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Entspanne Dich Deutschland

06.03.10 | von Knut Karnann [mail] | Kategorien: Nicht kategorisiert

Alle Hartz-IV-Empfänger sammelt er [Westerwelle] in den leeren, verblühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge,

drumrum ein großer Stacheldraht

– hamma scho moi g’habt.

Dann gibt’s a Wassersuppn und einen Kanten Brot.

Statt Heizkostenzuschuss gibt’s von Sarrazins Winterhilfswerk zwei Pullover,

und überm Eingang,

bewacht von jungliberalen ICHlingen im Gelbhemd,

steht in eisernen Lettern: ‘Leistung muss sich wieder lohnen.’”


der Kabarettist Michael Lerchenberg als 'Bruder Barnabas' auf dem diesjährigen bayerischen Paulaner-Nockherberg, der daraufhin von der Rolle zurücktreten musste auf Druck von Charlotte Knobloch und Guido Westerwelle

Darf man solche historische Anspielungen in Deutschland machen? Meine Meinung ist: Ja, denn es gibt mittlerweile einen höheren Sinn solcher Worte und immerhin wurden sie mit Michael Lerchenberg von jemandem vorbereitet und gebraucht, der Geschichte studiert hat, also höchst bewußt. Deshalb will ich versuchen in einer "Rede an Deutschland" zu verdeutlichen, was der höhere Sinn solcher Worte in solchen Zeiten ist:

Rede an Deutschland

(von Knut Karnann, 6. März, 2010)

"Liebe Landsleute, meine lieben Damen und Herren,

Da die Haßpredigten gegen Sozialleistungsempfänger in diesem Lande in den letzten Wochen einen neuen Höchststand erreicht haben, sehe ich mich veranlaßt, diese Rede an die deutsche Nation zu halten, eine Rede, zu der Bundespräsident wie Kanzlerin zum letzten Neujahr wieder einmal die Gelegenheit verpasst haben.

Liebe Landsleute, meine lieben Damen und Herren,

Wir müssen den Neolibaralismus nicht umsetzen bis zur absoluten Unmenschlichkeit. Es ist uns doch auch nicht gut bekommen, als wir das vor nunmehr über 75 Jahren mit dem Rassismus versuchten. Der alte deutsche Erbfehler: Alles bis zur absoluten Verbissenheit optimieren zu wollen, erst recht, wenn es sich bei objektivem Hinsehen längst als grundfalsch erwiesen haben sollte.

Wir müssen den Umweltschutz nicht auf die Spitze treiben, bis zur absoluten Unmenschlichkeit. CO2, das ist der Stoff den Pflanzen atmen. Und die Pflanzen ... sind grün! Lasst uns in Ruhe andere, viel, viel wichtigere Dinge nachrechnen als CO2-Bilanzen. Wir haben in Sachen Umweltschutz, und das ist gut so, bereits weit, weit mehr erreicht als fast alle anderen Länder auf der Erde und können uns da jetzt in aller Ruhe eine Runde Auszeit von einigen Jahren gönnen - wirklich! Sollen die Anderen erst einmal aufholen, alleine könnten wir den Planeten ...

Sollte ich demnächst vieleicht einmal als Textübersetzung in Deutsch bringen: Der legendäre US-Kabarettist George Carlin hier im Originalton ohne Untertitel

... oder besser gesagt die menschenfreundliche Beschaffenheit des Planeten ohnehin nicht retten.

Nehmen wir uns stattdessen die so gewonnene Kapazität, um unsere eigene Gesellschaft wieder ein Stück menschenfreundlicher zu gestalten, denn das tut im Augenblick sehr viel größere Not. Auf nahezu keinem anderen Politikfeld gab es in den letzten Jahren nur einen annähernd so großen Fortschritt wie in Sachen Umweltschutz, nehmen wir uns stattdessen nun also Zeit für all diese anderen "so sehr vernachlässigten Kinder".

Wir müssen den Freihandel nicht auf die Spitze treiben. Die europäische Union ist für das Erste groß genug, sie ist eigentlich schon zu groß in Hinsicht auf die Kompatibilität von in ihr bereits enthaltener Ungleichheit, wie das Problem der Griechenland-Euro-Krise beweist. Wir müssen uns und unseren europäischen Nachbarn nicht immer noch größere Integrationslasten aufbürden, morgen die Türkei, übermorgen die Ukraine und in einiger Zeit ... die ganze Welt? Deutsche, hört wie dieser letzte Satz klingt und erinnert Euch. Und Ihr werdet begreifen, dass wir diese Projekte gar nicht angehen müssen.

Wir müssen den Freihandel nicht auf die Spitze treiben und unsererseits auch noch auf die letzte Handelsvorschrift und den letzten Schutzzoll verzichten, denn die weltweit erfolgreichsten Wirtschaftsnationen der letzten Jahre mit zweistelligen Wachstumsraten wie China tun gerade das ja auch nicht. Vielmehr tun sie sogar das genaue Gegenteil, sie verlangen horrende Zölle auf Importe und subventionieren ihre Exporte selbst in historischer Sicht auf brutalste Weise mit Blut, Leben und Menschenrechten ihrer arbeitenden Bevölkerung. Lassen wir uns von Landsleuten, die selbst von Mitgliedern der angelsächsischen Elite wieder als "hässliche Deutsche in Nadelstreifen" mit offenbar faschistoid gefärbten Ansichten angesehen werden wie Olaf Henkel nicht einreden, ausgerechnet diese brutal-protektionistische chinesische Regierung, die uns ohnehin nichts schenkt und uns seit Jahren entgegen aller Hoffnungen unserer Wirtschaftsbosse und entgegen aller theoretischen Möglichkeiten uns mit einem bilateralen Handelsdefizit im Regen stehen läßt, würde uns "bestrafen", wenn wir nicht artig dem großen liberalen Götzen Freihandel auch noch unser letztes Hemd preis geben. Nein auch diese Bedrohung besteht in Wahrheit nicht. Entspanne Dich Deutschland!

Wir müssen auch die Aufarbeitung unserer WK-II-Verbrechen nicht auf die Spitze treiben, denn Übersteigerung würde auch hier nur gegenteilige Wirkung herauf beschwören und sie tut es bereits, denn Deutschland, Du hast wie kein anderes Land je bisher einen Genozid aufgearbeitet. Es ist Zeit, auch hier nun nachzulassen und stattdessen nun auch einmal ein bisschen Stolz auf diese geleistete Arbeit zu sein, die in Gedenken, Gedanken und in Taten über viele Jahrzehnte vollzogen wurde. Vollenden wir die Aufarbeitung an den Fugen und Kanten, wo noch jemand unberücksichtigt geblieben ist, wie z.B. in Bezug auf die Dörfer, die in Polen, auf dem Balkan oder in Italien die Opfer von SS-Massakern geworden sind, wie z.B. der polnischen Zivilbevölkerung gegenüber, die unabhängig von der Religionszugehörigkeit entsetzliche Opfer zu verzeichnen hatte und der gegenüber wir Deutsche (wie u.a. auch Erika Steinbach immer wieder beweist) bis heute leider nicht gelernt haben, die daher gebotene Demut auch wirklich zu erweisen. Aber lassen wir Kraft nach, da wo bereits mehr getan worden ist, als gerade im Vergleich mit anderen Nationen erwartet werden kann, die ihre Genozide, weil diese, oftmals begangen in fernen Teilen der Welt, sich verbergen ließen, bis heute noch nicht einmal eingestanden haben. Wir Deutsche hatten als Kriegsverlierer und Verbrecher auf eigenem Boden kaum eine andere Wahl, als den Weg der Aufarbeitung zu gehen. So steht es uns nicht zu, uns deshalb hervor zu heben, aber wir sind diesen Weg größtenteils nicht mit Widerwillen, sondern mit Würde und Einsehen gegangen. Und wenn wir darauf jetzt nicht stolz sind, was wir uns verdient haben, dann wird aufkommender Widerwille das gigantische Aufarbeitungs- und Versöhnungs-Werk zweier ganzer deutscher Nachkriegsgenerationen wieder zerstören.

