Gängen auf die Toilette (all das, nur weil man der Sperrzone, einer sich noch dazu ständig unberechenbar bewegenden Polizeimauer, wie man auf dem Video sieht angeblich näher als 5 Meter gekommen ist, wenn auch auf völlig friedliche Weise, wofür in Kanada, um dieses zu ahnden eigens ein Strafgesetz verabschiedet worden ist).

„Immerhin an solchen Mauern wurde im Gegensatz zum DDR-Grenzzaun noch niemand erschossen.“ werden Sie jetzt vielleicht denken. Aber da liegen Sie falsch, auch an diesen Polizeimauern der großen internationalen Regierungsgipfel im Westen gab es für freiheitsbewegte Bürger schon gänzliches Ableben und zwar durch Kopfschuss aus der Polizeipistole: Lesen Sie bitte hier.

Manchmal funktioniert bei uns noch ein kleines bisschen die Gewaltenteilung und eine unabhängige Justiz hat die Fälle des Gipfeltreffens der großen Wirtschaftsstaaten im Juni 2001 in Genua, Italien geahndet. Dieses beweist, dass im Westen, selbst in Berlusconis Italien, heute noch nicht alles verloren ist. Das sollte uns anspornen, dem Auftrag unserer Fahne Folge zu leisten, bevor dann bald wirklich alles zu spät sein wird.

Angesichts der Videobilder oben wird es unverkennbar: Die autoritäre Unterdrückung der Mächtigen ist im Begriff zurückzukehren! Hoffentlich fordert mindestens die Fraktion der Linken in einer parlamentarischen Fragestunde die Bundeskanzlerin auf, doch einmal dazu Stellung zu nehmen, wie sie sich denn damit fühle, auf diese Weise mit nahezu brachialer anmutenden Methoden als die gemeinhin von Putins Moskauer Schlägerpolizisten bekannten vor den freien Bürgern des Westens „geschützt“ zu werden.

Wir wedeln bierdumm und gedankenlos mit den Fahnen des Freiheitskampfes, „Brot essend und Bier trinkend für die Spiele“, ohne dabei überhaupt noch die höhere Bedeutung unserer drei Farben zu kennen.

Uns ist nicht gewahr, dass die besseren Kreise aus dem Inland und die der Siegermächte, die die Weimarer Republik und die Bundesrepublik mit kreiert haben, uns mit unserer Nationalfahne scheinbar bereits ein „Ei“ gelegt haben, indem sie die Reihenfolge der Farben umdrehten und die Unterdrückung wieder oben aufsetzten und den Sonnenaufgang (noch dunkles Land, roter Horizont und bereits heller Himmel) in den Sonnenuntergang (bedrohlich dunkelnder Himmel, roter Horizont, noch im Licht der letzten horizontalen Strahlen des verblassenden Wohlstandes golden scheinend, erhelltes Land) verkehrten.

Vielleicht sollte es wie der Knoten im Taschentuch sein: In historischer Stunde, schienen Freiheit und Demokratie für Deutschland der einzige Ausweg, aber die Mächtigen wollten sich mit dieser Verdrehung der Flagge der großen, deutschen Freiheitsbewegung des 18. und 19. Jahrhunderts daran erinnern, dass sie die Übermacht eines Tages wieder erringen wollen. Und seit mindestens 15 Jahren scheint das auch in Deutschland wieder allzu offensichtlich umgesetzt zu werden. Vielleicht steht die autoritäre Unterdrückung sogar bereits wieder kurz vor ihrem Triumph. Die Gewaltsymptome auf der Straße sind da nur ein kleines Symptom, die wahre Gewalt findet woanders statt, da wo Medienmeinung und Abgeordnetenstimme gekauft werden, Minister, Beamte und Richter bestochen, die Tarifautonomie ausgehebelt usw.

Wie wäre es, wenn nach der Fussball-WM wir die Fahnen nicht mehr einpacken würden, sondern umdrehen! Umdrehen in die alte Reihenfolge! Gold nach oben, um uns geschlossen, gegenseitig für einen neuen Kampf um Freiheit, Wohlstand und Recht für Alle zu aktivieren, statt Anarcholiberalismus für Wenige und die Hölle auf Erden als Zukunftsperspektive für den ganzen Rest.

Die „Hölle auf Erden“ jetzt übertreibt er wieder, der Karnann, werden Sie sagen. Nein! Ich finde, eine Welt in der akademische Arbeitnehmer sich in letzter Verzweiflung aus den Hochhausfenstern ihrer Bürohäuser stürzen und sich im künstlich angelegten Firmenteich ertränken oder sich als Familienväter kleiner Kinder zu Hause das Leben nehmen (Frankreich, lesen Sie hier) zum Beispiel nach Mobbing und Kündigung (Wolfsburg, Deutschland, lesen Sie dort) ist definitiv der Beginn. Die neoliberalen Politikdogmen, denen Medien und Parteien bei uns unterliegen, implementieren, realisieren in der Tat gerade eine solche „ultraliberale Hölle auf Erden“. Ihr wollt das einfach geschehen lassen und Euch mit Spielen ablenken? Stellt Euch vor, wenn das so weitergeht und so wie gerade eben in Griechenland von der EU erzwungen und bei uns von der FDP und anarcholiberalen Hardlinern von CDU, SPD und Arbeitgebervertretern seit Langem gewünscht, auch noch der Kündigungsschutz völlig weg fällt. Plötzlich müssten Sie Ihrer Bank für Ihr Eigenheimdarlehen drei Prozent höhere Zinsen zahlen. Noch nicht einmal aufgrund Ihrer tatsächlichen Entlassung, sondern nur weil der Wegfall der Kündigungsschutzgesetze in den Augen der Banken natürlich sofort die Bonität aller abhängig beschäftigten Arbeitnehmer in diesem Lande in den Abgrund reißen würde …

Fragen Sie sich einfach nur: Wollen Sie eine solche Zukunft wirklich? Wollen Sie wirklich, dass mit der weiteren Beschleunigung der Umsetzung der ultraliberalen Agenda unser Leben (und das Leben unserer Kinder) in eine, schon alleine aus psychologischen Gesichtspunkten, „Hölle auf Erden“ verwandelt wird?

Schauen Sie sich doch die Bilder der neuen Zeltvorstädte der ehemaligen US-Mittelschicht an.

Neue Mittelschichtvorstädte in den USA am Beispiel von Sacramento, Kalifornien, dem einstmals reichtsen Bundesstaat der USA - Quelle: Youtube

Ja das ist Amerika, aber wir haben gelernt, dass alles, was dort beginnt, in ein paar Jahren auch hier ankommt. Und wenn die Bundesregierung gerade, lesen Sie hier, das Wohngeld um 40% kürzen will, wo sollte das dann auch anders hinführen, als eben genau dahin: Zu Eltern, die sich nicht trauen ihren Internatskindern zu erzählen, dass sich das Häuschen der Familie mittlerweile in ein Obdachlosenzelt mit Donnerbalken im Straßengraben als einziger sanitärer Einrichtung verwandelt hat.

Wollen Sie das wirklich? Noch nicht einmal mute ich Ihnen hier die Frage zu, ob Sie dagegen aufbegehren mögen notfalls unter persönlichen Opfern, wie es unsere Nationalfahne, die Sie zu dieser WM freudig schwingen, eigentlich gebietet.

Werden Sie sich zunächst einmal einfach darüber klar: Wollen Sie, dass die ultraliberale „Hölle auf Erden“ für Ihr restliches Leben und für das Leben Ihrer Kinder und Kindeskinder vollendet wird? Wollen Sie es wirklich? Wollen Sie den totalen Ultraliberalismus? Wollt Ihr ihn wirklich?

Nein? Dann gehen Sie mindestens hinaus zu Ihrem Auto und ziehen Sie die Fahne richtig herum auf, mit dem Gold nach oben, für immer!


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Die Leistungsgesellschaft als Trugbild
Die Decodierung des Hamsterrades - Teil 2

19.06.10 | von Knut Karnann [mail] | Kategorien: Nicht kategorisiert

Heribert R. (Name vom Artikelautor geändert) traut beim Lesen seiner Telefonrechnung vom Januar 2010 seinen Augen nicht: Rund 100 Euro höher, als sonst üblich. Im Einzelverbindungsnachweis schaut er die verantwortliche Servicenummer nach, ruft sie an und es meldet sich eine Live-Chat-Hotline mit 50 Ct. pro angefangener Minute. Niemals würde er einen so unsinnigen und teueren Service in Anspruch nehmen.

Fast zwei Stunden soll er mit dieser Nummer in Verbindung gestanden haben. Zufällig kann er sich an die fragliche Zeit noch genau erinnern: Er stand bei Kälte Anfang des Jahres früh morgens mit seinen Koffern auf einem Ruhrgebietsbahnhof mit zwei Koffern, Fahrschein und Reservierung. Der reservierte ICE fiel einfach aus ohne Entschuldigung der Deutschen Bahn, der nächste kam zwei Stunden später, hatte nur halbe Länge und musste noch sämtliche Nahverkehrsreisende Richtung Düsseldorf-Köln mit aufnehmen, da die DB laut Aushängen auf dem Bahnhof wegen Versäumnis der rechtzeitigen Zulassung für 2010 ihre Regionalverkehrsloks bis auf geraume Zeit in NRW nicht einsetzen konnte. Im Zug ging es zu wie in Indien, in der Außentasche einer Reisetasche hatte Heribert R. sein neues Billig-Handy. Nachdem ihm eine Woche zuvor sein Mobiltelefon abhanden gekommen war, hatte Heribert R. in der Hoffnung beim Fundamt könnte das teure, verloren gegangene Handy noch einmal auftauchen, übergangsweise zunächst ein Nokia-Billigsthandy aus dem Elektronikmarkt erworben für knapp 30 Euro. Ein Handy, wie es sich die armen Leute und Jugendliche kaufen, die kein Geld haben.

Die Tastatursperre ist hier nicht vorkonfiguriert dafür aber das Telefonbuch gespickt mit einer ganzen Litanei teuerer Servicenummern, die kein Mensch wirklich braucht: Ein Zeitansagedienst für ein Euro pro Minute, obwohl das Handy die Uhrzeit im Display die ganze Zeit über deutlich anzeigt, besagter Live-Chat oder eine bundesweite Taxivermittlung, die bei einer Kurzfahrt sehr schnell teurer ist, als die in Anspruch genommene Taxifahrt selbst usw.