Der Sinn des Gedenkens ist, Wiederholung auszuschließen, doch wir werden das nicht erreichen, indem wir unseren Blick mit zu großer Aufmerksamkeit nur zurück richten, denn dann werden wir Gefahr laufen, die Bedrohungen zu übersehen, die vor uns liegen. Der potenzielle Faschismus von morgen wird ganz anders aussehen, genauso sicher, wie der "Hitler von Morgen" anders aussehen wird, als Hitler aussah. Natürlich müssen wir gerade in Deutschland Politikern misstrauen und diese auch mit den Mitteln der Satire bloss stellen, die sich in der Öffentlichkeit schamlos und uneinsichtig wiederholt wie hetzerische Spalter und menschenfeindliche, populistische Demagogen gebärden. Der Faschismus von Morgen wird sich, aller Voraussicht nach, nicht mehr an Nationalismus und Sozialismus orientieren, sondern sich ökonomistische und ökologistische Ziele auf die Fahnen schreiben.

3-sat-Kulturzeit: Klimawandel als Religion



Sehr bedenkliche Werbung von Audi zum Thema drohender Öko-Faschismus


Der Rassismus von Morgen wird, wenn das kommt, was zur Zeit aller Vernunft nach für die wahrscheinlichste faschistische Bedrohung gelten muss, die Menschen nicht mehr nach Blut und Religion aussondern, sondern nach ökonomischer und ökologischer Nützlichkeit, nach Vermögenden und Habenichtsen, nach Gläubigern und Schuldnern.

Hierzu noch einmal das Video aus meinem letzten Blog-Artikel: Katja Kippings Rede zum Thema "drohender Nützlichkeitsrassismus" im Bundestag (BITTE BETRACHTEN SIE DIE MINUTE 2:00 bis 3:00!).

Und gerade deshalb sollten wir unser Gedenken nicht erstarren lassen in immer sinnentleerteren Empörungsritualen bzgl. dem Gebrauch von angeblichem Nazi-Wortschatz oder in einer Tabuisierung von Vergleichen. In der aktuellen Debatte hätte sich Frau Charlotte Knobloch opfer-solidarisch hinter die Hartz IV-Empfänger und Hrn. Lerchenberg stellen sollen. Wir müssen gerade Analogien und Vergleiche suchen dürfen, auch in Bezug auf das, was sein wird, wenn nur die gleiche falsche Politik von heute nur ein paar Runden so weiter gemacht wird. Wir müssen das tun in dem Interesse, wirklich und wirksam die Wiederholung vergangener Grausamkeit dieses Mal rechtzeitig zu verhindern, solange es noch in unserer Macht steht. Wenn nicht einmal ein Zentralrat der Juden in Deutschland mehr begreift, was der höhere Sinn all dieser Gedenkrituale sein soll, stellt sich doch ernsthaft die Frage, was denn dann noch der Sinn all dieser Rituale heute ist.

Wenn Vergleiche wie von Hrn. Lerchenberg projeziert werden, dann doch nicht, um die bisherige Singularität des deutschen Verbrechens an den europäischen Juden in Frage zu stellen, was in der Tat vor allem für einen Deutschen verwerflich wäre. Dagegen ist es doch gerade die Absicht solcher Analogien im Interesse aller Menschen auch in der nahen Zukunft sicher zu stellen, dass diese Singularität genau so fortbesteht, die doch auch nicht egozentrisches Eigentum der historischen Opfer sein darf, sondern für immer eine Angelegenheit der ganzen Menschheit sein muss. In diesem Sinne ist Herr Lerchenberg ein weit vorbildlicherer Träger der historischen deutschen Verantwortung als alle jene mit Verlaub ziemlich dämlichen "Stellt ihn/sie an den Rechts-Pranger, weil er/sie hat aus Versehen das Wort 'Fremdarbeiter'/'entartet'/'Autobahn'/usw. gesagt!"-Rufer.

Entspanne Dich Deutschland, lerne gute Taten, auch die vorbildliche Aufarbeitung Deiner WK-II-Geschichte, mit einer gebührenden Feier auch wirklich abzuschließen. Lerne, Projekte, wie den Neoliberalismus und das entsprechende Reform- und Agendaprogramm los zu lassen, die offenbar nicht wegen mangelnder Anstrengung misslingen, sondern weil sie ihren Fehler bereits in der grundlegenden Idee inne haben. Lerne, Dich auch los zu beißen von hinreichend erfolgreichen Projekten, lerne den Blick abschließend zu wechseln vom Gegenstand des Eifers, über die Selbstschätzung, die Selbstwürdigung und das ausgelassene Feiern der erfolgreichen, eifrigen Tat, hin zu neuen, aktuell wirklich dringenden Themen mit guten und in sich stimmigen Ausgangsideen, die mittlerweile Not tun, angegangen zu werden.

Deutschland achte darauf, dass Du das Gute und nicht das Böse gut tust! Wenn es Dir gelingt auch diese Auswahl, was Du tust, gut zu tun, bist Du das beste Land der Welt. Geht es Dir schlecht, so wie heute, machst Du in genau diesem Punkt gerade etwas falsch und Deutschland, da die Begabung zum weltmeisterlichen "Gut-Tun" sich auch auf schlechte Ziele bezieht, kann diese Begabung, oh erinnere Dich, jederzeit auch zum Geschenk des Teufels werden.

Doch entspanne Dich Deutschland, setze Dir nur die Auswahl von Projekten hinsichtlich aktueller ethischer Prioritäten in festen, regelmäßigen, hinreichend kurzen Abständen als Ziel und Du wirst auch dieses gut tun!

Zum Abschluss dieser Besinnung auf unser Deutsch-Sein und das "Wesen unseres Deutsch-Seins" lasst uns gemeinsam auf den Text unserer Nationalhymne besinnen und dabei vor allem auf die Worte "Einigkeit" und "Recht".

Wenn Sie auf diese Hymne stolz sein wollen, dann müssen Sie auch bereit sein für die Errungenschaften unserer Bundesrepublik Deutschland zu kämpfen. Mir wird beim hören unserer Hymne nach Guido Westerwelles verbalen Ausfällen heute mehr denn je klar, wie gefährlich weit wir uns heute bereits von diesen Errungenschaften wieder entfernt haben.

Es ist, als wären wir schon ein anderes Land geworden, auf das man im Gegensatz zu unserer alten Bundesrepublik bereits nicht mehr stolz sein kann. Liebe Landsleute, kehren wir um, solange das Wieder-Heimkommen nur ein kleiner Schritt ist und nicht wieder das Blut und das Leben von Millionen kostet!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit."

Es folgt die Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland, die bis vor Kurzem in der ganzen Welt geschätzt war, gespielt und gesungen von Einigen unserer besten, internationalen Freunde:

Sarena Paton singt unsere Nationalhymne begleitet von einer kanadischen Armee-Kapelle

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Helden der Deppen (Teil 2)

27.02.10 | von Knut Karnann [mail] | Kategorien: Nicht kategorisiert

Im ersten Teil dieses Artikels haben wir eine ominöse Arbeitgeberorganisation namens IZA kritisiert, die versucht, die Lage der Mittelschicht in Deutschland mit offensichtlich nicht aussagefähigen Statistiken zu beschönigen. Zur gleichen Zeit wachsen in den USA bereits ganze Zeltvorstädte von Obdachlosen mit ehemaligen Angehörigen der dortigen Mittelschicht und Amoklauf ähnliche Vorgänge erschüttern die Öffentlichkeit.

In Deutschland erweist in den letzten Wochen ein FDP-Außenminister namens Guido Westerwelle der Mitte der Gesellschaft einen fürchterlichen Bärendienst, indem er eine aus ganz anderen Gründen längst nicht mehr vorhandene Leistungsgesellschaft beschwört und den euphemistischen Eindruck erweckt, es seien alleine Steuern und Abgaben das Problem dieser Bevölkerungsgruppe und eine „Eifersucht“ gegenüber Menschen, die zu viel Zeit ihrer Tage in Untätigkeit „genießen“ dürfen.

Die richtig guten Reden dazu schaffen es natürlich nicht bis in die Mainstream-Medien:


Die Bundestagsabgeordnete der Partei "Die Linke" Katja Kipping im Februar 2010


Dabei stellt sich auch die neue fatale Lage der Mittelschicht hier in Deutschland bei Weitem komplexer und vor allem auch dramatischer dar. Auch die Geschichte eines Andrew Joseph Stack ist in einigen Punkten durchaus prototypisch für die Probleme hierzulande.