Ein kleiner Druck im Koffer auf die Cursor-Tasten und die danebenliegende Hörertaste der billigen Ganzteil-Gummi-Tastatur und schon ist eine Verbindung zu diesen unsinnigen Diensten unbeabsichtigt gestartet. Jeder normale Angerufene würde bei seltsamen Koffergeräuschen am anderen Ende sofort wieder auflegen, so z.B. der Pannenservice des ADAC: Laut einem Artikel der Stiftung Warentest (test, 10/2008) erhielt dieser alleine im Jahr 2007 5,5 Millionen Geisteranrufe von „Bürger-Gesäßen“. „Butt Calls“ heißen diese Verbindungen denn auch in den USA und sind dort eine öffentliche Diskussion: Ein Milliarden Ärgernis. Ja, in den USA weiß man: Die Telekommunikationsindustrie verdient mit Telefonverbindungen, die von Hinterteilen ausgelöst und auch wirklich „für den A…“, weil gar nicht geführt, sind, derzeit Milliardenbeträge alleine in Nordamerika. Vermutlich ist dieses in Deutschland ähnlich, man braucht ja nur 5,5 Millionen solche Fehlanrufe jährlich pro Service-Provider (wie gesagt der ADAC legt wohl zeitnah auf, andere Services lassen die Verbindung hingegen gerne ihrerseits mehrere Stunden aufrecht bestehen) mit den 100 Euro Kosten im Falle des Heribert R. multiplizieren und so kommt man bereits auf knapp 0,6 Milliarden Euro. Heribert R. fürchtete schon, das Ganze könnte sich im nächsten Monat wieder ereignet haben und tatsächlich: Auch in der nächsten Abrechnung war er wieder mit 60 Euro für eine dubiose Service-Nummer, von Geisterhand gewählt, mit dabei. Heribert R. ärgerte sich, um Geld zu sparen, hat er zunächst auf die Beschaffung eines nobleren Mobiltelefons, das vielleicht 120 Euro gekostet hätte, verzichtet. Nun saß er nach Erwerb eines Billigtelefons zu 30 Euro auf 160 Euro Butt-Call-Verbindungskosten, von denen es laut seinem Telefon-Provider für ihn kein zurück gab. Die Verbindungen seien so aufgezeichnet und offensichtlich zu Stande gekommen, ob mit Kopf und Fingern oder mit dem Gesäß oder durch Druck auf die Tasche in einem zu engen Zug ausgelöst, das sei dabei gar nicht relevant.

Nach soviel schlechter Erfahrung mit einem Billig-Handy kaufte sich Heribert R, nachdem das verlorengegangene Handy nicht mehr auftauchen wollte nun doch lieber ein Smartphone der Luxusklasse einer Firma mit drei Buchstaben. Eigentlich wollte er das Nokia Express Music, doch der Telfonladenhändler schwatzte ihm dieses teurere, andere Smartphone mit Multitouchdisplay auf, mit dem Köder, „da wäre ein Tomtom-Navigationssystem darauf“. Das Tomtom ließ sich dann aber nicht finden, stattdessen war wie beim ursprünglich intendierten Nokia Express Music nur ein stets kostenpflichtiger Internetzugriff auf Google-Maps geboten und natürlich wollte Heribert R. nun als eine seiner ersten Amtshandlungen die Tastatursperre aktivieren. Doch nach mehrstündigem Lesen des elektronischen Manuals auf der CD fand er dazu nichts. Diese Funktion schien gar nicht vorgesehen zu sein. Wie auf seinem Billighandy nach dem Malheur mit den Gesäßverbindungen setzte sich Heribert zwei Stunden lang hin und löschte mühsam händisch die an die vierzig völlig unnützen, vorkonfigurierten Servicenummerneinträge einzeln und ersehnte, so flinke Finger zu haben, wie die ganz jungen Leute, denen er manchmal in Bahn oder Bus beim Simsen zugeschaut hatte. Aber so jung sind Heribert R.s Finger leider nicht mehr.

Er ging sogar in einer anderen Stadt, wo er wieder einmal auf Reisen war in einen Telefonladen des gleichen Anbieters und ließ sich vom jungen Fachpersonal bestätigen, dass eine einfache Tastatursperre zu seinem Gerät vom Anbieter, einer der namhaftesten Anbieter der modernen Mobiltelefontechnologie, auch gar nicht vorgesehen war. Die einzige Lösung sei ein Passwortschutz mit dem umständlichen Nachteil vor jeder Benutzung des Gerätes ein ganzes Passwort eingeben zu müssen. Hat man da vorher das Handy erst gesucht, gibt dann ein ganzes Passwort ein, dann kann ein abzunehmender Anrufer schon einmal wieder aufgegeben haben: Toll! Na ja, vertröstete der junge Fachkundige, er habe gehört, es gibt im Internet bereits von Open-Source-Programmierern zu dem Handy erstellte Gadget-Programme, worunter gerüchteweise auch eines für eine Tastatursperre sein sollte. Die könnte man sich eventuell im Internet suchen, auf das Handy „downloaden“ … Das war nichts für Heribert R.s fortgeschrittenes Lebensalter. Bei Gelegenheit werde er einen jungen Bekannten fragen, ob er ihm helfen kann. Seitdem zahlt Heribert R. lieber im Monat vier bis sechs Euro für gelegentliche Geisteranrufe seines neuen Luxushandys auf seine anderen Telefonnummern oder die Telefonnummern seiner Kontakte. Blöd nur dass seine Frau auf diese Weise bereits einmal einen Eisenbahnflirt von Heribert mit einer Dior-Kosmetik-Vertreterin im gleichen Abteil live miterlebt hatte … Seitdem lässt er sein über 500 Euro teures Smartphone lieber unbenutzt und verwendet wieder das als Übergangslösung gekaufte Billigsthandy mit gelöschten Servicenummerneinträgen und auf 3 Sekunden kürzest eingestellter Tastatursperre.