"Wie dem auch sei, an dieser Stelle lernte ich, dass es für jedes Gesetz zwei 'Interpretationen' gibt: eine für die sehr Reichen und eine für den Rest von uns..." Andrew Joseph Stack

Überbordende bürokratische Vorschriften und Gesetze machen am Meisten denen zu schaffen, die sich im Leben engagiert wirtschaftlich oder auch gesellschaftlich betätigen, ohne die kritische Masse z.B. großer Unternehmen zu besitzen, die ganze Abteilungen von Hausjuristen für sich arbeiten lassen können.

"Ich habe der Steuerbehörde nichts angegeben, weil ich dachte, dass dies ohne Einkommen nicht nötig sei. Die [...] Regierung entschied sich, das anders zu sehen. Aber dies haben sie mir nicht rechtzeitig mitgeteilt, um Einspruch erheben zu können, was dazu führte, dass ich diese Berechtigung verlor, als ich letztlich versuchte, beim Gericht Protest einzureichen. Wieder waren 10.000 Dollar für Justiz-Helfer weg."

Und es ist bei Weitem nicht nur der Staat, sondern alle möglichen Arten von Vertragsprodukten werden immer komplizierter, längst nicht mehr nur bei Versicherungen und anderen Finanzdienstleistungsprodukten, sondern diese Methode zieht längst Kreise über die Telekommunikationsdienstleistungen bis hin zu den neuen Stromversorgungsangeboten. Der Mittelschichtangehörige schließt mit seinem völlig unzureichenden Laienverständnis Verträge ab, deren seitenweises Kleingedrucktes von ganzen Abteilungen von Wirtschaftsjuristen großer Konzerne in deren Sinne erdacht wurde. Und wenn sie ihn nicht bekommen, dann kriegen sie seine Kinder mit einer aggressiven Platzierung fragwürdiger bis sinnloser, aber halsabschneiderisch überteuerter Produkte für Jugendliche und selbst ganz Kleine.

Wenn es zu Rechtsstreitigkeiten kommt, dann werden Normalbürger von Rechtsanwälten vertreten, die prozentual an Streitwerten verdienen und ihr größtes Einkommen deshalb mit vermögensstarken Privatleuten oder umsatzstarken Unternehmen machen, mit denen sie es sich sicherlich nicht wegen der Angelegenheiten kleiner Normalbürger verscherzen werden.

"Noch schlimmer war, dass [der Rechtsvertreter] wusste, dass das alles fehlte und ich hatte keine Ahnung davon, bis er es mitten in der Anhörung zur Sprache brachte. Zu dieser Zeit offenbarte sich auf brutalste Art, dass er sich selbst vertrat und nicht mich." Andrew Joseph Stack

Geurteilt wird auf der Basis von Gesetzen, die immer öfter nahezu direkt aus der Feder der Oberschicht-Vermögens- und Wirtschaftsmächtigen stammen und diese bewußt in Vorteil bringen.

"... dass es [...] keinen einzigen Politker gegeben hat, der für irgendetwas gestimmt hat, das mich betrifft oder meine Interessen vertreten hätte. Sie sind auch nicht die Bohne an mir oder dem, was ich zu sagen habe interessiert." Andrew Joseph Stack

Und die Urteile werden gerade in entscheidender Instanz von Richtern gefällt, die sich für gewöhnlich der regionalen Oberschicht zugehörig und verbunden fühlen.

Sind Mittelschichtangehörige doch einmal eine Zeit lang wirtschaftlich erfolgreich, dann werden sie in Vermögensfragen von einer Finanzdienstleistungsbranche beraten, die ihre Provision in Prozenten von Anlagebeträgen verdient und die deshalb offensichtlich geneigt sein muss, die reicheren und reichsten Privatkunden mit „überdurchschnittlichen Anlageerfolgen“ zu „beglücken“ auf Kosten von Verlusten ihrer kleinen Mittelschicht-Kunden. Und es gibt durch die immer intransparentere Konzeption vieler Finanzdienstleistungsprodukte sicherlich mittlerweile mehr als nur 1000 Tricks, dieses auch zuverlässigst so bewerkstelligen zu können. Selbst mancher Lottogewinner war sein Geld, so beraten, beinahe schneller wieder los, als er es gewonnen hatte.

An ihrem Arbeitsplatz hat es die Mittelschicht dann mit Führungskräften zu tun, die aufstiegbewusst notfalls aggressiv die Interessen des Arbeitgebers vertreten und dieser reicht vielfach nur die Interessen vor allem der reichen Anteilseigner und Aktienbesitzer weiter.

"Der Lohn betrug 1/3 von dem, was ich vor dem Zusammenbruch verdient habe, weil das Einkommen hier durch drei der vier großen Firmen in der Region gereinigt wurde, die gemeinsame Sache machten, um die Preise und Gehälter zu drücken..." Andrew Joseph Stack

Die aktuelle Situation der Mittelschicht hinsichtlich Beschäftigungschancen selbst für gut ausgebildete Fachkräfte wurde bereits im ersten Teil des Artikels dargestellt. Die Chancen sinken ab dem 35. Lebensjahr rapide. Viele jedoch haben noch in den letzten fetten Jahren sich von besagter Finanzdienstleistungsbranche zu dem hypothekenfinanzierten Kauf einer eigenen Immobilie hinreißen lassen. Eine nun bereits Jahrzehnte lang anhaltende miserable Regierungspolitik, egal welcher Parteienkoalition, hat den Standort Deutschland aber bereits derartig geschädigt, dass Grundstücks- und Immobilienwerte in vielen Regionen seit Jahrzehnten nicht mehr gestiegen sind.

"In einer Regierung voller Heuchler von oben bis unten ist das Leben so billig wie ihre Lügen und ihre eigennützigen Gesetze." Andrew Joseph Stack

In Kombination der beiden letzten Voraussetzungen steigt deshalb die Wahrscheinlichkeit, dass das Häuschen oder die Wohnung nicht mehr abbezahlt werden kann, bevor die Situation des unumkehrbaren Jobverlustes unverschuldet, sondern altersbedingt eintritt. Kann kein regelmäßiges Einkommen mehr nachgewiesen werden, verhalten sich die Gläubigerbanken bekanntlich gnadenlos, die Immobilien werden zumeist unter Wert versteigert.

"... junge Familien ihre Häuser verloren und Straße für Straße zugenagelt und die Häuser den reichen Kredit-Firmen überlassen wurden, die Subventionen vom Staat erhielten ..." Andrew Joseph Stack

Man hat gar gerüchteweise bereits von Fällen gehört, in denen Bausparkassen das Darlehen nicht mehr gewähren wollen, weil sich die Sparer bei Fälligkeit zu sehr dem Rentenalter angenähert haben oder von Banken, die die Hauskredite unsicher gewordener Schuldner an Heuschrecken und Hedge-Fonds weiterverkaufen.


Die deutsche Mittelschicht in der Mausefalle
Knut Karnann im Februar 2010


Wohl dem der das Rentenalter heute noch als Arbeitstätiger erreicht. Doch weit gefehlt, wenn ein solcher Mittelschichtangehöriger sich aufgrund dessen nun sicher wähnt. Gerade in Provinzmilieus schlägt nun nicht selten die örtliche Betreuungsmafia zu: Kommt es altersbedingt zu ersten temporären gesundheitlichen Problemen sorgt eben nicht mehr nur in Ausnahmefällen eine lokale Oberschichtbande aus Fachärzten, Richtern und entsprechend spezialisierten mit einer Rechtsanwaltskanzlei niedergelassenen Juristen dafür, dass ungehöriger Weise mit eigenen Vermögenswerten im Ruhestand angekommenen Mittelschichtlern richterlich die Geschäftsfähigkeit abgesprochen wird.

Ein von Juristen, die nicht nur Bundestagsabgeordnete sind, sondern die bei Weitem größte Berufsgruppe im Bundestag stellen, gemachtes Betreuungsgesetz hat dafür Tür und Tor geöffnet:

- Wussten Sie, dass jeder beliebige andere Bürger in diesem Land vor Gericht beantragen kann, dass Ihnen Ihre Geschäftsfähigkeit richterlich aberkannt wird?

- Wussten Sie, dass Sie bereits vor der Feststellung der Geschäftsunfähigkeit wie ein Schwerverbrecher polizeilich gesucht werden können, um einer psychiatrischen Klinik zum mehrtägigen Idiotentest vorgestellt zu werden?