„Butt-Calls“ sind in den USA ein öffentliches Thema und alleine das hilft neuerdings, viele potentielle Opfer vor Schaden zu bewahren. Deutsche Opfer sind da anders: Sie schämen sich, sie schweigen mit der Folge, dass die Urheber solcher Nepper-Schlepper-Bauernfänger-Machenschaften z.B. der Telekommunikationsindustrie sich weiterhin auf höchst unseriöse und trickreich hinterhältige Art, Jahr um Jahr mutmaßliche Milliarden verdienen.

Das gleiche Phänomen in viel höherer Geldverlustklasse gibt es in Sachen geschlossener Investmentfonds: Jahr für Jahr auf das Neue lässt sich die deutsche Mittelschicht hier von skrupellos dreisten Finanzbetrügern etliche Milliarden aus der Tasche ziehen. In jedem Fall gibt es eine vierstellige Zahl an Opfern, doch diese schweigen, verbinden sich nicht einmal untereinander politisch.

Und Sie? Geben Sie es zu: Sie denken nun: Selbst Schuld, der Heribert! Warum löscht er auch nicht gleich das vom Telefonhersteller bzw. vom Telefonprovider vorbelegte Telefonbuch? Warum aktiviert er beim neuen Handy nicht gleich die Tastatursperre? Warum glaubt er blindlings, was ein Telefonladenverkäufer ihm erzählt? Warum kauft er sich ein modernes Smartphone, wenn er nicht fähig ist, sich Programmerweiterungen im Internet zu suchen und herunterzuladen …

Dieses inklusive wird die Lektion erst perfekt, die ich Ihnen anhand dieser Geschichte lehren will. Sie zeigt erstens, wie heute die besten Geschäfte gemacht werden: Durch Tricks: Telefonhersteller und Telefonprovider laden Mobiltelefonkunden initialisierend die elektronischen Telefonbücher ihrer Geräte voller nutzloser, teurer Service-Nummern, getarnt mit ein Paar im Ausnahmefall doch ganz nützlichen wie der ADAC-Pannenhotline an Platz Eins. Die Telefonhersteller gestalten die Tastatursperren so, dass sie schwierig oder gar nicht einzustellen sind, gerade bei den besonders fehlsignalsensitiven Touchscreen-Geräten. Die Betreiber der Servicenummern verzichten auf eine Verbindungsabbruchfunktion bei fehlender Spracheingabe des Anrufers und fertig ist ein Milliardengeschäft.

Haben all diese Dienstleister für diese Milliardeneinnahmen wirklich etwas für die Gesellschaft oder die geschröpften Telekommunikationskunden geleistet? Nein! Viel eher wahrscheinlich ist, dass sie gemeinsam getrickst haben! Dass das schwerlich nachweisbar sein wird, ist vielleicht nur um so mehr recht! Und so entwickelt es sich ganz allgemein immer mehr, dass nämlich die besten Geschäfte nicht mehr durch Leistung gemacht werden, sondern durch Tricks!

Das gilt längst auch im Berufsleben: „Wie verdiene ich in Kürze mehr“-Fibeln raten es überall: Besser fährt man auch im Job mit der „Radfahrer“-Methode. Sich opportunistisch-servil zu verhalten gegenüber den Vorgesetzten und um sich den insoweit höchst notwendigen mentalen Ausgleich für das Selbstbewusstsein zu verschaffen, treten und mobben gegen alle Untergebenen und alle Kollegen die niedrigeren Status haben, vielleicht weil sie sach- und ergebnisorientiert sich auch einmal getrauen, eine abweichende, richtigere Meinung zu der Einschätzung ihres Vorgesetzten zu vertreten.

Sehen Sie sich doch einmal an, wer in der Firma mehr und mehr aufsteigt. Es sind nicht mehr die Leute, die gute Ergebnisse vorweisen können, sondern die Leute, die den Vorgesetzten gegenüber sich möglichst gefällig verhalten, die mit verheißungsvollen Präsentation vor Validierbarkeit des tatsächlich Erreichten blenden und in die nächst höhere Position aufgestiegen sind, bevor ihr voriges Tun wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt nach dem Motto: „Nach mir die Sintflut“. (Verwiesen wird hier auf einen der bislang am meisten und längsten nachgefragten offensichtlich besten Artikel des Mittelschicht Weblogs bislang.)

Da hören Sie, da ist Frau X ohne besonders erkennbare große Leistung aufgestiegen und dann erfahren Sie der Chefchef von Frau X, der ihren Aufstieg ermöglichte, ist verheiratet mit Frau Y, deren Chefchef in einer anderen Firma zufällig der Ehemann von Frau X ist. Und raten sie einmal wie es gleichzeitig Frau Y in der anderen Firma ging: Ja, auch sie wurde zur Führungskraft befördert! Das nennt man neudeutsch Networking und wird als wichtige soziale Fähigkeit angesehen!

Sie fallen fast die Bürotreppe herunter, vor Schreck, weil das lebensgroß, lebensecht fotografierte Bild einer gestrauchelten Kollegin auf den Fliesen des nächsten Untergeschosses klebt. Es ist Dezember. Asiatische Kunden ihrer Firma zeigen sich irritiert, sie kaufen sicherheitsrelevante Technologie bei einer Firma, die überall gestrauchelte Menschen in realistischer Hochglanzfotografie auf den Böden ihrer Lobbys und Korridore kleben hat. Das herein getragene Streusalz macht die Fotos binnen Tagen so hässlich, dass die Firmenleitung beschließt dem Treiben ein Ende zu machen: Wegputzen! Doch das Putzpersonal ist am verzweifeln, je nach Untergrund lassen sich die Klebereste kaum noch entfernen. Der Putzaufwand ergibt eine ungeplante zusätzliche sechsstellige Summe. Und dann hören Sie, dass der Chef der Unfallschutz-Abteilung mit einer Fotografin verehelicht ist, die zufällig den Großauftrag für diese kongeniale Aktion erhielt und es war ein Erfolg: Die Unfallzahl durch Rutschunfälle ging angeblich durch diese „bewußtseinsbildende“ Aktion von November bis August um 95% zurück, dazu wurde bei der gleichen Fotoagentur ein Hochglanz-Abschluss-Prospekt diesen Projekterfolg mit einem Drei-Farben-Diagramm illustrierend für alle Mitarbeiter gedruckt. Nicht darin stand, dass diese Art Unfälle rein witterungsbedingt jedes Jahr von November bis August um 95% zurückgehen. Für den Unfallschutzdirektor und eine Ehefrau dagegen, war es tatsächlich ein Riesengeschäft. Ein S-Klasse-Mercedes und ein Sport Utility Vehicle für die Ehefrau stehen nun in der neuen Doppelgarage.

Ganauso gut werden tatsächliche, wirkliche Leistungen bei der nächsten Umstrukturierung heute vergessen. Geht es um Personalabbau, gehen die Machtspielchen los. Sie mögen ein guter Technikexperte im IT-Bereich sein. Die Kaufleute sind in ihrer Firma viel einflussreicher, da flächendeckend Personal abgebaut wird, baut man eben in der IT „ein bisschen“ mehr Stellen ab, um dort vorübergehend die Kaufleute zu parken, die in der kaufmännischen Abteilung der allgemeinen Streichliste weichen müssen. Die IT wird dann eben einmal ein halbes Jahr mehr schlecht als recht von Fachfremden betreut. Je besser die IT-Abteilung ihren Job vorher gemacht hat, um so mehr besteht für die Kaufleute diese Möglichkeit! Die betroffenen Arbeitnehmer könnten kotzen! Lachen Sie nicht, von derart paradoxen Vorkommnissen ist im Arbeitsleben immer häufiger zu hören.




Vergessen Sie einfach ganz schnell, dass dieses noch eine Leistungsgesellschaft ist! Die Leistungsgesellschaft gibt es nur noch in Ihrem und vieler Anderer Mittelschicht-Angehöriger Köpfen! Es ist genau das Paradigma, dass Sie denken lässt: Selbst Schuld dieser Heribert! Es trifft schon die Richtigen! Mir kann so etwas ja sicherlich niemals passieren! Usw. Mit dem Trugbild-Paradigma der Leistungsgesellschaft macht man die Mittelschicht zu Wespen im Wasserglas: Während man den Mittelschichtangehörigen mehr und mehr das „Geld zum Atmen“ entzieht, z.B. in Deutschland 20% Einkommenseinbußen im Vergleich zum europäischen Ausland in den letzten 15 Jahren, kann man sie auch noch belustigt beobachten, wie sie sich gegenseitig in den existenziellen Untergang mobben, wie sie sich schämen einzugestehen, hier oder da auch selbst Opfer von Trickspielern geworden zu sein, weil sie damit Schwäche zeigen würden gegenüber den anderen potenziellen Mobbern, Ihresgleichen, die nur auf solche Signale der Schwäche warten, um die oder den gnadenlos zu killen, für die oder den bald nicht mehr genug „Geld zum Atmen“ da sein wird. Gefühle der Solidarität und damit die Formierung jeglicher gemeinsamen politischen oder demokratischen Macht sind in Mittelschichtkreisen auf diese Weise undenkbar geworden. Das Trugbild einer in Wahrheit überhaupt nicht mehr, in keinster Weise geltenden Leistungsgesellschaft ist der Deckel auf dem Glas, in dem der Mittelschicht insgesamt immer mehr das „Geld zum Atmen“ entzogen wird.