- Und wussten Sie, dass man die Rechtsweggarantie für solche Verfahren faktisch in diesem Land abgeschafft hat, weil Sie, einmal von einer Gerichtsinstanz für geschäftsunfähig erklärt, keine Grundlage mehr haben, eine Klage oder ein Berufungsverfahren für sich zu beantragen und auch niemand Anderes, nicht einmal ein nächster Angehöriger berechtigt ist, das für Sie zu tun?

"ich entscheide, dass ich nicht ignoriere, was um mich herum geschieht, ich entscheide, nicht so zu tun, als würde alles weiterlaufen wie immer" Andrew Joseph Stack

Wenn Ihr richterlich wegen Ihrer Geschäftsunfähigkeit bestellter Vormund einfach nur „Nein“ sagt, dann sitzen Sie ein für alle Mal in weitgehender Rechtlosigkeit fest! Und wenn es, wie oft in provinziellen Verhältnissen für Sie ungünstig kommt, gehört der richterlich bestellte Betreuer der regionalen Betreuungsmafia an und sorgt dafür, dass Ihr Vermögen höchst legal (oder besser dank guter Kontakte mindestens unverfolgt illegal) in die Taschen dieser Kreise umgelenkt, um nicht zu sagen unterschlagen wird, noch bevor Sie tatsächlich pflegebedürftig werden oder es ihren Kindern vererben können.

"... dass es für mich gesünder sei, (wie sie) Katzenfutter zu essen, anstatt zu versuchen, meine Inhaltsstoffe allein aus Erdnußbutter und Brot zu ziehen." Andrew Joseph Stack

Schlecht für den Nachwuchs der Mittelschicht, denn der durfte bereits eine von einer ebenfalls Jahrzehnte langen miserablen Bildungspolitik von Regierungen entgegen aller politischen Beteuerungen in Sonntagsreden gleich welcher Parteienkonstellation keine so gute Bildung mehr genießen wie es noch die Eltern durften.

"Zum ersten mal wurde mir klar, dass ich in einem Land lebe, dessen Ideologie auf einer kompletten Lüge basiert." Andrew Joseph Stack

Und nach Abschluss dieser "Verunbildung" erhalten diese jungen Menschen oftmals über Jahre (manchmal, nach einem Studium bis zum Alter von 35 Jahren und länger) nur noch prekäre, befristete Arbeitsverträge mit miserablen und deshalb ebenfalls prekären Arbeitsentgelten.

"Ich war wahrlich entsetzt, als wir Geschichten austauschten und uns gegenseitig um unsere Situationen bemitleideten" Andrew Joseph Stack

Man stelle sich das vor: Bis 35 keinen ordentlichen und fair entgoltenen Arbeitsvertrag und ab 35 dann zunehmend von vielleicht endgültiger Arbeitslosigkeit bedroht und zu erben gibt es nicht mehr, weil bei den Eltern die Provinzmafia mit dem Betreuungsgesetz zugeschlagen hat.

"Ich kann nur hoffen […] dass die Amerikanischen Zombies aufwachen und revoltieren; das ist nötig" Andrew Joseph Stack

Wir reden hier wohl gemerkt von Deutschland, nicht von den USA. Während die Erben der Oberschicht um jedes Prozent Erbschaftssteuer weinen und die Politiker erfolgreich um sukzessive Abschaffung derselben drängen, werden Mittelschichterben auf diese Weise immer öfter um ihr gesamtes Erbe betrogen, man könnte auch sagen 100 % Erbschaftssteuer, aber nicht für Schulen und Kindergärten, sondern für Villen und Swimming Pools von reichen Rechtsanwälten und Fachärzten.

"Ironischerweise kam die Regierung nach ihren Entscheidungen an, um den Fluggesellschaften mit Milliarden von unseren Steuergeldern zu helfen... wie gewöhnlich ließen sie mich zum verrotten und sterben zurück, während sie ihren reichen, inkompetenten Spießgesellen aus der Klemme helfen ... " Andrew Joseph Stack

Was sind gegen all solche Bedrohungslagen noch gewisse Belastungen mit Steuern und Sozialabgaben, sozial Bedürftige, die sich und ihre Kinder wenigstens vollwertig ernähren wollen? Leute wie Herr Westerwelle hetzen doch längst fern ab jeglicher Kenntnis von der wahren Lebensrealität der Normalbürger in diesem Lande. Die Mittelschicht dieser Tage würde himmelhoch jauchzen, nur zu hohe Steuern und Abgaben zur Sorge zu haben.

Das wahre Problem ist ein Anderes: Die Mittelschicht dieser Zeit ist von „Fressfeinden“ förmlich umstellt. Die Chancen von Mittelschichtfamilien innerhalb einer Generation ihr Vermögen zu mehren, gehen damit für viele trotz ehrlicher Bemühungen gegen Null, auch wenn es die Meisten noch nicht gemerkt haben.

Und Schuld daran sind gewiss nicht die Hartz IV Empfänger, denn in einer Gesellschaft, in der nicht genug Arbeit da ist, werden immer die Einen oder Anderen ohne Arbeit sein. Die wirklich gefährlichen "Fressfeinde" kommen alle aus Wirtschaft und Oberschicht und der diesen beiden Gruppen gegenüber immer willfährigeren etablierten Parteienpolitik von FDP, SPD, CDU, CSU und Bündnis 90/Die Grünen.

Die neoliberalen Medien haben in einem Punkt ihrer Reaktion auf Westerwelles Ausfälle Recht: Dieses Land braucht eine Missbrauch-Debatte. Doch wenn dabei die Prioritäten beachtet werden sollen, geht es dabei bei Weitem nicht um den Missbrauch von Sozialbeihilfen, sondern um den Missbrauch, den unsere Wirtschafts- und Vermögensmächtigen mit unserem politischen System betreiben. Korrupte, wirtschafts- und steuerkriminelle Verhältnisse, von denen unser Land nicht mehr weit entfernt ist, haben aktuell, nach Island, auch Griechenland nahezu der eigenstaatlichen Souveränität beraubt. Dieses muss deshalb doch auch uns mahnen!

"... während sie ihren reichen, inkompetenten Spießgesellen aus der Klemme helfen MIT MEINEM STEUERGELD" Andrew Joseph Stack

Wie lange hält es ein Land aus, wie lange hält es eine Nation aus, wenn Wirtschafts- und Vermögensmächtige ihre Macht dazu einsetzen, dass die staatlichen Spielregeln, die Gesetze, so gemacht werden, dass sie sich immer weiter und immer schneller selbst bereichern können, nicht mit ein paar zig bis hunderten Euro, sondern mit zig bis hunderten Milliarden Euro zu Lasten des Gemeinwesens und vor allem eben besagter Mittelschicht, aber eben auch der ganz Armen?

Wie lange hält es eine Demokratie aus, wenn diese Reichen dadurch immer noch mächtiger werden und immer effektiver darin, alle gesetzlichen Spielregeln nur noch zu ihrem eigenen unfairen Vorteil zu gestalten?

Die Mittelschicht lebt immer noch im Geiste und im Glauben fairer Wettbewerbsverhältnisse im guten Sinn von Leistungsgesellschaft. Doch wer die heutigen Verlierer als Verlierer eines solchen produktiven Wettbewerbes ansieht, der in vielerlei Hinsicht längst durch eine brutalo-anarchische, Regeln und Anstand entbehrende Situation ersetzt ist, tut nicht nur diesen Verlierern unrecht, sondern er übersieht die existenzielle Gefahr, der auch seine Familie und er selbst längst ausgesetzt ist.

"Es war immer nur ein Irrglaube, dass die Menschen für ihre Freiheit in diesem Land nicht mehr sterben" Andrew Joseph Stack

Konkurrenz und Wettbewerbsdenken und sei es im „guten“ Sinne, hat die Mittelschicht über die Jahrzehnte auch unfähig gemacht, sich für die eigenen Interessen zu solidarisieren und gemeinschaftlich einzusetzen.

Das traf auch auf Joe Stack selbst zu. Dass Einzelne für die Gerechtigkeit oder nur ihr Recht Streitende nicht erfolgreich sind, ist schon aus Gründen der gebotenen Effizienz sozialer und politischer Systeme so und nicht notwendig in der Machtwillkür von Institutionen begründet, wenngleich heute Letzteres oft ein Übriges tut.