Auf diese Weise gerät die Behauptung einer angeblichen Leistungsgesellschaft selbst zum größten Trick der wirklich Vermögens- und Wirtschaftsmächtigen der in Wahrheit vielmehr heute de facto stattdessen gegebenen Trickspielgesellschaft: Wen immer man an eine fiktive Leistungsgesellschaft glauben machen kann, den hat man gleichsam im Wespenglas gefangen genommen, dem kann man schrittweise das „Geld zum Atmen“ entziehen und den kann man dazu benutzen, dass er Andere dazu bringt, das wirtschaftliche Atmen einzustellen: für immer!

Dieses Spiel läuft auch in der ganz großen politischen Dimension: Mit dem Trugbild der Leistungsgesellschaft hetzt man die noch Schwimmenden gegen die Untergegangenen auf, diskreditiert man die Untergegangenen, lässt man die Schwimmenden glauben, sie seien nicht genauso vom Untergang bedroht, was vielmehr aber jedoch natürlich der Fall ist. Auch in dieses ganz große Trickspiel sind unsere Politiker der etablierten Parteien längst hochgradig mit involviert: Skandal türmt sich über Skandal.

Man macht aus der Verkleinerung der Bundeswehr ein Beratungsprojekt mit sicherem Einsparerfolg, schickt die bundeswehreigenen Verwaltungsfachwirte, die das hervorragend und günstig im Sinne der Steuerzahler abwickeln könnten mit Abfindungen in den Zwangsvorruhestand, um das sichere Beratungsprojekt an eigene korrupte Bekannte „outsourcen“ zu können und auf diese Weise die Einsparungen der ersten Jahre, schließlich geht es um einige Milliarden insgesamt, als Beraterhonorare in die Taschen „verbandelter Kreise“, vielleicht über Umwege auch die eigenen, umzulenken.

Man redet das Umlagemodell der staatlichen Rente schlecht, treibt die Menschen mit dem Appell zur eigenverantwortlichen Altersvorsorge in betrügerische Anlageprodukte und verkürzt die Verjährungsfrist für Schadensersatzansprüche gleichzeitig von 30 auf 3 Jahre, präzise auf die Zeit bis zu der die schlechtesten der alternativen, betrügerischen, privaten Anlageprodukte im Allgemeinen ein Funktionieren gerade noch vortäuschen können, das Anlagekapital als angebliche Rendite selbstverzehrend ausschüttend.

Man redet den Menschen eine Leistungsgesellschaft ein, in der die in der Tat großen gesellschaftlichen Beiträge der Mittelschicht belohnt würden. Die hohle Plastikmöhre einer de facto gar nicht mehr gegebenen „Leistungsgesellschaft“ hängt vor ihr und Tag für Tag schleppt sie den schweren Eselskarren immer höherer beruflicher Beanspruchung dafür, ich habe das anhand der Ackermannschen Rendite-Forderung von 25% für reiche Privatkunden und Bankaktienbesitzer und der aktuellen Vermögensverteilung unter der Berücksichtigung einiger für uns noch günstiger Rahmenaspekte ausgerechnet, dass sie und ihre Kinder in spätestens ca. acht Jahren voraussichtlich alle vor ihrem zwangsversteigerten Reihenhaus, Auto, dem finanziellen und wirtschaftlichen Nichts stehen werden. Exakt dem Nichts, das eine hohle Plastikmöhre enthält, so kräftig gelb man sie Ihnen auch gefärbt haben mag. Und wie die verzweifelten Bildungsanstrengungen der deutschen Mittelschicht für ihre Kinder beweisen, glauben die Leute weiterhin daran: An die hohle Plastikmöhre der Leistungsgesellschaft, die beispielsweise die Popanze von der FDP rhetorisch lauthals immer wieder vor unserer Nase baumeln lassen ...

Dagegen gilt de facto längst überall das Trickspiel als Maxime. Das Trickspiel als Maxime ist das Konzept des Krieges! Im Frieden verabreden sich die Menschen, von arglistigem und heimtückischem Trickspiel abzusehen. Wir leben also offensichtlich in Kriegszeiten, müssen ständig auf der Hut sein vor hinterlistigen Angriffen professioneller Stäbe von Marketing- und Werbefachleuten und halbautomatischer und berateroptimierter Customer-Relationship-Prozesse, vor ganzen Abteilungen hochbezahlter Konzern-Juristen die seitenweise kleingedruckte AGBs mit teuflischen juristischen Fallstricken ausarbeiten, die Sie nur so wie sie sind akzeptieren dürfen oder eben nicht kaufen. Bei jedem Geschäft größer 3.000 Euro sollte man heute den Rat eines Rechtsanwaltes hinzuziehen, doch im Zweifelsfall arbeitet und berät dann auch der gegen Sie. Doch wo, gegen wen wird dieser Krieg geführt?

"Der Klassenkampf ist ein historischer Fakt, er wird von meiner Klasse, der Klasse der Reichen geführt und wir sind dabei ihn zu gewinnen" (Der amerikanische Multimilliardär und Börsenspekulant Warren Buffet, New York Times vom 26.11.2006).

>> Zum Teil 1 dieser Artikelserie "Worum es im Leben in Wahrheit vor allem geht"


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POLITIK

Nachlese zum Thema Herr Gauck - Frau Merkel und nun auch noch Frau Kraft
Verstehen, was abläuft!

19.06.10 | von Knut Karnann [mail] | Kategorien: Nicht kategorisiert

Der letzte Artikel hat eine selten lebhafte Diskussion auf unserer Kommentarseite hervorgerufen.