Joe Stack war in dieser Hinsicht sicherlich in seinen Fähigkeiten gehandicapt. Aber wie viele Mittelschichtler sind dieses heute in gleicher oder ähnlicher oder gar viel schlimmerer Weise ganz genau so? Wie sehr war gerade auch die Passivität der großen Mehrheit der anderen Mittelschichtangehörigen, die Opfer der gleichen ungerechten Gesetze waren, gegen die Joe Stack aufbegehrte, mit daran Schuld, dass er mit seinen Anstrengungen scheiterte? Wieviel Mitverantwortung tragen wir abstrakt gesehen durch entsprechendes Verhalten alle an seinem Tod, an seiner Tat und weiteren ähnlichen, die folgen werden?

"Ich verbrachte endlose Stunden auf den Straßen von L.A. auf dem Weg zu Veranstaltungen und all' diesen unorganisierten professionellen Gruppierungen, die versuchten, eine Kampagne gegen diese Grausamkeit aufzuziehen." Andrew Joseph Stack


Andrew Joseph Stack hatte in Marvin John Heemeyer bereits einen Vorgänger


Am Ende tat Joe Stack das Größte, was ihm aufgrund seiner beschränkten sozialen Fähigkeiten (die jedoch nicht beschränkter waren, als die politischen Fähigkeiten der meisten Angehörigen der Mittelschichten in den Ländern der westlichen Zivilisation) möglich war und mindestens das ehrt ihn, denn wie Viele tun nicht einmal das Kleinste was Ihnen möglich ist?

Wer wehrt sich z.B. in der deutschen Mittelschicht dagegen, dass die Politik vor allem die durchschnittlich und leicht überdurchschnittlich verdienenden und abhängig beschäftigten Menschen zu Beginn dieses Jahres größtenteils wieder um den Vorteil beraubt haben, der ihnen vor dem Bundesverfassungsgericht mit der Anrechenbarkeit der Krankenversicherung, für die sie ja aus solidarischen Gründen höhere Beiträge zahlen, erstritten wurde? In einer meiner Ansicht und der Ansicht vieler Juristen nach erneut verfassungswidrigen und im Übrigen wieder völlig überbürokratisierten Umsetzung hat man die Abzugsfähigkeit anderer Versicherungen ebenfalls ab diesem Jahr beschränkt, die aber im Sinne dieses Urteils ebenfalls zur Grundsicherung gehören, was deshalb aus den gleichen Gründen offensichtlich verfassungswidrig ist. Wer wehrt sich dagegen, dass wir von unseren Politikern, die nach der Verfassung wie Bundestag und Bundesrat als Gremium an Recht und Gesetz gebunden sind, mit bewusst verfassungswidrigen Gesetzen geschröpft werden nach dem Motto: Bis ein neues Verfahren durch ist, das dauert ja sicherlich ein paar Jahre und wenn das korrigiert werden muss, machen wir eben das nächste verfassungswidrige Gesetz, um das wieder auszugleichen ...

Wie viele in der Mittelschicht wählen weiterhin ausgerechnet aus Bewahrungsinstinkten und gewiss auch aus antisozialistischer Tradition fataler Weise gerade diejenigen Politiker und politischen Parteien, die heute die gefährlichsten und fanatischsten Zerstörer ihres eigenen Paradieses sind?


Christian Springer (alias Fonsi) im Februar 2010


>>Zurück zu Teil 1 dieses Artikels


Hinweise in eigener Sache: Das Kopieren und Weiterverbreiten dieses Artikels unverändert und mit Quellenverweis ist gemäß General Network User License (GNU) absolut erwünscht. Die Zitate von Andrew Joe Stack sind einer deutschen Übersetzung seines Testamentes auf dem Blog "Alles Schall und Rauch" übernommen.

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Helden der Deppen (Teil 1)

20.02.10 | von Knut Karnann [mail] | Kategorien: Nicht kategorisiert

Während man die Lage der Mittelschicht in deutschen Medien nun schön zu reden versucht, bekommt die Mittelschicht in den USA mit dem Software-Ingenieur Joe Stack einen ersten Märtyrer.

“Die Mittelschicht muss sich offenbar nicht sorgen: Laut einer Untersuchung, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt, ist die Furcht vieler Durchschnittsverdiener vor einem Absturz in die Langzeitarbeitslosigkeit weitgehend unbegründet.“ Claus Hulverscheidt, Süddeutsche Zeitung 18.02.2010

“Ich weiß, dass ich kaum der erste sein werde, der entschieden hat, dass er alles erlebt hat, was er ertragen kann.“, Andrew Joseph Stack

Der zum Nachdenken erwachenden Mittelschicht hält man nun also geschönte Statistiken vor das Gesicht, um sie zur Zurückhaltung zu schrecken, wie der Exorzist dem angeblich Besessenen das Kruzifix.

Dahinter steckt eine Initiative, die von NACHDENKSEITEN.DE so charakterisiet wird:

Nachdenkseiten.de am 19.02.2010 über das IZA: “Das Institut zur Zukunft der Arbeit ist ein Arbeitgeber-dominierter Lobby-Think-Tank voller einschlägiger Politiker/innen, Arbeitgeber-Lobbyisten/innen und Aktivisten der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Der berüchtigte Arbeitsmarktpolitik-Direktor Hilmar Schneider wollte sogar mal Arbeitslose versteigern lassen, um die Kosten für Sozialausgaben gegen zu finanzieren. Wenn solche „Studien“ aus dieser Ecke kommen, kann das eigentlich nur unseriös sein.“

Zum Glück brachte das ARD-Magazin Plusminus (siehe „Wie die Mittelschicht durchgereicht wird“ und Originalbeitrag auf der ARD-Seite von Plusminus) zwei Tage vorher einen Bericht darüber, wie es abstürzenden Mittelschichtlern heute tatsächlich geht:

Wer einen gut bezahlten Arbeitsplatz verliert, hat je nach Alter nach ein bis zwei Jahren Arbeitslosengeld nicht einmal Anspruch auf Hartz IV. Keine Arbeitsvermittlung ist für ihn mehr zuständig! Er muss sich erst selbst kahl zahlen, sofern er nicht eine darlehensfinanzierte Immobilie besitzt und er von den Banken kahl gepfändet wird. Aber auch dieser entwürdigende Prozess dauert bekanntlich Monate bis Jahre und die Meisten der Betroffenen dürften heute noch gar nicht in Hartz IV angekommen sein.

Um bis dahin wieder in die Arbeitsvermittlung zu gelangen, wird dann jeder noch so gering bezahlte Job angenommen.

"Ich bin durchgefallen und muss mich momentan mit irgendwelchen billigen Jobs über Wasser halten, damit ich wieder in Arbeitslosengeld 1 komme. Damit ich wieder ins Sozialsystem Einzug habe.“ Albrecht Wetzel aus dem Odenwald, 55 Jahre alt, technischer Zeichner, arbeitslos, so zitiert von PLUSMINUS am 16.02.2010

Mittelschichtlerinnen und Mittelschichtlern steht also bereits vor Hartz IV eine sehr lange, schmerzliche Odyssee des Absturzes bevor, während der sie sich bereits zur Annahme von Dumpinglohn-Jobs gezwungen sehen.

Die Höhe des letzten Monatslohnes vor Beginn der Hartz IV-Bezüge nach abgeschlossener Kahlverausgabung oder Kahlpfändung kann also offenbar nicht als Indikator herangezogen werden, ob ein Harzt IV-Bezieher aus der Mittelschicht stammt.

Die "Forschung" könnte den Malus leicht beheben, indem die Hartz IV-Bezieher (und die Gruppe der aus dem ALG I gefallenen, aber noch nicht in Hartz IV angekommenen Arbeitslosen) nach dem höchsten Monatseinkommen gefragt werden, das sie je in ihrem vorigen Arbeitsleben erreicht hatten. Das will ein fragwürdiges Institut wie die IZA aber natürlich nicht. Die Statistik wird methodisch so durchgeführt, dass das zuvor gewünschte Ergebnis herauskommt.