Mittlerweile fühle ich mich durch andere sehr, sehr gute Artikel der Blogosphäre in meiner Meinung bestätigt. Jedoch bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ich persönlich tatsächlich Gauck vor Wulff unterstützen würde:

Der Artikel "Joachim Gauck: Ein traumatisierter Präsidentschaftskandidat" von Wolfgang Lieb auf dem Nachdenkseiten.de-Blog zeichnet ein bedenkliches Bild von der Gesinnung des Kandidaten der SPD und der Grünen für das Bundespräsidentenamt und von dem taktischen Spielchen, das seiner Kür zu Grunde liegt. Wenn Sie sich ein abschließendes Bild über die Kandidaten machen möchten, sollten sie diesen hervorragenden Artikel unbedingt lesen.

Auf dem Spiegelfechter-Blog findet sich ein Artikel von Jens Berger "Gauck-Hype? Welcher Gauck-Hype?", der die Kampagne der Gauck-Kandidatenkür entlarvt und dahinter, hört, hört eine Werbeagentur Scholz & Friends mitmischen sieht, die auch zehn Jahre lang für die Arbeitgeber-Lobby „Inititative Neue Soziale Marktwirtschaft“ tätig war.

Schließlich sieht ein aktueller Artikel von Thomas Strobl auf dem Wirtschafts-Blog Weissgarnix.de die Bundeskanzlerin nun von überraschender Seite in letzter Minute gerettet, was meine Ansicht bestätigt, dass sie zuletzt wirklich in arge Bedrängnis gebracht worden war. Dieser Artikel untermauert auch, Frau Merkel bremst immerhin die neoliberale Politik, die Fortsetzung der neoliberalen Reformen, die immer weiter den Abgrund hinunter führen, irgendwann in der Bewegung eines freien Falles. Sie trachtet nach politischen Konstellationen, die für dieses Festhalten an der Steilwand noch eine Haltemöglichkeit bieten, z.B. die "wieder ganz, ganz große Koalition". Aber selbst die entsprechenden Querschüsse der CSU-Schwester sind ihr vermutlich willkommene Sicherungshaken im glatten Fels des unmenschlich kalten, ultraliberalen Politikgranits.

Freilich wird uns Merkels Bremsen auf längere Sicht nicht retten, uns nur ein paar noch relativ schöne Monate mehr gewinnen lassen vor dem Absturz in anarcholiberales Chaos und Finsternis. Was wir dringend brauchen, ist eine politische Leitfigur, die sich offensiv dem ultraliberalen Kurs entgegenstellt oder mindestens eine breite Menge in der Bevölkerung, die sich, dieses laut fordernd, endlich deutlicher bemerkbar macht.


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POLITIK

Die "Medienvergauckung" der Angela Merkel
Verstehen, was abläuft!

13.06.10 | von Knut Karnann [mail] | Kategorien: Nicht kategorisiert

Unglaublich, was da vor allem in unseren Print-Medien derzeit für ein Aufsehen getrieben wird, um die Neubesetzung eines in unserem Verfassungssystem eher unbedeutenden Bundespräsidentenamtes. Da sollte es lohnen, sich einmal Gedanken darüber zu machen, welche Machtinteressen da wohl wieder dahinter stehen. Dass ein zu einem politischen Thema derart aufwändig und synchron inszenierter Medienrummel keinen höheren Zweck hat, erscheint in einer von unseren Wirtschafts- und Vermögensmächtigen bestimmten Presselandschaft eher unwahrscheinlich. Und seit das Amt des Bundespräsidenten ausgerechnet mit der Banker-Personalie Horst Köhler versehen wurde, sollte eigentlich klar sein, dass der mutmaßliche Kreis derer, die hinter unseren Politikern eigentlich die Fäden ziehen, wohl auch das Bundespräsidentenamt als einen Spielball der politischen Macht in diesem Lande mit betrachtet.

Die Regierungskoalition samt Kanzlerin hatte sich noch gar nicht auf einen Kandidaten festgelegt, da wurde von der Presse schon Ursula von der Leyen auf allen Titelseiten mit großer Euphorie als "neue Bundesmutti" verkündet. Kaum hatte sich die Kanzlerin dann entschieden, da schlug die Opposition in einem genialen strategischen Doppelschlag gegen Regierungskoalition und Die Linke den evangelischen Pastor, DDR-Freiheitsaktivisten und späteren, obersten Stasiaktenverwalter Joachim Gauck vor und die Medien ergriffen einseitig Partei pro Gauck. Auch ich würde in der Bundesversammlung für Gauck votieren, aber darum geht es hier nicht.

Auffällig an der gegenwärtigen Pro-Gauck-Debatte ist, dass damit derzeit offensichtlich von fast allen großen deutschen Medienorganen ein "Merkel-Bashing" transportiert wird. Mit dem Aufhänger, selbst nicht in der Lage gewesen zu sein, den besten Kandidaten zu erkennen oder nur aus purem Machtkalkül einer schlechteren Option den Vorzug gegeben zu haben, wurde vielfach eine Grundsatzkritik an System und Person Merkel formuliert.

Spätestens seit Antritt der schwarzgelben Regierung meine ich, eine tendenziell unfaire Behandlung der Person der bürgerlichen Kanzlerin ausgerechnet seitens der bürgerlichen Medien feststellen zu können. Mit der Debatte um die Neubesetzung des Bundespräsidentenamtes verschärft sich das. Und ausgerechnet zwei der mächtigsten, eng mit unseren Wirtschafts- und Vermögensmächtigen verknüpfte Politikgrößen wie Horst Köhler (ehemaliger Direktor des internationalen Währungsfonds IWF) und Roland Koch (Teilnehmer an dem Bilderberg-Seminar 2009) geben nun die Anläße für koalitionsinterne und Presse-Kanonaden gegen unsere Bundeskanzlerin und zwar beide über Rücktritt bzw. Rücktrittsandrohung. Ein Schelm wer böses dabei denkt.

Einiges ist daran seltsam: Weder war der Rücktritt Köhlers in der Sache gerechtfertigt -- würden die Anderen die Latte so niedrig legen, hätten wir wohl bald keine Politiker mehr, noch ergibt es Sinn, dass ein in der Vergangenheit bei allerübelsten Skandalen und Abwahl rücktrittsresistenter Roland Koch nun auf einmal ohne Anlaß, in noch besten Lebensjahren seinen Rücktritt erklärt.

Welches Motiv sollten unsere Wirtschafts- und Vermögensmächtigen haben, ausgerechnet die bürgerliche Kanzlerin ihrer schwarz-gelben Wunschkoalition medial zu demontieren?

Der Plan liegt auf der Hand: Es soll wahrscheinlich nichts Weniger versucht werden, als die Kohl-Schröder-Story zu wiederholen. Die Geschwindigkeit des Sozial- und Bürgerrechteabbaus unter Rot-Grün war für unsere Wirtschafts- und Vermögensmächtigen einfach zu schön gewesen, als dass sie nicht längst nach einem zweiten Schub lächzen. Viele Linke und Linksliberale wollen das immer nicht begreifen, aber mein Credo ist seit Langem: Die Konservativen sind der bei uns noch stärkste Fels in der Brandung des Ultraliberalismus, alle anderen etablierten Parteien, SPD, FDP, Die Grünen längst hochgradig ultraliberal bestimmt, denn konservativ heisst: behäbig!

Meine These ist: Helmut Kohl musste damals vor allem aus Sicht unserer Wirtschafts- und Vermögensmächtigen weg. Der Fall des sowjetischen Weltkommunismus machte diesen Lust auf schnelle wirtschafts- und ultraliberale Reformen. Helmut Kohl, der die Zukunft noch als "Freizeitparadies für Alle" sah, stand ihnen im Weg. Wieso für Alle? Wieso sollen die kleinen Krauter Anteil haben an den Reichtümern, die der technische Fortschritt bietet? Das dachten sich damals vermutlich unsere Wirtschafts- und Vermögensmächtigen, da doch die Gleichmacherei mit dem Niedergang des Sozialismus in Osteuropa endlich Vergangenheit schien.

Helmut Kohl aber war damals bereits als Person eine Machtinstitution geworden, weshalb dessen "Sturz" lange dauerte und aus Sicht unserer Wirtschafts- und Vermögensmächtigen Anfang der Neunziger Jahre wertvolle Jahre für ultraliberale Reformen ungenutzt blieben.

Angela Merkel ist das "Kind" Helmut Kohls und sie hat das Zeug ihrem "Vater" gleich zu tun als konservativ behäbiger Fels in der Brandung des ultraliberalen Welt-Tsunami. Man wirft ihr Tatenlosigkeit vor. Doch in der gegenwärtigen Situation ist überhaupt keine Politik zu realisieren immer noch besser, als jede Politik, die unter den gegenwärtigen Machtbedingungen umgesetzt wird. Man kann diesen Politikern doch keinen einzigen guten Vorschlag für eine bessere Politik mehr anvertrauen, in Zeiten, da selbst schnöde Inflationsanpassungen des Kindergeldsatzes dazu benutzt werden, in einem Gesetzespaket dann jeweils drei bis fünf Mal so hohe Entlastungen für die Reichen mit zu verabschieden, wie durch steuerliche Anrechenbarkeit von Haushalts- und Kinderbetreuungspersonal oder gar eine Steuerbefreiung für Hotelbesitzer. Selbst eine Bundeskanzlerin hat da offenbar längst nicht mehr die Macht, einer entgegengesetzten Politik Bahn zu brechen. Die eigentlich Mächtigen subversiv beschwichtigend zu bremsen, ist das Äußerste und das tut Angela Merkel vielleicht mehr schlecht als recht, aber vielleicht, genau weiß das keiner, so gut sie unter den Machtverhältnissen, denen auch sie unterliegt, nur kann. Die Normalbürger in diesem Lande sollten sich deshalb vor Angela Merkel stellen und sie vor einer Demontage durch die Wirtschafts- und Vermögensmächtigen beschützen. Stattdessen steigen wieder die Umfragewerte der verräterischen Sozialdemokraten und die der Grünen. Ist es der Plan, dass unsere Wirtschafts- und Vermögensmächtigen eine wiedererstarkte SPD und wie nie starke Grüne/Bündnis90 den Verrat am Volk wiederholen lassen wollen? Wehe uns, sollte das gelingen!


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