„Der grausame Witz ist, dass die [...] an der Spitze das die ganze Zeit gewusst und gelacht haben und dieses Wissen gegen Menschen wie mich benutzt haben.“ Andrew Joseph Stack

Die Mittelschicht kennt IHRE Statistiken, das was Personalberater Ihnen in ihrer eigenen Firma erzählen:

„Die Chancen für eine qualifizierte Fachkraft in Deutschland wieder einen Job zu finden sind bis zu einem Alter von 34 Jahren gut, bis zu einem Alter von 39 mittelmäßig, bis 44 schlecht und ab einem Alter von mindestens 45 Jahren aussichtslos.“

Was also bitte sollte mit Mittelschicht-Familien, bei denen der über 44-jährige Versorger arbeitslos wird, Anderes passieren, als der Absturz?

Im Heimatland der Versicherungen kann man sich gegen jedes noch so absurde Risiko versichern. Aber eine Versicherung gegen die Hauptangst der Arbeitslosigkeit, war in der Epoche seit der Regierung Gerhard Schröder auf einmal nicht mehr gewünscht, weil man die dadurch entstehende Angst der Menschen ausnutzen kann, Löhne zu drücken.

Natürlich ist eine Arbeitslosenvollversicherung auch weiterhin finanzierbar. Nachstehende Tabelle zeigt, welchen Prozentanteil vom Lohn wir bei einer jeweiligen langjährigen Durchschnittsarbeitslosigkeit als Arbeitslosenversicherungsbeitrag abführen müssten:


Die Not ist also künstlich von den Politikern gemacht, die schwören, dass sie Schaden vom Deutschen Volke abwenden: Zeile 4 und 5 zeigen die vernünftige Politik bis zur Wiedervereinigung. Die bis dahin gegebene langfristig durchschnittliche Arbeitslosigkeit in Deutschland (West) wurde mit einem Sicherheitspuffer von 1% abgesichert. Natürlich muss vernünftige Politik die Absicherung höher ansetzen als den geltenden langjährigen Durchschnitt.

Anstatt nun auch die seit der Wiedervereinigung erhöhte langfristige Durchschnittsarbeitslosigkeit durch eine Erhöhung der ALV-Beiträge abzusichern (s. Zeile 6), was durchaus rechnerisch realisierbar gewesen wäre (s. Zeile 7-9) hat die große Koalition, wohlgemerkt unter unserer "guten, angeblich gar sozialdemokratisch gefärbten Kanzlerin" Angela Merkel, nun aber stattdessen die Absicherung (s. Zeile 3 bis 1) immer weiter demontiert weit unter die Werte selbst der ehemaligen Bundesrepublik West und erst recht des wiedervereinigten Deutschlands.

Zeile 8 zeigt, dass durch die hohen Produktivitätszuwächse durch die intensive Rationalisierung (z.B. mit Informationstechnologie), die gerade in den letzten Jahren erfolgte, mittlerweile wahrscheinlich sogar weit höhere Prozentsätze an Arbeitslosigkeit absicherbar sind als die in der Tabelle angegebenen langfristig durchschnittlichen 14%.

Durch diese Verabschiedung von der Absicherungspolitik, mit der Einführung von Hartz IV und bereits durch die Ankündigung dieser Politik hat man einen Notstand eröffnet, der dazu führte, dass die Reallöhne in Deutschland im Vergleich zu den europäischen Nachbarn soweit zurück gingen, dass man alleine davon sogar eine langfristige durchschnittliche Arbeitslosigkeit von sage und schreibe 22% in ganz Deutschland hätte mit einer Vollversicherung absichern können (siehe Zeile 8: ursprünglicher ALV-Beitrag 6,4% plus die 22% Reallohnverlust, die die deutschen Arbeitnehmer seit Beginn der Diskussion der Agenda 2010 durch schwache Tarifabschlüsse und höhere individuelle Nachgiebigkeit gegenüber Arbeitgebern im europäischen Vergleich verloren haben, Quelle: NACHDENKSEITEN.DE, ergibt ca. 28,4%). Das ist Geld, das die Menschen nun auch nicht haben, da die Arbeitgeber es stattdessen in die eigene Tasche bzw. die Taschen ihrer Anteilseigner fließen lassen.

“Das Kapitalisten-Credo: Von jedem entsprechend seiner Leichtgläubigkeit, an jeden entsprechend seiner Gier.“ Andrew Joseph Stack

Der Software Ingenieur Andrew Joseph Stack hat sich vorgestern, am 18.02.2010 in Austin, Texas um 9:30 Uhr Ortszeit mit einem Kleinflugzeug in das Bürogebäude der örtlichen Steuerbehörde gelenkt.

Dieser Artikel zur aktuellen Lage der Mittelschicht bedarf also schon bald einer Fortsetzung. Ist die Lage der Mittelschicht in den westlichen Ländern nun derart dramatisch, dass sie Menschen zu solchen Taten treibt? Dass die Sorgen der Mittelschicht unbegründet sind, wie die IZA nachweisen will, kann offenbar jedenfalls nicht sein.

In Teil 2 werden wir zeigen, dass die Bedrohung durch Arbeitslosigkeit nur einer von vielen Drücken ist, der die Mittelschicht noch vor dem Lebensabend der heute noch Arbeitstätigen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verarmt und enteignet haben wird. Sie sollten der Gefahr ins Auge sehen und sich fragen, ob es denn sinnvoll ist, sich wie ein Hamster ausschließlich auf den Job zu konzentrieren, während Andere Sie auf der politischen Seite immer weiter ausnehmen, bis Ihnen von all Ihren Bemühungen nichts mehr bleiben wird. Oder ist es langsam Zeit sich endlich auch politisch zu engagieren?

Und so schließen wir diesen ersten Teil des Artikels auch mit einem Zitat unseres neuen wahren „Helden der Deppen“ (Westerwelle wird zwar mittlerweile auch so genannt ist aber nur ein populistischer Imitant und Täuscher der Wissenden [siehe video vom BR, Quer, 18.02.2010] ). Joe Stack, der neue Märtyrer-Typus aus und für die Mittelschicht, wenngleich wir bedauern, dass bei seiner spektakulären Selbsttötung Dritte zu Schaden kamen:

„Ich habe einmal gelesen, dass es die Definition von Wahnsinn ist, einen Prozess immerzu zu wiederholen und dabei zu erwarten, dass das Ergebnis ein anderes sein wird.“ Andrew Joseph Stack

Politisch weiter still zu halten und alle vier Jahre eine oder zwei Parteien aus dem Block für systematische und niemals endende Lohnsenkungspolitik, gebildet aus SPD, Die Grünen/Bündnis90, FDP, CDU, CSU, zu wählen, ist nichts Anderes!

>> zu Teil 2 dieses Artikels


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Dreijährige Online-Demonstration gegen Schwarz-Gelb hat begonnen

26.01.10 | von Knut Karnann [mail] | Kategorien: Nicht kategorisiert
Michael Niklas, Mitinitiator der virtuellen MMN-Demonstration jetztausrufezeichen.de im Interview mit Knut Karnann (Mittelschicht Weblog)

Knut Karnann: Michael, schön dass wir uns hier im Ruhrkristall direkt über den Wassern des schönen Mülheimer Ruhrabschnitt zu einem Interview für den Mittelschicht Weblog treffen. Was ist überhaupt eine MMN-Demonstration?

Michael Niklas:
MMN steht für Multimedia-Netzwerk-Demonstration und sie ist eine brandneue Form der virtuellen Demonstration, die erstmals verspricht auch wirklich für politische Wirksamkeit zu sorgen.

Knut Karnann: Das leisten bisherige virtuelle Demonstrationen wohl nicht?

Michael Niklas:
Gib doch einmal „virtuelle Demonstration“ in Google ein. Da erhältst Du mittlerweile ca. 300.000 Treffer. Aber von wie vielen virtuellen Demonstrationen haben wir ansonsten schon einmal etwas mitbekommen?

Knut Karnann: Ehrlich gesagt auch unter virtueller Demonstration kann ich mir nicht so richtig etwas vorstellen?

Michael Niklas: Virtuelle Demonstrationen werden oft als eine Art elektronische Unterschriftensammlungen durchgeführt. Da gibt es einige, die mindestens innerhalb bestimmter politischer Szenen es durchaus zu Bekanntheit gebracht haben, wie z.B. die von Architects for Truth, die weltweit elektronisch Unterschriften von Architekten, Ingenieuren und Wissenschaftlern gesammelt haben, die aufgrund Ihres natur- und ingenieurwissenschaftlichen Hintergrundwissens das offizielle Untersuchungsergebnisse zu den Anschlägen vom 11.09.2001 für unglaubwürdig halten. Manche wurden auch bekannt, weil die Unterschriften gleich für die Möglichkeit der Einreichung einer elektronischen Petition beim Deutschen Bundestag genutzt wurden. Zum Beispiel konnte man damit letztes Jahr für die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens mindestens etwas Furore machen. Alleine, der größte Teil solcher Aktionen blieb bisher ohne jede Beachtung.

Knut Karnann: Auch Demonstrationen auf der Strasse finden nicht immer Widerhall in den Medien. Gerade zum 11. September gab es ja da auch, ich glaube vor zwei Jahren, eine große Demonstration in Brüssel mit tausenden Teilnehmern von Menschen aus ganz Europa, die völlig ignoriert wurde.

Michael Niklas: Ja, auf Youtube kann man sich Video-Aufnahmen der Organisatoren von dieser Demonstration ansehen. In den Medien blieb sie unbeachtet, zumal sie sehr friedlich ablief. Die Medien bevorzugen bei ihrer Berichterstattung ja bekannter- und paradoxerweise vor allem solche Demonstrationen bei denen es zu Eskalationen von physischer Gewalt kam.

Knut Karnann: Kann etwas Ähnliches bei virtuellen Demonstrationen überhaupt passieren?

Michael Niklas: Nein, das kann es nicht. Darin liegt ja ein großer Vorteil: Keine Kollateralschäden bei den Anliegern des Demonstrationszuges, keine Kosten der öffentlichen Hand für große Polizei-Einsätze. Die Vorteile virtueller Proteste liegen eigentlich auf der Hand.


Knut Karnann:
Ja, nur ohne Gewalt sind die Medien wohl auch da nicht interessiert.

Michael Niklas: Das mag ein Faktor sein. Eine MMN-Demonstration überwindet nun aber dieses Hindernis, indem die Organisatoren der Demonstration selbst für die Medienpräsenz sorgen notfalls über gekaufte Werbeplätze im Anzeigenteil großer Zeitungen und über gekaufte Radio- und Fernsehspots, die bei genügend Finanzmitteln auch von professionellen Werbemachern erstellt werden können. Vielleicht finden wir aber auch Studenten der Medien- und Werbefachbereiche an den Hochschulen, die das für uns machen. Erste Kontakte dazu haben wir hergestellt.

Knut Karnann: Trotzdem kosten mindestens die Sendeplätze ein Heidengeld, wie können Demonstrationsveranstalter dieses leisten?

Michael Niklas: Eben, es ist alles nur eine Frage des Geldes! Sehe es doch einmal so: Die Lobbies der Konzerne tun Ähnliches. Auch jene veröffentlichen Zeitungsanzeigen, um uns in unserer Meinung zu beeinflussen z.B. über das Thema Kohle und Kohlekraftwerke oder zu dem Bullshit, dass angeblich nur sozial ist, was Arbeit schafft. Warum sollten also Meinungsintiativen aus der Mitte des Volkes nicht auch diesen Hebel für die Ziele viel größerer Bevölkerungsteile in Bewegung setzen.

Knut Karnann:
Weil sie nicht über solche Finanzmittel wie Konzerne verfügen.

Michael Niklas:
Falsch! Von einem Defizit an Gemeinwohl sind so viele Menschen betroffen, dass nur mit einem Euro von jedem Betroffenen sich gigantische Medienkampagnen bezahlen lassen. Einen Sendeplatz für einen Fernsehspots gibt es z.B. schon ab ca. 9000 Euro zu kaufen. Campact, eine mittlerweile recht bekante Plattform für virtuelle Proteste brachte z.B. schon Aktionen mit zigtausenden Teilnehmern auf die Beine und bei denen war noch keine Aktion über drei Jahre angesetzt.

Knut Karnann: Waren das auch MMN-Demonstrationen?

Michael Niklas: Nein, Campact hat ein anderes Konzept und bleibt meist bei Mailingaktionen oder visualisiert virtuelle Demonstrationen durch Aktionen auf der Strasse. Eine MMN-Demonstration verfolgt eine andere Strategie: Sie visualisiert eine Demonstration gleich dort, wo eine Demonstration auf der Strasse letztlich auch ankommen soll, in den Medien. Direkt in den Medien!

Knut Karnann: Das hört sich interessant an! Wie kann ich an Eurer MMN-Demonstration teilnehmen?

Michael Niklas: Das kostet Dich einen Zeitaufwand von 10 Minuten und einen finanziellen Aufwand von mindestens 4 Euro. Du kannst es bequem von zuhause aus, am Besten von einem PC mit Internetanschluss aus erledigen, alles Nötige erfährst Du auf der Internetseite jetztausrufezeichen.de. Statt selbst mit einer 200 Euro teuren Zugfahrt nach Berlin zu reisen, lasse zwei Deiner 2-Euro Stücke im Internet demonstrieren!

Knut Karnann:
Und damit komm’ ich dann auch ins Fernsehen?

Michael Niklas: Abhängig von der erreichten Teilnehmerzahl ist die Medienpräsenz einer MMN-Demonstration sogar sicherer und nicht von redaktionellen Präferenzen und einer konkurrierenden Nachrichtenlage an einem bestimmten Tag abhängig. Wir können uns den Termin für die Visualisierung der Demonstration der Medienkampagne frei aussuchen und haben als Termin die Zeit vor der nächsten Bundestagswahl geplant, um gegenüber den Parteien, die wir mit der Demonstration ja gerade kritisieren, auch maximal wirksam zu sein.

Knut Karnann:
Eure MMN-Demonstration ist sogar kombiniert mit einer symbolischen Parteigründung. Was in aller Welt muss ich mir darunter vorstellen?

Michael Niklas: Das ist das N in MMN, das Netzwerk. Neben einer selbstkontrollierten Medienkampagne hat die MMN-Demonstration auch den Vorteil, dass sie für den Interessenkampf keine Eintagsfliege bleibt, sondern ein Kommunikationsnetzwerk unter den Teilnehmern etabliert, das für eine längere Dauer angelegt ist. Dieses dient der Initiierung von begleitenden oder Folge-Aktionen, um den politischen Druck noch zu verstärken. Da wir mit der MMN-Demonstration „jetztausrufezeichen.de“ gegen die nun bereits jahrzehntelange miserable Politik aller etablierten Parteien aufbegehren wollen begleiten wir die Demonstration mit einer gespielten Parteigründung der Form nach, die das fantastische Potenzial hat, zur nächsten Bundewahl tatsächlich effektiv zu werden.

Knut Karnann: Ja was nun, gespielt oder effektiv?

Michael Niklas: Wir starten das mit einem Spiel, aber stellen durch das Spiel Voraussetzungen her mit denen bei erfolgreichem Spielausgang ganz schnell tatsächlich eine neue Partei gegründet werden kann.

Knut Karnann: Michael, jetzt bin ich verblüfft und begeistert zugleich. Jedoch war ich vom Stand der Technik Eurer Webseite nicht gerade begeistert.

Michael Niklas: Du hast recht, das ist noch unterste Stufe und bietet uns einiges Verbesserungspotenzial. Aber es ist wie unser Motto „Jetzt!“ Wir glauben, dass wir uns die miserable Politik unserer Parteien nun keinen Tag länger mehr gefallen lassen dürfen und lieber heute als morgen müssen wir dagegen etwas unternehmen, also jetzt! Wenn wir das mit einfacherer, aber nicht so eleganter Technik heute tun können, dann tun wir das lieber gleich heute, als bis in drei Monaten zu warten bis das technisch im state of the art gelöst ist. So sollten wir alle denken. Macht gleich jetzt etwas, wartet nicht länger. Kommunikation und Organisation sind weitere Herausforderungen. Wir gingen und gehen alles gleichzeitig an, um möglichst sofort wirksam zu werden. Dabei hat die Technik gelitten. Uns war nur wichtig, dass alle organisatorischen Prozesse z.B. für den Demonstrationsbeitritt baldmöglichst überhaupt funktionieren, erst einmal egal wie. Das haben wir nun bei den ersten Teilnehmern getestet und es läuft! Schnelligkeit ist Trumpf. Jetzt muss etwas geschehen nicht übermorgen.

Knut Karnann:
Und deshalb bietet ihr auch etwas für die ganz Schnellen.

Michael Niklas: Ja, Hannes hatte dazu die Idee ein Early-Bird-Goody anzubieten. Die ersten Teilnehmer an unserer MMN-Demonstration erhalten das Recht, falls das Spiel der Parteigründung im Rahmen der MMN-Demonstration erfolgreich ausgeht, bei der dann tatsächlichen neuen Partei lebenslang beitragsfrei Mitglied sein zu dürfen.

Knut Karnann:
Und die, das habe ich auf Eurer Seite gelesen, soll dann gleich eine Volkspartei sein?

Michael Niklas: Ja, wir wollen nicht den Fehler machen, wie so viele der momentan wie die Pilze aus den Boden schießenden neuen Parteigründungen im Internet. Wir bauen nicht auf einer sehr engen eigenen Weltsicht auf, sondern wollen im Gegenteil mit der bloßen Form und dem Bekenntnis zu einigen unverzichtbaren Grundwerten anfangen. Dadurch wollen wir es vermeiden, dass die Partei, die bei unserem Spiel herauskommen könnte, wieder nur eine weitere kleine Themen- oder Klientelpartei wird. Wir wollen eine Partei für alle Menschen werden. Dazu dürfen wir nicht jetzt schon im kleinen Gründerkreis Inhalte fest zurren. Wir wollen einen demokratischen Rahmen schaffen, in dem später unsere Parteimitglieder in Gesamtheit den Kurs bestimmen. Jedoch sollten wir noch nicht zuviel über diese Partei reden, auf der Internetseite haben meine Mitstreiter das vielleicht bereits etwas übertrieben. Ich habe angeregt, da lieber wieder etwas Luft herauszulassen bei den künftigen Überarbeitungen unserer Demonstrations-Homepage. Jetzt zu Anfang muss meiner Meinung nach das Anliegen der virtuellen Demonstration im Vordergrund stehen.

Knut Karnann:
Dann schlage ich vor, dass wir darüber irgendwann später ein Folge-Interview führen.

Michael Niklas: Sehr gerne. Da werden Dir auch gerne meine vier Freunde zur Verfügung stehen, die wir derweil zum provisorischen Vorstand unserer symbolisch gegründeten Partei gewählt haben.

Knut Karnann: Warum bist Du da nicht dabei?

Michael Niklas:
Von Anfang an, wollte ich jede Ähnlichkeit der Initiative mit einem durchgeknallten Egotrip eines Einzelnen vermeiden. Namen und Personen sind im Grunde unwichtig, es kommt nur auf die Aktion an sich an.

Knut Karnann:
Ihr wollt auch andere politisch oppositionell ausgerichtete Initiativen ansprechen und zur Teilnahme bewegen.

Michael Niklas: Ja, wir nennen das Odyssee-Projekt. Wir haben vor in den nächsten Monaten das Internet herauf- und herunterzusurfen auf der Suche nach Gruppen und Einzelmenschen, die im Internet ein persönliches Zeichen des politischen Widerstandes gesetzt haben und wir wollen alle diese Menschen erstmals im Rahmen unserer MMN-Demonstration durch die Teilnahme an einer gemeinsamen virtuellen Demonstration zusammenbringen, damit sie Anderen gegenüber alle auf Einmal in ihrer enormen Anzahl sichtbar werden, nicht nur auf unserer Webseite, sondern wie gesagt auch in der Medienkampagne zum Abschluss dieser Demonstration in Fernsehspots, Radiospots und Zeitungsartikeln.

Knut Karnann: Na dann viel Erfolg. Wir haben hier bei MITTELSCHICHT.COM schon so unsere Erfahrung gemacht mit Zusammenarbeitsangeboten. Viele der Aktivisten sind Egozentriker par excellence und meinen alleine Ihre Internetseite sei der Nabel der Welt.

Michael Niklas: Alle diese Aktivisten haben aus unserer Sicht einen wichtigen ersten Schritt gemacht. Sie haben eine für andere, mindestens mit der Mühe einer wie von uns geplanten Surf-Odysse, auffindbare Flagge gesetzt, dass da jemand ist, der sich zu einer oppositionellen Haltung gegenüber unseren herrschenden Politikern bekennt. Wir wollen eben das einer Wirkung zuführen, indem wir diese Flaggen nun absurfen und einladen zu einer großen gemeinsamen Aktion.

Knut Karnann: Werden jene begreifen, dass darin die Chance liegt, vielmehr als darin, darauf zu hoffen, dass der eigene Internet-Auftritt der Nabel der Welt wird? Und wollt nicht ihr dann genau auch gerade das?

Michael Niklas: Ja, aber wir drehen das Prinzip um. Wir warten nicht darauf, dass andere zu uns kommen. Sondern wir gehen gezielt auf Leute zu, die bereits aktiv sind. Menschen, die teils vielleicht kurz davor stehen, mit ihrem eigenen Projekt zu resignieren. Viele gibt es davon und einige Internetaktivitäten sehen bereits schon wieder ziemlich tot aus. Man hätte jene vor Monaten bereits ansprechen müssen. Aber von denen, die heute aktiv werden und heute aktiv sind, werden genauso viele in einigen Monaten resignieren und aufgeben. Das muss nicht sein, wir wollen jeder Initiative mindestens deutlich machen, dass sie ein überaus wichtiges und sinnvolles sichtbares Zeichen ist, durch das ihre Urheber erkennbar sind, dafür, dass sie von anderen Gleichgesinnten angesprochen werden. Das ist die neue Kultur, die wir einführen und die uns aus unserer Sicht auch legitimiert, diese zentrale Rolle zu spielen. Gäbe es jemanden, der das heute schon täte, würden wir uns anschließen und das nicht selbst tun.

Knut Karnann:
Es ist richtig. MITTELSCHICHT.COM existiert im Internet bereits seit über zwei Jahren und bis jetzt ist in dieser Art und Weise, wie Ihr es vorseht niemand an uns herangetreten. Höchstens mit Angeboten in der Form von Blogger-Plattformen, die die Blogartikel verschiedener Seiten zu einem täglichen aktuellen, gemixten Informationsangebot inhaltlich zusammenfügen. Jedoch für eine Teilnahme an einer Meta-Initiative, im Sinne einer echten politischen Initiative oder gemeinsamen politischen Demonstration, sprach uns in den zwei Jahren in denen wir online sind niemand an. Dabei hatten wir schon Tage mit 15.000 Aufrufen und sind im Internet sicherlich nicht ganz unsichtbar.

Michael Niklas: Es ist wie mit dem Ei des Kolumbus. Manchmal muss nur endlich einer der Erste sein, der etwas tut. Es ist kein sportliches Verhalten, wenn dann Andere eifersüchtig reagieren, darauf, dass nicht sie jene Ersten waren. Wir müssen uns endlich von dem Verhalten befreien, das unsere Gesellschaft krank gemacht hat, Neid- und Konkurrenzdenken gehört dazu! Wird die MITTELSCHICHT.COM unserer Demonstration beitreten?

Knut Karnann:
Das werde ich mit Uwe Harling klären müssen, der der Initiator unserer Initiative ist. Ich persönlich werde auf jeden Fall heue noch virtueller Demonstrationsteilnehmer auf Eurer Internetseite, versprochen!

Michael Niklas: Dann habe ich Dich überzeugt?

Knut Karnann: Auch bei MITTELSCHICHT.COM ist man seit zwei Jahren der Meinung, dass die derzeitige Politik unserer Parteien so miserabel ist, dass man auch zwischen den Wahlen etwas dagegen tun muss.

Michael Niklas:
Virtuell demonstrieren zu gehen, z.B.

Knut Karnann: Und damit also eine Medienkampagne gegen die falsche Politik genau vor der nächsten Bundestagswahl ermöglichen.

Michael Niklas: Dann, wenn den Parteien das am Meisten weh tun wird.

Knut Karnann:
Lieber Michael, ich danke Dir für das Gespräch und empfehle allen meinen Leserinnen und Lesern wie ich auf www.jetztausrufezeichen.de die erstmalige Erfahrung auszuprobieren, wie es ist, an einer virtuellen MMN-Demonstration teilzunehmen.

Michael Niklas: Übrigens, für alle, die darauf Wert legen, an einer MMN-Demonstration kann man auch völlig anonym teilnehmen und das ohne irgendein Vermummungsverbot zu verletzen oder damit eine Ordnungswidrigkeit zu begehen! Es ist etwas, was wirklich brandneu ist und was es in dieser Art zuvor niemals gab. Man muss es einfach einmal ausprobiert haben!


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